Tausche Kochlöffel gegen Schraubenschlüssel

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Die zweite Corona-Welle trifft Tschechien in manchen Bereichen härter als die erste im Frühjahr. Seit 14. Oktober unterliegen Hotel- und Gastrobetriebe so strengen Auflagen, dass viele von ihnen geschlossen haben. Wann und ob sie überhaupt wieder öffnen werden, ist in vielen Fällen unklar. Deswegen suchen zahlreiche Arbeitskräfte eine neue Beschäftigung in anderen Sektoren.

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„Früher hatte ich Soßenflecken auf der Schürze, jetzt ist es Ruß. Es ist eine echte Veränderung. Aber man muss sich immer etwas suchen, was einem auch Spaß macht.“

Tibor Čuchej nimmt die Krise mit Humor. Seine Flexibilität und ein gewisser Optimismus kommen ihm in der jetzigen zweiten Corona-Welle recht. Seine bisherige Arbeitsstätte war das Restaurant einer Pension in Vrchlabí / Hohenelbe. Weil es schließen musste, hat Čuchej kurzerhand den Kochlöffel gegen einen Schraubenschlüssel getauscht. Er arbeitet nun in einer Autowerkstatt. Der Stellenwechsel war nicht der erste in diesem Jahr:

„Im Sommer habe ich auch auf dem Bau gearbeitet. Es muss ja immer irgendwie weitergehen. Im Frühjahr war es noch ein Jux. Jetzt ist es keiner mehr. Mir gehen die Ersparnisse aus, also musste ich mir eine Arbeit suchen. Die Hypothekenraten nimmt mir ja keiner ab.“

Foto: Lucie Fürstová, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Vielerorts in Tschechien ist zu vernehmen, dass die erste Corona-Welle und der Lockdown im Frühjahr von der Privatwirtschaft viel besser gemeistert werden konnte. Die Firmen hatten noch ein gewisses finanzielles Polster, und die staatlichen Programme halfen über die Durststrecke hinweg. Nun war aber auch der Sommer in vielen Bereichen schwach, einige Einschränkungen blieben bestehen. Die Wirtschaft konnte trotz Lockerungen nicht vollständig wieder angefahren werden. Der Gastronomie- und Hotelbranche blieben die ausländischen Gäste aus.

Illustrationsfoto: Lucie Fürstová, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Und so trifft der jetzige zweite Lockdown die Unternehmen wesentlich härter. Die Gastbetriebe dürfen maximal ihre Gerichte zum Mitnehmen anbieten, und es ist nicht abzusehen, wann wieder eine Art Normalität möglich sein wird. In dieser Lage können viele Firmen ihre Mitarbeiter nicht mehr halten. Diese Entscheidung musste auch Zdeněk Šeda treffen. Er hat den Angestellten seines Restaurants in Vrchlabí gekündigt, wenn auch nur vorübergehend:

„Ich habe alle schon am 29. September entlassen, weil ich mit dem Lockdown gerechnet habe. Sobald das neue Projekt angelaufen ist, werde ich die dazu passenden und auch loyalen Mitarbeiter wieder einstellen.“

Für dieses neue Projekt nutzt er zumindest die Küche seines Restaurants weiter. Hier wird jetzt Brot im Steinofen gebacken. Šeda hat sein Unternehmen vollständig umgestellt und knetet nun im Morgengrauen Sauerteig:

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„Es ist anstrengend, finanziell und psychisch. Aber wir haben ein gutes Konzept, nämlich Produkte von hoher Qualität und aus regionalen Zutaten. Wir backen auf traditionelle Weise, so wie vor 70 Jahren. Es ist für uns aber auch ein gewisses Risiko, von dem wir nicht wissen, wie es finanziell ausgeht.“

Den aktuellen Verlautbarungen aus Politikerkreisen zufolge könnten die Restaurants in Tschechien womöglich für den Rest des Jahres geschlossen bleiben. Zdeněk Šeda ist immerhin zuversichtlich, dass seine Brote in der weiteren Umgebung Anklang finden.