Langer Winter erfreut Skiliftbetreiber – Hoteliers unzufrieden mit Steuerpolitik

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Laut Kalender ist schon seit drei Wochen Frühling, das weiterhin kühle Wetter beschert den tschechischen Wintersportzentren jedoch eine unverhoffte Verlängerung der Skisaison. Das freut vor allem die Pisten- und Skiliftbetreiber, die Hotel- und Restaurantbesitzer sind dagegen etwas weniger zufrieden.

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Weihnachten im Schnee, Ostern im Klee. So besagt es zwar die alte Bauernregel, im auslaufenden Winterhalbjahr war es allerdings eher umgekehrt. Über das unerwartet gute Ostergeschäft rieb man sich deshalb in den Skihochburgen die Hände, verrät der Chef des Verbandes für Seilbahnverkehr, Jakub Juračka:

„Weil der Schnee Ende März und über Ostern bis hinunter in die Niederungen reichte, haben viele Leute überlegt, was sie über die Feiertage unternehmen wollen. Ski zu fahren bot sich förmlich an, zumal die Wintersportzentren sehr preiswerte Tarife anboten. Die Umsätze, die die Zentren gemacht haben, waren relativ gut.“

Jakub Juračka (Foto: ČT24)
Trotzdem herrschte in der auslaufenden Wintersaison nicht in allen Sparten eitel Sonnenschein. Besonders Hotel- und Pensionsbesitzer wie auch Gaststättenbetreiber bekamen zu spüren, dass die Kunden derzeit sparen müssen, bestätigt Juračka:

„Das primäre Ziel der Besucher ist es, in den Bergen Sport und Freizeitspaß zu haben. Nachfolgende Dienstleistungen wie Kost und Logis aber wägen die Gäste sehr stark ab. Nicht selten fahren sie noch am gleichen Tag zurück oder bringen ihre Verpflegung selbst mit. Das bringt den Geschäftskreislauf im Gebirge etwas durcheinander.“

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Keiner der Geschäftsleute, die mit eigenem Service im Gebirge ihr Geld verdienen, kann aber große Zugeständnisse machen. Der Preis- und Kostendruck sei bereits sehr hoch, auch weil die Steuerpolitik des Staates das Wirtschaften noch erschwere, behauptet Juračka:

„Wir können nur beten, dass sich die Wirtschaftslage im Land verbessert und dass sich der Staat nicht weiter an der Verschlechterung beteiligt. Genau dafür hat die Regierung aber zum Beispiel mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer gesorgt. Und nun wird bereits von weiteren Steuererhöhungen gesprochen.“

Eine solche finanzielle Belastung, die vor allem die Hoteliers beunruhigt, ist die geplante Erhöhung der Kurtaxen in den Erholungsorten. Von ursprünglich 15 Kronen pro Nacht und Person soll sie zum 1. Juli auf 30 Kronen angehoben werden. Der entsprechende Gesetzentwurf wird derzeit im Parlament behandelt.

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Mehrere Unternehmer hegen aber schon jetzt die Überlegung, ihre Hotels und Pensionen deshalb aufgeben zu wollen, kritisiert der tschechische Verband für Handel und Fremdenverkehr. Dabei hält Juračka eine andere legislative Entscheidung für viel wichtiger: die Einführung eines Gesetzes zum Fremdenverkehr.

„Dieses Gesetz kopiert zum Teil analoge Gesetze in Österreich und der Slowakei, ist aber natürlich auf die tschechische Legislative abgestimmt. Alle in unserer Branche hoffen, dass das Gesetz schon bald verabschiedet wird - und mit ihm auch die Konzeption zum Fremdenverkehr. An der Ausarbeitung der Konzeption haben wir aktiv mitgewirkt. Sie regelt die Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit mit dem Staat. Überdies wird so der Fremdenverkehr von der Legislative zu einem vollwertigen Wirtschaftszweig klassifiziert, so wie es der Verkehr, die Industrie und die Energiewirtschaft sind.“

Nicht von ungefähr verweist Jakub Juračka auch darauf, dass in Österreich die Tourismusbranche zirka 15 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet. In Tschechien könne die Branche also noch zulegen, so Juračka.