An Tour de France und US Open nehmen elf Profis aus Tschechen teil

Tour de France (Foto: ČTK/AP/Thibault Camus)

Lange mussten die Sportfans in aller Welt warten, bis sie in diesem Jahr einen großen Sportevent geboten bekommen. Nun stehen auf einmal gleich zwei davon auf dem Programm: die Tour de France im Radsport und die US Open im Tennis. An beiden Wettbewerben nehmen auch tschechische Sportler teil.

Und sie fahren doch! So in etwa könnte man mit einem Satz das Aufseufzen der Radsportfans beschreiben, nachdem sie seit vergangenem Samstag endlich wieder die beste Kost serviert bekommen. Denn der 107. Jahrgang der berühmten Tour de France wurde im südfranzösischen Nizza gestartet. Wegen der Corona-Pandemie wurde der Beginn des diesjährigen Rennens um zwei Monate verschoben. Für den tschechischen Rennfahrer Zdeněk Štybar aber hat dies auch einen speziellen Reiz:

Zdeněk Štybar (Foto: Kid for today, CC BY-SA 3.0)

„Weil die Tour jetzt zu einem anderen Termin stattfindet, und auch im Vorfeld nur wenige Rennen ausgetragen wurden, kann das diesmal eine sehr offene Angelegenheit werden. Natürlich ist zu erkennen, wie stark das Team Jumbo -Visma derzeit unterwegs ist. Von daher wird es sicher einen spannenden Zweikampf zwischen Jumbo und dem Team Ineos um Titelverteidiger Egan Bernal geben. Andererseits weiß niemand, wie es um die Kraft aller Starter in der dritten Rennwoche bestellt ist.“

Mitte letzter Woche wurde Štybar von seinem Team Deceuninck-Quick Step dann auch für die Tour nominiert, was seine Vorfreude noch mehr steigerte:

„Ich vergleiche die Tour immer mit einer Weltmeisterschaft. Für mich ist sie jeden Tag ein Highlight, also insgesamt drei Wochen lang. Denn die Atmosphäre, die man dort zu spüren bekommt, erlebt man sonst nirgendwo. Es ist wirklich etwas Besonderes, dabei zu sein.“

Adam Ťoupalík (Foto: Frank Haug, CC BY 3.0)

Um sich für die Tour und die weiteren Rennen des Herbstes gut in Form zu bringen, hat Štybar am vorletzten August-Wochenende auch an der tschechischen Straßenradsport-Meisterschaft in Mladá Boleslav teilgenommen. Hinter Überraschungssieger Adam Ťoupalík belegte er den zweiten Platz im Einzelrennen. Doch wichtiger als diese Platzierung war dem ehemaligen Radcrossfahrer noch etwas anderes:

„Jetzt muss ich vorsichtig sein, dass ich mir nirgends einen Virus einfange, dass ich mich nicht verletze oder mit dem Rad stürze.“

Leider hat sich Štybar aber doch noch eine Verletzung an der Kniesehne zugezogen, so dass ihn sein Team noch am Donnerstag wieder aus dem Kader gestrichen hat. Deshalb muss der 34-Jährige nun weiter auf seine dritte Teilnahme bei der Frankreich-Schleife warten. Bei seiner ersten Tour im Jahr 2015 hat Štybar bereits eine Etappe gewonnen.

Jan Hirt (Foto: Jérémy-Günther-Heinz Jähnick, CC BY-SA 3.0)

Und so ist das tschechische Trio, das die Tour angehen wollte, kurz vor dem Start noch auf ein Duo geschrumpft. Und die Vitae der beiden könnten unterschiedlicher nicht sein. Denn während der 29-jährige Jan Hirt, der für das CCC Team startet, seit Samstag seine Tour-Premiere feiert, ist der fünf Jahre ältere Roman Kreuziger schon zum zehnten Mal dabei. In diesem Jahr fährt er für das NTT Pro Cycling Team, dessen Stärken er wie folgt einschätzt:

