Team Bonver Dakar Project will bei Rallye Dakar bis zur Spitze vordringen

Foto: Tschechisches Fernsehen

Immer zu Jahresbeginn ist die Sportwelt zweigeteilt. Während in Europa sowie im nördlichen Asien und Amerika Ski und Rodel dominieren, wird in Australien Tennis gespielt und in Südamerika werden die Motoren gestartet. Das Highlight, das in Argentinien, Bolivien und Chile ausgetragen wird, ist dabei kein anderes als die berühmte Rallye Dakar. Sie erlebt in diesen Tagen ihre 37. Auflage, und zu den traditionellen Teilnehmern gehören auch tschechische Fahrer und Kopiloten.

Karel Loprais (Foto: Richenza, Wikimedia CC BY-SA 3.0)
Die Rallye Dakar gilt als das härteste Motorsport-Etappenrennen der Welt. Bei dieser Rallye haben Tschechen vor allem in der Kategorie der Lastkraftwagen wiederholt für Furore gesorgt. Der erfolgreichste von ihnen ist der heute 65 Jahre alte Karel Loprais. Von 1988 bis 2001 gewann er den Lkw-Wettbewerb insgesamt sechs Mal. Das war in einer Zeit, als die Tatra-Werke im mährischen Kopřivnice ihre geländemobilen Transportfahrzeuge noch in Serie produzierten. Seitdem fehlte es den Rennfahrern, die weiter auf Tatra setzten, an materieller wie finanzieller Unterstützung. Vor drei Jahren aber wurde das Bonver Dakar Project gestartet. Dies ist ein professionelles Rennteam, das sich auf strapaziöse Fernstrecken-Rallyes in den Kategorien Lkw und Motorräder spezialisiert hat. Mit Hilfe mehrerer Sponsoren und dem Knowhow der heutigen Tatra-Bauer ist dieses Team mittlerweile auch international konkurrenzfähig. Zur laufenden Rallye Dakar ist das Team mit drei Tatra-Fahrzeugen und einem großen Begleitross am Start. Einer der Rennpiloten und gleichzeitig Teamchef ist Tomáš Vrátný:

Tomáš Vrátný (Foto: Tschechisches Fernsehen)
„Unser Rallye-Team besteht aus 45 Personen. Mit dieser Anzahl nähern wir uns bereits den größten Rennteams wie Kamaz oder Iveco an. Zu unserer Truppe gehören sowohl Physiotherapeuten als auch mehrere Mechaniker und Motoren-Spezialisten. Dadurch wird den Rennbesatzungen ein komplettes Umfeld an Betreuung und technischer Hilfe geboten. Und auch die Vorbereitung auf die Rallye verläuft mittlerweile ganzjährig.“

Um zu verdeutlichen, wie gut das Team Bonver Dakar Project inzwischen ausgerüstet ist, nennt Vrátný einige Details aus dem Equipment:

Foto: Archiv von Bonver
„Zu unseren drei Rennautos gesellen sich vier schwere Begleitfahrzeuge und drei leichte Geländewagen vom Typ Ford Ranger. Das gewichtigste unter den Begleitfahrzeugen ist der Tatra T 158 Phoenix 8x8. Er transportiert die Ersatzteile für unsere Rennautos, die entsprechend schwer sind. Das zweite Begleitfahrzeug ist der Tatra T 158 Phoenix 6x6. Er wurde zu einem luxuriösen Wohnmobil umgestaltet. Die Ausstattung hat absolutes Spitzenniveau – den Besatzungen, die hier schlafen, mangelt es an nichts. Ein weiterer Tatra 6x6 steht als Einsatzwagen für eventuelle Probleme im Terrain bereit, und das vierte Auto ist je zur Hälfte als Werkstatt und als Schlafabteil eingerichtet. Wir sind also bestens ausgerüstet.“

Foto: Archiv von Bonver
Tomáš Vrátný bestreitet in diesen Tagen bereits seine vierte Rallye Dakar. In den Jahren 2012 bis 2014 kamen er und seine Crew jeweils unter die Top 20 der Lkw-Wertung. Diesmal aber möchte er gern noch weiter vorn landen:

„Bisher habe ich stets eine spezielle Rolle im Team gespielt, und diese Rolle ging immer in die Richtung eines Wasserträgers, der für die anderen da ist. Nach den drei Jahren habe ich aber nun den Anspruch, auch einmal stärker in den Wettbewerb einzugreifen. Unser Ziel ist ein Platz in den Top 10, doch erst die Rallye selbst wird zeigen, ob das möglich ist. Jeden Tag kann etwas Unvorhersehbares passieren und so das Ergebnis beeinflussen.“

Josef Kalina (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Diese Meinung hat auch die Rallye-Legende Josef Kalina. Der 65-Jährige war als Navigator an vier der sechs Gesamtsiege von Karel Loprais beteiligt. Jetzt nimmt er zum 24. Mal an der Dakar teil, und zwar als Berater im Bonver-Team. Seine reichen Erfahrungen gibt er gerne weiter:

