Superstar Jágr: Kladno will den Titel, ich eine gute Form für die NHL-Saison

Jaromír Jágr (Foto: Kristýna Maková)

Jaromír Jágr: Im tschechischen Sport gibt es gegenwärtig wohl keine Persönlichkeit, die mehr Interesse und Aufmerksamkeit auf sich zieht, als der langjährige Superstar im Eishockey. Am Donnerstag lud der Eishockeyverein Rytíři Kladno, dessen Mehrheitseigner Jágr ist, zur Pressekonferenz vor der neuen Saison der hiesigen Extraliga ein. Eine Heerschar von Medienvertretern hatte sich eingefunden, die Mikrofone und Kameras aber waren nur auf ihn gerichtet – auf Jaromír Jágr.

Jaromír Jágr (Foto: Kristýna Maková)
Der Pressesprecher von Rytíři Kladno, Vít Heral, stellte seinem Chef zunächst die anscheinend nur nebensächliche Frage, was er von seinem Club in der neuen Saison erwarte, doch die Antwort des Superstars war überraschend deutlich:

„Die gleiche Frage bekommen zumeist auch die Manager und Besitzer der anderen Clubs gestellt. Fast alle sagen dann immer, wir wollen in die Play-offs oder zumindest Pre-Play-offs, doch gerade als Sportler sollte man sich die höchsten Ziele setzen. Von daher sage ich: Unser Ziel ist der Titel!“

Als erfolgreicher Eishockeyspieler weiß Jágr nur allzu gut, wovon er spricht. Denn sein unbändiger Ehrgeiz hat wesentlich dazu beigetragen, dass er in seiner aktiven Karriere eigentlich schon alles erreicht hat. Der 41-Jährige ist nämlich einer von nur zwei Tschechen, die sich Mitglied des Triple-Gold-Clubs nennen dürfen. Das sind Spieler (und ein Trainer), die sich damit rühmen dürfen, die drei wichtigsten Titel des Welteishockeys gewonnen zu haben: den Olympiasieg, den WM-Titel und den Stanley Cup. Jágr hat vor dem grandiosen Olympiasieg der Tschechen 1998 in Nagano zweimal den Stanley Cup und danach auch zweimal den WM-Titel geholt.

Rytíři Kladno (Foto: Kristýna Maková)
Als Unternehmer und Geldgeber seines Stammvereins, bei dem er einst das Einmaleins des Eishockeyspiels erlernte, aber müsste er eigentlich anders reden. Denn vor zwei Jahren, als er den Club aus Kladno kaufte, wäre dieser ohne seine Finanzspritze wohl Pleite gegangen und in der Bedeutungslosigkeit versunken. Seitdem aber ist deutlich ein Aufwärtstrend sichtbar, sowohl in der Profimannschaft als auch in der Nachwuchsarbeit. Die Profis haben in der ersten Saison nach Jágrs Einstieg auf Anhieb die Pre-Play-offs und ein Jahr später das Playoff-Viertelfinale erreicht. Seine mutige Aussage aber begründet er sofort:

„Wenn ich etwas anderes gesagt hätte, würde ich behaupten, dass wir keine guten Spieler und Trainer haben, und dass alle Leute, die sich im Clubbetrieb einbringen, keine gute Arbeit leisten. Das aber denke ich ganz sicher nicht. Wie ich schon sagte: Alle müssen sich die höchsten Ziele setzen, um die Motivation zu haben, auch etwas zu zeigen. Ob sie dann das Ziel erfüllen oder nicht, das ist schon eine andere Sache.“

Foto: Offizielle Instagram-Seite New Jersey Devils
Für ihn gelte schon immer die Prämisse, sich hohe Ziele zu setzen, versicherte Jágr. Deshalb wollte er sich in diesem Sommer auch noch einmal intensiv auf die ab Oktober anstehende NHL-Saison vorbereiten, die wohl seine letzte sein werde, so der Stürmer und achtbeste Spieler in der ewigen Scorerliste der NHL. Letztlich aber sei die Vorbereitung nicht ganz nach Wunsch gelaufen, gibt Jágr zu:

„Es lässt sich sagen, dass die vorige Saison meine längste in den zurückliegenden 20 Jahren war. Ich habe bestimmt auch die bisher höchste Anzahl an Spielen in einer Saison gehabt. Daher habe ich nach der Saison auch eine gewisse Müdigkeit gespürt. Ich dachte zunächst, ich werde zu Hause noch viel mehr trainieren, als ich es getan habe. Leider ist es nicht so gekommen. Auf der anderen Seite aber verfalle ich jetzt nicht in Panik. Es ist nicht wichtig, die beste Form mit in das Camp zu bringen, sondern während der Saison gut in Form zu kommen. Und dafür bleibt mir noch genügend Zeit.“

Die Devils tragen ihre Heimspiele im Prudential Center (Foto: glazaro, Flickr)
Vor seiner Abreise nach Amerika bleibt Jágr indes nur noch wenig Zeit. Schon am Montag wird er von Prag aus in Richtung Newark fliegen, wo er die Arbeit bei seinem siebten und vermutlich letzten NHL-Verein aufnehmen wird, bei den New Jersey Devils. Aber auch dort darf er sich des Blitzlichtgewitters der Fotografen und der neugierigen Fragen der Journalisten gewiss sein.

Autor: Lothar Martin
schlüsselwort:
abspielen