Traditioneller Weihnachtsschmuck: Glasperlen aus Poniklá

Foto: Jaroslava Mannová, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Nicht nur der Christbaum gehört zu Weihnachten, sondern natürlich auch der Schmuck an ihm. Vieles wird heute aus Kunststoff hergestellt, aber Weihnachtsschmuck aus Glas ist weiterhin stark gefragt. In der Gemeinde Poniklá am Fuße des Riegengebirges besteht eine lange Tradition in der Fertigung von Weihnachtsschmuck aus Glasperlen.

Marek Kulhavý arbeitet in seiner Werkstatt  (Foto: Jaroslava Mannová,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Marek Kulhavý arbeitet in seiner Werkstatt am Gasbrenner. Eine kleine hohle Glasröhre werde geschmolzen und in eine Form gegossen, erzählt er:

„Die Form ist zusammenklappbar, mit dem Fuß betätigt man die Luftzufuhr, und schon können Glasperlen geblasen werden.“

Auf diese Weise werden in den zweiteiligen Metallformen die sogenannten „Klautschen“ – Glasperlenketten – hergestellt. Sie werden aber weiter bearbeitet.

Die Produktion des Christbaumschmucks fängt beim Gasbrenner an. Dort beginnt auch die Führung für Besucher, die sich das Fertigungsverfahren in der Werkstatt anschauen wollen.

Foto: Jaroslava Mannová,  Archiv des Tschechischen Rundfunks
„Manchmal will ein mutiger Besucher selbst versuchen, die Glasperlenkette zu blasen. Das kommt aber nur etwa zweimal im Jahr vor.“

In einer anderen Werkstatt, die eher an ein chemisches Labor erinnert, werden die durchsichtigen farblosen Perlenketten versilbert.

„Hier wird mit einer Luftpumpe eine Lösung, die Ammoniak enthält, in die Perlenketten hineingezogen. In den Hohlperlen wird dann Silber aus der Lösung ausgefällt, und die Perlen erhalten eine silbrige Farbe. Sie müssen danach gewaschen werden. In einem Ofen werden sie anschließend getrocknet.“

Foto: Jaroslava Mannová,  Archiv des Tschechischen Rundfunks
In und an den innen versilberten Glasperlenreihen darf dem Experten zufolge kein einziger Wassertropfen bleiben, bevor sie weiter gefärbt werden. In der Färberei werden die Klautschen in Farbe getaucht, in Ständern lässt man sie dann abtropfen. Die Auswahl an Farben ist recht bunt, sagt Marek Kulhavý:

„Die Farbenpalette ist enorm groß. Denn jeder Kunde bestellt etwas anderes. Wir haben allein 48 Nuancen roter Farbe.“

Es reicht jedoch nicht, die Glasperlenketten zu färben. Sie werden zudem bemalt. Die Arbeit mit dem zerbrechlichen künftigen Weihnachtsschmuck fordert Geduld und Sorgfalt, sagt der Experte. Je mehr Farben, desto mehr Schichten muss die Malerin oder der Maler auf das Glasstück auftragen und es daher mehrmals in die Hand nehmen. Abschließend werden die einzelnen Glasperlen von den Klautschen abgeschnitten. Dazu wird ein Gerät mit einem Karbonmesser genutzt. Nur in Poniklá wird hierzulande auf diese Weise noch Christbaumschmuck hergestellt. Diese Fertigungstechnik wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus der Gegend von Jablonec nad Nisou / Gablonz nach Poniklá gebracht.