Tradition trifft Gen Z: Tschechischer Film „Volklore“ gewinnt Student Oscar
Die tschechische Regisseurin Viktorie Štěpánová hat in dieser Woche in Toronto den silbernen Studenten-Oscar für ihren Kurzfilm „Volklore“ entgegengenommen. Der Video-Essay untersucht den Wandel der mährischen Folklore im Zeitalter der sozialen Medien.
Das Werk entstand als Abschlussarbeit von Viktorie Štěpánová am Zentrum für audiovisuelle Studien der Prager Filmhochschule FAMU. Der Film verknüpfe traditionelle und digitale Folklore miteinander, erklärte Viktorie Štěpánová in einem Interview für den Tschechischen Rundfunk. Dabei zieht sie Parallelen zwischen dem Verhalten auf Social-Media-Plattformen und den Mechanismen früherer Dorfgemeinschaften:
„Die digitale Folklore funktioniert nach denselben Prinzipien, die einst in den Dörfern galten – mit dem Unterschied, dass sie sich in der heutigen Zeit, in der wir chronisch online sind, auf Social-Media-Plattformen wie Instagram abspielt.“
Mährische Folklore im Zeitalter der Social-Media
Die einzige Rolle im Film übernimmt die fiktive Influencerin Vivi. Sie verbindet den mährischen Dialekt mit modernen Anglizismen und greift aktuelle Online-Trends auf. Die Regisseurin:
„Vivi präsentiert ein Jahr mährischer Traditionen. Aber weil sie eben in der heutigen Zeit lebt und die Sprache der Generation Z spricht, serviert sie uns diese Traditionen nicht als klassische Märchen. Stattdessen erklärt sie uns die Bräuche über Werbeclips, Vlogs und im typischen Slang der Gen Z – eben genau so, wie es ein Gen-Z-Girl beschreiben würde, das in Mähren aufgewachsen ist.“
Was die Jury an dem Film faszinieren konnte, beschrieb die Regisseurin wie folgt:
„Es ist etwas so Lokales und im Vergleich zu Amerika fast schon Niedliches. Dort sind diese Kulturen und winzigen Traditionen wohl nicht so stark ausgeprägt wie bei uns in Europa. Ich denke, es war gerade diese Kombination aus Lokalität und Folklore im Zusammenspiel mit der Konsumwelt, die ich zeige.“
„Volklore“ ist der erste tschechische Film, der einen Student Academy Award in der Kategorie „Alternative/Experimental“ erhalten hat, und das fünfte tschechische Werk überhaupt, das einen Studenten-Oscar gewinnen konnte. Bei der diesjährigen 53. Verleihung konkurrierten 2972 Filme von 894 Hochschulen aus aller Welt.
Seine internationale Premiere feiert der Film kommende Woche auf dem Filmfestival in Calgary. Gemeinsam mit den anderen Gewinnern der goldenen, silbernen und bronzenen Student Academy Awards qualifiziert sich Štěpánovás Arbeit damit automatisch für das Rennen um die regulären Oscars in der Kategorie Kurzfilm.
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