„Das Rennen ist in der Tat sehr spezifisch. Die wichtigste Erfahrung, die ich in all den Jahren bei der Rallye gemacht habe, ist die, dass man sich zu keinen allzu großen Abenteuern verleiten lassen sollte. Die jungen Fahrer von heute wollen das aber nicht gerne hören. Die russischen Lkw-Fahrer fahren wirklich verrückt und am Rande der Vernunft. Da sie gleich fünf weitere Fahrzeuge in der Hinterhand haben, können sie sich das aber auch erlauben.“

Foto: Tschechisches Fernsehen
Seinen tschechischen Landsleuten aber empfiehlt Kalina eine andere Fahrweise:

„Ich rate den Jungs immer, dass sie sich in jedem Moment klar machen sollten, dass sie noch eine lange Wegstrecke vor sich haben. Wenn etwas Negatives passieren sollte, dann ist das keine Tragödie, denn es gilt vor allem, im Rennen zu bleiben. Ich leiste also in erster Linie psychische Unterstützung. Meine Rolle besteht hauptsächlich darin, dass ich alle ein wenig beruhige.“

Foto: Tschechisches Fernsehen
Mittlerweile ist das Team Bonver Dakar Project so gut aufgestellt, dass es schon davon träumen kann, die Rallye Dakar einmal zu gewinnen. Das bestätigt auch Teamchef Vrátný:

„Gewiss ist es unser Plan, die Rallye zu gewinnen. Andererseits wissen wir auch, dass es dazu eine entsprechende Entwicklung braucht. Wir sind jetzt irgendwo auf der Hälfte des Weges. Was die sportlichen Ergebnisse betrifft, wollen wir den Aufwärtstrend der drei vorangegangenen Jahre fortsetzen. Jetzt aber richten wir unser Augenmerk besonders auf die Entwicklung der Maschinen, und als Fahrer sammeln wir stets neue Erfahrungen. Auch auf den Positionen der Mechaniker und Navigatoren entwickeln wir uns weiter. Das alles zusammen wollen wir eines Tages in die Waagschale werfen und in den Sieg bei der Rallye Dakar ummünzen.“

Aleš Loprais (Foto: ČTK)
Dieses Ziel verfolgt seit neun Jahren auch Aleš Loprais, der Neffe des ruhmreichen Karel Loprais. Bei seinem ersten Dakar-Rennen als Fahrer belegte der heute 35-Jährige auf Anhieb den hervorragenden dritten Platz. Nach mehreren Ausfällen wegen verschiedenster Defekte fand er 2013 und 2014 zurück in die Erfolgsspur. Mit insgesamt drei Etappensiegen beendete er die Rallye in beiden Jahren jeweils als Sechster. In diesem Jahr aber ist Loprais zum ersten Mal nicht mit dem Tatra unterwegs, sondern mit einem Gefährt des führenden internationalen Nutzfahrzeugherstellers MAN. Und international ist auch die Besatzung, mit der er die Fahrerkabine teilt. Sein Kopilot ist der Spanier Ferran Marco Alcayna, als Navigator fungiert der Niederländer Jan Van der Vaet. Das sportliche Ziel aber ist für Loprais nach wie vor dasselbe:

Martin Kolomý (Foto: ČTK)
„Ich habe nicht vor, meine Ambitionen zu ändern, denn sonst würde ich meine Identität verleugnen. Ich nehme an der Rallye teil, um zu gewinnen.“

Bis zum Dienstag wurden drei der insgesamt 13 Etappen absolviert. Aleš Loprais ist gut in das Rennen gestartet, hinter dem Russen Ajrat Mardjejew liegt er als Zweiter der Lkw-Gesamtwertung in Lauerstellung. Als bester Tatra-Fahrer liegt Martin Kolomý nur 27 Sekunden hinter Loprais auf dem fünften Platz. Diesen Rang hatte Kolomý auch vor zwei Jahren im Endklassement belegt und wurde damit bester Tscheche bei der 35. Rallye Dakar. Neben seiner starken Besetzung in der Kategorie Lkw ist Tschechien indes auch mit nicht weniger als fünf Motorradfahrern am Start. Derzeit als Bester platziert ist der erfahrene David Pabiška, nach drei Etappen liegt er auf Platz 36. Nur zwei Ränge hinter ihm rangiert Neuling Ondřej Klymčiw, der wie Pabiška auf einer KTM-Maschine unterwegs ist. Mit seiner ersten Teilnahme an der Rallye Dakar hat sich für den Youngster bereits ein Traum erfüllt. Entsprechend zurückhaltend formulierte er auch seine Ambitionen:

Ondřej Klymčiw (Foto: Tschechisches Fernsehen)
„Je höher man sich sein Ziel steckt, umso größer ist auch das Risiko eines Sturzes und einer Verletzung beziehungsweise der Beschädigung des Motorrads und seiner Technik. In diesem Jahr will ich Erfahrungen sammeln und heil bis ins Ziel kommen, denn zu Hause wartet die Familie auf mich. Im Innersten aber werden mein Team und ich zufrieden sein, wenn ich unter die besten 20 fahre. Das wäre ein Erfolg für uns.“

Autor: Lothar Martin
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