„Wir haben gute Fahrer für die Sprints bei Massenankünften auf den Etappen. Hier werden wir vor allem für Giacomo Nizzolo arbeiten. Doch wir haben auch Spezialisten für das klassische Profil mit leichten Steigungen im Team, und natürlich wollen wir auch in den Bergen bestehen. Ich denke aber, dass für die Tour de France alle Fahrer hochmotiviert und hungrig auf Siege sind. Zudem vergeht diese Saison ziemlich schnell.“

Bei seinen neun  Starts konnte sich Kreuziger viermal unter den Top 10 platzieren, und sein fünfter Rang im Jahr 2013 ist bis heute die beste Tour-Platzierung eines tschechischen Radrennfahrers überhaupt.

Trotz aller Freude über die Rennteilnahme bei Hirt und Kreuziger, ein besonderes Merkmal der Tour wird in diesem Jahr deutlich eingeschränkt – es sind die Zuschauer. Bei den Durchfahrten durch größere Orte wie auch bei den Zielankünften wird nur eine begrenzte Besucherzahl zugelassen, in den Start- und Zielorten müssen zudem Masken getragen werden. Auch deshalb haben die tschechischen Reisebüros in diesem Jahr weitgehend Abstand davon genommen, Fahrten zur Tour zu organisieren. Pavel Veselý ist Geschäftsführer des Reisebüros Čezproka. In einer E-Mail teilte er die Gründe für die Entscheidung seiner Firma mit:

„Bis zum letzten Moment herrschte die Ungewissheit, ob die Etappen gefahren werden. Dieses Risiko hat uns die Vorbereitungen erheblich erschwert. Deswegen werden wir jetzt Reisen organisieren für die Eröffnungsetappe der Tour de France im nächsten Jahr, die in Brest stattfindet, und für die Schlussetappe in Paris. Und auch für die Startetappe im Jahr 2022 in Kopenhagen treffen wir unsere Vorkehrungen.“

US Open in New York findet in einer Blase und ohne Zuschauer statt

US Open (Foto: Constantin Dancu, Pixabay / CC0)

An diesem Montag beginnen in New York die US Open im Tennis. Es ist das erste Grand-Slam-Turnier nach der Corona-Pause, aber es steht natürlich immer noch unter den Maßnahmen gegen die Pandemie. So wird auf der gesamten Tennisanlage in Flushing Meadows ohne Zuschauer gespielt. Ein Novum, an das sich auch die tschechische Tennisspielerin Petra Kvitová noch etwas gewöhnen muss:

„Natürlich ist es schwer, ohne Zuschauer zu spielen. Vieles ist diesmal anders, denn auf der Tennisanlage gelangen wir auch zu Plätzen, zu denen wir sonst nicht kommen. Man kann sich überall hinsetzen, wo normalerweise die Besucher sitzen. Wir haben hier Freiraum wie nie zuvor, was eine neue Erfahrung und so gesehen auch was Schönes ist.“

Petra Kvitová (Foto: Peter Menzel, Flickr, CC BY-SA 2.0)

Diese Eindrücke konnte die zweimalige Wimbledonsiegerin schon eine Woche lang gewinnen, weil das Turnier von Cincinnati, das stets als Generalprobe für die US Open dient, diesmal auch nach New York verlegt wurde. In der Anlage von Flushing Meadows und in den allen Teilnehmern zugewiesenen Hotels leben die Spielerinnen indes nun bis zu drei Wochen wie in einer wasserdichten Blase. Und dieses Gefühl macht Petra Kvitová weit mehr zu schaffen:

„Ich darf jetzt weder den Central Park noch andere Plätze in New York besuchen, das könnte für mich ein Problem werden. Denn für mich ist es mental besser, wenn ich mich zwischen den Begegnungen auf dem Court entspanne und vom Tennis etwas abschalte. So aber bewegt man sich stets nur zwischen dem Tennisplatz und dem Hotel und sieht dabei fast immer die gleichen Gesichter der Spielerinnen, Trainer und anderen Teilnehmer. Ich weiß noch nicht, wie ich damit klarkomme. Ich gebe ehrlich zu, dass mir das etwas Angst macht.“

