Telefonseelsorge für Kinder in Tschechien – 600 Anrufe täglich

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In der Tschechischen Republik gibt es eine Notfalltelefonnummer für Kinder und Jugendliche. Etwa 600 Mal klingelt dort täglich das Telefon und meistens haben die Anrufer Probleme mit Beziehungen in ihren Familien.

Foto: ČT24
„Linka Bezpečí“, Sicherheits-Telefonnummer – so heißt der gemeinnützige Verein. Er betreibt nicht nur die gleichnamige Hotline, sondern bietet Kindern und Jugendlichen auch die Möglichkeit, per Mail oder über einen Chat Kontakt zu einem Berater aufzunehmen. Im Jahr 2013 wurde die Nummer über 220.000 Mal kontaktiert. Petr Porubský leitet das Beraterteam der Hotline:

Petr Porubský (Foto: ČT24)
„Im vergangenen Jahr haben wir eigentlich weniger Telefonate entgegengenommen, als in den Vorjahren. Das liegt aber nicht daran, dass die Kinder weniger Probleme hätten, sondern eher an der schlechteren Finanzlage bei uns. Deswegen haben wir derzeit geringere Kapazitäten für die Annahme von Telefonaten.“

Denn die Hotline-Operatoren des Vereins sind keine ehrenamtlichen Mitarbeiter, sondern voll bezahlte Arbeitnehmer. Die finanziellen Mittel des Vereins stammen nur zu 20 bis 30 Prozent aus staatlichen Fonds, der Rest kommt von einigen großen und vielen kleinen Spendern. Und gerade diese Privatspenden seien wegen der Wirtschaftskrise rückläufig, so Porubský.

„Zahlen aus dem Jahr 2009 zeigen, dass nur jedes dritte Kind zu einem Berater durchkommt, oder dass jedes Kind es dreimal versuchen muss, bis es einen Gesprächspartner erreicht. Das bedeutet, die Nachfrage nach unseren Diensten ist hoch, und wir können sie nicht befriedigen.“

Hauptgründe für die Kontaktaufnahme seien Probleme innerhalb der Familien und mit Freunden, sagt der Berater. Allerdings haben sich die generellen Themen geändert:

„Die größten Probleme liegen in den Familienbeziehungen. Die Kinder leben heute, im Gegensatz zu früheren Jahren, in Familien, die keine klassische Zusammensetzung haben. Ich denke da an Kinder, die gleich mehrere Familien haben, vor allem wegen einer fast 50-prozentigen Scheidungsrate.“

Dies führe aber auch bei den Erwachsenen zu gestiegener Verzweiflung, so der Experte. Daher betreibt der Verein auch eine Hotline extra für die erwachsenen Familienmitglieder. Diese werde häufig von Menschen angerufen, aus kleinen, ländlichen Gemeinden, denn dort seien die Betreuungsdienste einfach nicht ausreichend, so Porubský. Aber die Hotline sei auch auf drastische Fälle vorbereitet:

„Wir bieten bei uns die so genannte Intervention oder den Kontakt, sowohl zur Polizei, als auch zum Jugendamt an. Das machen wir, wenn Leben oder Gesundheit eines Kindes ernsthaft gefährdet sind.“

Im vergangenen Jahr war das 60 bis 70 Mal der Fall, also mehr als einmal pro Woche.