Strýcová erklimmt Tennis-Olymp

Barbora Strýcová y Su-Wei Hsieh (Foto: ČTK / AP Photo / Tim Ireland)
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Mit 33 Jahren ist sie vielleicht auf dem Höhepunkt ihrer Tenniskarriere: Barbora Strýcová hat am Sonntag im Doppel zusammen mit ihrer Partnerin Hsieh Su-wei das Turnier von Wimbledon gewonnen. Damit steht die Tschechin zugleich an der Spitze der Doppel-Weltrangliste bei den Frauen.

Barbora Strýcová und Hsieh Su-Wei  (Foto: ČTK / AP Photo / Tim Ireland)

Foto: ČTK / AP Photo / Ben Curtis
Die Tschechin Barbora Strýcová und Hsieh Su-wei aus Taiwan besiegten im Finale von Wimbledon das kanadisch-chinesische Duo Gabriela Dabrowski / Xu Yifan in zwei Sätzen mit 6:2 und 6:4. Damit sind sie sozusagen auf dem Tennis-Olymp angekommen.

Strýcová erkämpfte erstmals überhaupt einen Grand-Slam-Titel. Im Doppel zog sie zwar schon fünf Mal ins Halbfinale ein. Und im Einzel konnte sie sich erstmals jetzt in London auch in die Vorschlussrunde vorkämpfen. Doch ganz oben auf dem Treppchen stand sie noch nie. Es sei eine Genugtuung nach all den Jahren, sagte die gebürtige Pilsnerin nach dem Triumph auf dem Rasen des All England Clubs:

„Ich habe lange darauf gewartet und viel Arbeit hineingesteckt. Jetzt hat aber alles gepasst. Ich denke, das Match haben wir hervorragend gespielt. Wir waren von Anfang an oben auf, auch wenn sich am Ende alles etwas hinzog. Ich kann jetzt gar nicht beschreiben, welch tolles Gefühl es ist, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen und Weltranglisten-Erste zu werden.“

Foto: ČTK / AP Photo / Tim Ireland
Strýcová bildet eigentlich erst seit dieser Saison mit Hsieh Su-wei ein Doppel. Ihre taiwanesische Partnerin attestierte der Tschechin letztens einen guten Sinn für Humor. Diesen braucht es wohl auch, wenn sie zusammenspielen wollen – denn beide pflegen einen eher unorthodoxen Tennis-Stil. Dessen sind sich die beiden Gleichaltrigen zudem bewusst. So wunderte sich Strýcová am Rand der French Open in diesem Jahr darüber, wie eigen ihre Partnerin sei, weil sie ganz ohne Sponsor auskomme. Aber schön sei, dass Hsieh Su-wei auch so Tennis spiele.

Die Harmonie zwischen den beiden kann man auch aus der Bilanz ablesen: In Wimbledon mussten sie keinen einzigen Satz abgeben. Das Finale sollte eigentlich bereits am Samstag stattfinden. Doch zuerst wurde es auf Sonntag verlegt. Und dann zog sich auch noch das Herren-Finale, so dass beide Spielerinnen fünf Stunden lang auf ihren Auftritt warten mussten.

Barbora Strýcová  (Foto: ČTK / AP Photo / Tim Ireland)
„Das war schon ziemlich anstrengend. Aber wir hatten gute Laune, und bei einem Finale muss man auf so etwas immer vorbereitet sein“, so Barbora Strýcová.

Im Match dann wusste die 1,64 Meter kleine Spielerin auch gute Unterstützung hinter sich: Zu ihrem ersten Finale bei einem Grand-Slam-Turnier war zahlreicher Anhang angereist:

„Wunderbar, dass meine gesamte Familie und Freunde mich in dem Moment des Triumphs begleiten konnten, sie waren richtig lautstark.“

Kein Geheimnis ist, dass die aktive Karriere von Strýcová sich dem Ende zuneigt. Im vergangenen Jahr trat sie das letzte Mal im Fed Cup an – und zwar mit Erfolg. Zum insgesamt sechsten Mal in nur acht Jahren half sie dem tschechischen Frauen-Team, den Titel zu gewinnen. Dieses Jahr ist sie mit dem Titel in Wimbledon allerdings einem weiteren Highlight nahegekommen: der Teilnahme am WTA-Finale der Frauen Ende Oktober im chinesischen Shenzhen. Wer weiß, ob das nicht Lust macht auf mehr?

Autor: Till Janzer
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