Und das gibt ihr auch nicht die nötige Sicherheit für ihr Tennisspiel. Denn bei den Cincinnati Open scheiterte sie gleich in der ersten Runde an ihrer Landsfrau Marie Bouzková. Für die acht Jahre jüngere Bouzková war dieser Sieg eine kleine Sternstunde:

Marie Bouzková (Foto: Jaroslav Plašil)

„Vor der Partie habe ich mir gesagt, ich muss gegen Petra zumindest drei Sätze bestreiten. In meiner noch jungen Karriere habe ich schon gegen Serena Williams und weitere Spielerinnen aus den Top 10 und Top 20 gespielt, doch gegen Petra zum ersten Mal. Weil sie Tschechin und seit meiner Kindheit auch ein Idol von mir ist, gehört dieser Sieg zu meinen schönsten.“

So wie ihr Vorbild, muss sich aber auch Marie Bouzková noch an die strengen Vorschriften während der beiden New Yorker Turniere gewöhnen. Dazu schildert sie folgende Episode:

„Als ich im Hotel auf das Essen gewartet habe und dabei für vielleicht nur zwei Sekunden vor die Tür gegangen bin, schallte mir sofort eine Stimme entgegen, dass ich zurück ins Zimmer gehen sollte, die Mahlzeit werde mir gebracht. Hier geht es wirklich streng zu, doch so muss es wohl auch sein. Die Hauptsache ist doch, dass wir ein Turnier spielen können.“

Karolína Muchová (Foto: Carine06, CC BY-SA 2.0)

So ähnlich denkt wohl auch Karolína Muchová. Sie unterlag im Vorbereitungswettkampf zu den US Open nur sehr knapp der Japanerin Naomi Osaka, die das New Yorker Turnier vor zwei Jahren gewonnen hat. Im Gegensatz zu mancher ihrer Konkurrentinnen ist sie mit den Bedingungen in Flushing Meadows recht zufrieden:

„Es ist zwar vieles eigenartig, doch ich muss auch sagen, dass es mir hier ganz gut gefällt. Man kümmert sich super um uns. Wir haben unsere speziellen Sky-Boxen, die komfortabel und perfekt eingerichtet sind. Zudem können wir auf der Anlage auch Golf oder Basketball spielen.“

Die aktuell beste tschechische Tennisspielerin ist Karolína Plíšková. Weil die Welranglisten-Erste Ashleigh Barty aus Australien und die Zweite, Simona Halep aus Rumänien, ihre Teilnahme abgesagt haben, ist Plíšková als Weltranglisten-Dritte nun sogar die Führende in der Setzliste des Damen-Einzel. Damit gilt sie automatisch als die größte Favoritin auf den Turniersieg. Doch die 28-Jährige sieht dies ein wenig anders:

Karolína Plíšková (Foto: robbiesaurus, CC BY-SA 2.0)

„Offen gesagt ist mir das egal, denn ich denke, dass in diesen Zeiten die Setzliste keine Rolle spielt. Auch in einer normalen Saison kann alles Mögliche passieren. Von daher denke ich, als Nummer eins gesetzt zu sein, heißt nicht, dass ich das Turnier gewinnen werde.“

Wenn aber doch, dann wäre es der erste – und von ihr so herbeigesehnte  – Grand-Slam-Turniersieg überhaupt. Vor vier Jahren stand Plíšková in New York schon einmal im Finale, unterlag aber der Deutschen Angelique Kerber nach großem Kampf in drei Sätzen. Beim diesjährigen Turnier treten insgesamt acht Frauen aus Tschechien in der Einzelkonkurrenz an, bei den Männern ist Jiří Veselý der einzige Tscheche.

Autor: Lothar Martin
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