Tour de France: Kreuziger mit Chance auf Rang drei

Roman Kreuziger (Foto: ČTK)

Die Tour de France geht in die entscheidende Woche. Im Spitzenfeld mit dabei ist immer noch Roman Kreuziger vom Rennstall Saxo-Tinkoff. Er liegt auf Rang vier. Allerdings besteht seine wichtigste Aufgabe nicht darin, eine möglichst gute eigene Platzierung herauszufahren. Er soll vielmehr der Nummer eins seines Rennstalls, Alberto Contador, zum Sieg verhelfen. Dabei fährt der Spanier bisher dem Führenden im Gesamtklassement, Christopher Froome, hinterher. Wie läuft es also für Kreuziger bei der 100. Tour de France?

Roman Kreuziger (Foto: ČTK)
Er ist der einzige Tscheche dieses Jahr bei der Tour de France: der 27-jährige Roman Kreuziger. Und er ist so gut drauf wie noch nie. Seine bisher beste Platzierung im abschließenden Gesamtklassement der Tour war in den Jahren 2009 und 2010 jeweils Rang neun. Nun bisher Platz vier.

In den Pyrenäen hatte Kreuziger locker an der Spitze mitgehalten. Es schien eher, als ob Alberto Contador als Mitfavorit ihn bremsen würde. Jedenfalls konnte Christopher Froome vom Team Sky das nutzen und fuhr einen Vorsprung heraus im Gesamtklassement. Dies blieb auch beim Zeitfahren in der vergangenen Woche so. Am Donnerstag bei der Flachetappe von Tours nach Saint-Amand-Montrond kam aber dann der Angriff des Rennstalls von Contador und Kreuziger. Beide gehörten zu einer Ausreißergruppe, die über eine Minute gutmachte auf Froome und sein Team Sky. Kreuziger sagte danach:

Roman Kreuziger (links) und Christopher Froome (gelb). Foto: ČTK
„Wir wussten, dass bei dieser Etappe eine Überraschung möglich war. Wir waren ganz vorne, und der Wind war ziemlich stark. Eigentlich hatten wir schon vorher einen Angriff starten wollen, haben aber auf diesen Moment gewartet. Längere Zeit schien es, als ob Froome und sein Team Sky uns noch einholen könnten. Dann mussten sie abbrechen. Das war ein gutes Gefühl.“

Gute Gefühle halten bei der Tour aber nicht lange an. Schließlich heißt sie auch Tour der Leiden, und nichts symbolisiert das mehr als der Aufstieg auf den Mont Ventoux in der Provence. Zum französischen Nationalfeiertag am Sonntag gönnten die Veranstalter der 100. Frankreichrundfahrt den Teilnehmern eine ganz besondere Tortur: Sie ließen die längste Etappe der Jubiläumsfahrt gerade auf dem kahlen Gipfel des Mont Ventoux enden. Nach 242 Kilometern und fast 1600 Höhenmetern in den Beinen sagte Kreuziger mit schwerem Atem:

Mont Ventoux (Foto: ČTK)
„Vor dem Anstieg war die Etappe sehr schnell. Und auch am Berg war das Tempo ziemlich hoch. Das war echt ein sehr schwerer Tag.“

Aus eigener Sicht und aus der Sicht seines Teams lief es für Roman Kreuziger am Sonntag nicht optimal. Am Anstieg zum 1912 Meter hohen Berg verlor er den Kontakt zu Contador und Froome. Er war dann auch nicht an der Seite seines Teamkollegen, als dessen Hauptgegner anzog. Froome gewann und baute seinen Vorsprung auf die Verfolger aus. Kreuziger fuhr als Fünfter ins Ziel und konnte anschließend nur den Hut ziehen. Zugleich ließ er aber wissen, dass ja noch die Alpen und ein weiteres Zeitfahren anstehen:

Christopher Froome (Foto: ČTK)
„Froome hat sicher gezeigt, dass er am heutigen Tag erneut der Stärkste war und sich das Gelbe Trikot bisher verdient. Für uns ändert sich aber nichts. Wir werden am Montag den freien Tag zur Erholung nutzen und bis Paris weiter kämpfen.“

Und Christopher Froome selbst sieht sich auch noch nicht als Sieger:

„Nein, das Ende ist noch weit weg“, antwortete der Fahrer im Gelben Trikot auf entsprechende Spekulationen.

Alberto Contador (Foto: ČTK)
Contador hat nun 4:25 Minuten Rückstand auf Froome, Kreuziger 4:28 Minuten. Aber ein positives Ergebnis brachte der Anstieg auf den Mont Ventoux dennoch für die beiden Geschlagenen: Sie konnten den Abstand auf den zweitplatzierten Bauke Mollema vom Rennstall Belkin Pro Cycling verkürzen. Kreuziger ist nur noch 14 Sekunden hinter dem Niederländer. Er hat also Chancen, als erster Tscheche bei der Tour im Gesamtklassement aufs Podest zu fahren.

Autor: Till Janzer
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