Jugendliche in Tschechien konsumieren eher Nikotinprodukte als synthetische Drogen
Elektronische statt klassische Zigaretten, Computerspiele statt illegaler Drogen – das Suchtverhalten der Jugendlichen in Tschechien verändert sich. Die Langzeittrends beobachtet eine europaweite Studie, und der neueste Bericht für Tschechien wurde am Dienstag vorgestellt.
Immer weniger junge Menschen in Tschechien rauchen klassische Zigaretten, trinken Alkohol oder konsumieren Marihuana. Damit sei die Lage aktuell wieder ähnlich wie vor 30 Jahren, als das Suchtverhalten der Minderjährigen zuzunehmen begann. Dies steht im Tschechien-Kapitel der achten Europäischen Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen (ESPAD).
Für den Bericht wurden vergangenes Jahr hierzulande insgesamt 2977 Schülerinnen und Schüler im Alter von 16 Jahren befragt. Zuständig ist das Nationale Beobachtungszentrum für Drogen und Abhängigkeiten, das von Pavla Chomynová geleitet wird. Obwohl die Popularität illegaler Drogen in Tschechien zurückgehe, gebe es nicht nur Grund zu Optimismus, sagte Chomynová in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:
„Beim Alkoholkonsum erkennen wir gewisse Veränderungen. Es ist zwar für Kinder nicht mehr so attraktiv, ihn erstmals zu probieren. Aber jene, die schon Alkohol trinken, zeigen inzwischen ein höheres Risikoverhalten.“
17 Prozent der Befragten bekennen demnach, im vergangenen Monat übermäßig getrunken zu haben. Diese Zahl steigt seit 2015 langsam, aber stetig an, so die Studie. Des Weiteren gaben 21 Prozent der Jugendlichen an, im Monat zuvor geraucht zu haben. Vor 30 Jahren hatte diese Zahl noch bei 34 Prozent gelegen und war zwischenzeitlich auf ein Maximum von fast 45 Prozent angestiegen. Dem abnehmenden Trend bei klassischen Zigaretten setzt Chomynová jedoch eine andere Erkenntnis entgegen:
„Wir beobachten den zunehmenden Konsum alternativer Rauchprodukte, vor allem von elektronischen Zigaretten. Das betrifft aber ebenso Nikotinbeutel, die wir im vergangenen Jahr zum ersten Mal in unsere Studie aufgenommen haben. Dabei gibt es einen interessanten Vergleich: Während Nikotinbeutel vor allem bei Jungs beliebt sind, werden elektronische Zigaretten häufiger von Mädchen konsumiert.“
Vergangenes Jahr im Frühling gab es in Tschechien zudem mehrere Fälle, in denen Minderjährige ins Krankenhaus mussten, weil sie Fruchtgummis mit HHC gegessen hatten. Ob sich Lage nach dem Verbot dieses Suchtstoffes nun verbessert hat, ließe sich jetzt noch nicht sagen, räumt Chomynová ein. Dies werde weiter beobachtet und in den Berichten der kommenden Jahre enthalten sein.
Und auch sonst gibt es immer wieder neue Suchtmittel, die auf dem tschechischen Markt auftauchen und damit in den Fokus des Beobachtungszentrums rücken. Erst Anfang des Monats hat die Polizei vor neuen und noch unbekannten synthetischen Drogen gewarnt, bei denen es leicht zu Überdosierungen komme und die hierzulande bereits einige Todesopfer gefordert hätten. So wurde in der Nähe von Ostrava / Ostrau etwa das erste illegale Labor zur Herstellung von Clephedron (4-CMC) entdeckt. Zu dieser neuen Designerdroge sagt Chomynová:
„Von den Heranwachsenden haben wir keine Informationen über den Konsum dieses Stoffes. Denn wir beobachten die gesamte Kategorie neuer psychoaktiver Mittel. Generell ist das Maß an Erfahrungen mit solchen Stoffen in der tschechischen Bevölkerung aber niedrig. Wir erklären uns das zum Teil damit, dass andere Suchtmittel in Tschechien leichter zu bekommen sind. Darum sind die Jugendlichen nicht derart an diesen noch unbekannten synthetischen Mitteln interessiert.“
Der Bericht widmet sich auch der Sucht in Bezug auf Computerspiele und soziale Netzwerke. Vor neuen Formen der Abhängigkeit werde bereits in einigen Aufklärungskampagnen gewarnt, betont die Direktorin. Dennoch gebe es noch Raum für mehr Prävention:
„Wir müssen vor allem auf die Risiken aufmerksam machen, die damit verbunden sind. Zum einen wird übermäßig viel Zeit mit solchen Technologien verbracht. Dies führt dann dazu, dass die Kinder keinen Raum mehr für andere Aktivitäten haben wie etwa Schule oder Hobbys. Außerdem kann sich das auf ihre Gesundheit und die soziale Weiterentwicklung auswirken.“
Die europäische Drogenstudie unter 16-Jährigen wurde erstmals 1995 veröffentlicht, und Tschechien ist seit Anfang an beteiligt. Die Befragungen werden alle paar Jahre wiederholt. Im vergangenen Jahr haben insgesamt knapp 114.000 Jugendliche in 37 Ländern teilgenommen.







