Sudetendeutscher Sozialdemokrat aus Eskilstuna: Otto Seidl zu Besuch in Prag
Kurz nach dem Münchner Abkommen gelang es einer Gruppe von Sudetendeutschen Sozialdemokraten vor den Nazis nach Schweden zu flüchten. Viele von ihnen haben dort mit ihren Familien eine zweite Heimat gefunden, sie hörten jedoch nicht auf, sich politisch zu engagieren. In diesen Tagen weilt eine kleine Delegation Sudetendeutscher Sozialdemokraten aus Schweden zu Besuch in Prag.
Die von den Sudetendeutschen Sozialdemokraten gegründete Seliger-Gemeinde wird am Sonntag in Brannenburg dem Parteichef der tschechischen Sozialdemokraten, Jiri Paroubek, den Wenzel-Jaksch-Preis verleihen. Die skandinavischen Vertreter wollen auch dabei sein, wie Peter Krywult, der Vizechef der Sudetendeutschen Sozialdemokraten in Schweden gesagt hat:
"Ich bin sehr froh, dass die Jury dieses Jahr den Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreis diesem Mann verleihen wird. Denn es ist sehr wichtig, dass man zeigt, dass es auch von tschechischer Seite Personen gibt, die sich dafür einsetzen, dass gezeigt wird, dass es auch die Antifaschisten gegeben hat."
Einer der Antifaschisten ist auch der Vorsitzende der erwähnten sozialdemokratischen Organisation in Schweden, der 94-jährige Otto Seidl, der aus Kraslice / Graslitz stammt:"Ich gehörte von 1927 bis 1938 der Soziademokratischen Partei an, und als das Jahr 1938 mit dem Münchner Abkommen kam, so wurde es für uns Sozialdemokraten im Grenzgebiet so nahe an das Deutsche Reich oder das Dritte Reich, wie damals gesagt wurde, ziemlich gefährlich. Wir haben uns in der Nacht vom 22. zum 23. September nach Zentralböhmen evakuiert. Dort wurden wir in Flüchtlingslagern untergebracht, und eines Tages sind wir mit einem Zug nach Pilsen und weiter nach Mies transportiert worden. Der Zug mit den Antifaschisten fuhr aber weiter dann in dass deutsche Gebiet. Das war schon Anfang Oktober 1938. Meine Frau und ich - wir waren damals jung verheiratet - haben gewagt, aus dem fahrenden Zug abzuspringen, um nicht nach Deutschland gewaltsam überführt zu werden. Denn wir haben geahnt, was passieren würde."
Im Dezember 1938 gelang es Otto Seidl Böhmen zu verlassen und nach Schweden zu flüchten, wo er sich in der Stadt Eskilstuna niedergelassen hat.
"Wir wurden dort von einem Komitee der Schwedischen Arbeiterpartei empfangen und betreut - nicht ökonomisch, diese Unterstützung kam von einer anderen Stelle. Wir bekamen Wohnungen und haben uns in Schweden eingelebt, und im nächsten Jahr werden schon siebzig Jahre seit meiner Ankunft in diese Stadt vergehen, wo ich heimisch geworden bin. Von der ersten Generation, die als Erwachsene nach Schweden gekommen sind, bin ich der einzige, der noch lebt. Die anderen sind schon gestorben. Es gibt da noch Menschen, die als Kinder oder Jugendliche nach Schweden gekommen sind. Die meisten sind Mitglieder bei uns. Meine Generation ist schon weg. Ich habe das verdammte Glück, so alt zu werden, und deshalb erzähle ich gern meine Heldentaten."
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