Trainer Vrba: Will mit Pilsen Titel in einer Liga, die an Qualität gewonnen hat

Foto: ČTK

Die erste Fußball-Liga in Tschechien, die Gambrinus Liga, hat am Montag ihre Herbstrunde beendet. Als Tabellenführer geht Viktoria Pilsen in die Winterpause, dicht gefolgt von Baumit Jablonec nad Nisou und Sparta Prag. Dieses Trio hat auch die größten Chancen auf den Gewinn der Meisterschaft. Und noch einmal ein Blick zurück auf Erfolg der tschechischen Tennisspieler im Davis Cup – und zwar auf den im Jahr 1980… (s. zweiter Beitrag).

Marek Bakoš (links). Foto: ČTK
Der Terminplan des letzten Spieltags wollte es so, dass die Teams aus Pilsen und Jihlava den Schlusspunkt setzen. Für die Gastgeber aus der westböhmischen Bierstadt eröffnete sich dabei die Möglichkeit, mit einem Sieg an die Tabellenspitze zu springen. Die Pilsener packten diese Chance beim Schopfe und gewannen die Partie durch ein Tor des Slowaken Marek Bakoš mit 1:0. Nach dem Spiel war dem Torschützen die Freude auch anzumerken, allerdings nicht nur über sein Tor und den Sieg:

Aus Sicht der Mannschaft hatten wir ein tolles letztes Halbjahr. In der Liga sind wir Erster, in der Europa League haben wir die Zwischenrunde erreicht. Ich denke, viel mehr kann man nicht erwarten. Was meine eigenen Leistungen betrifft, so muss ich sagen, dass ich schon ein paar Tore mehr hätte schießen und in einigen Begegnungen wohl auch besser spielen können. Im Moment aber bin ich froh, dass wir in die zweite Saisonhälfte vom ersten Platz aus starten werden.“

Pavel Vrba (Foto: Archiv Viktoria Pilsen)
Pilsen liegt mit 34 Punkten auf dem ersten Platz, Jablonec hat zwei Punkte weniger und Sparta hat drei Zähler Rückstand auf Pilsen. So wie in dieser Herbstrunde haben die Pilsener auch 2010 und 2011 bis zur Winterpause über 30 Punkte gesammelt. Vor zwei Jahren lagen sie dadurch ebenfalls an der Tabellenspitze – und wurden am Ende Meister. Trainer Pavel Vrba macht dann auch keinen Hehl daraus, dass er die Meisterschaft erneut im Visier hat:

„Natürlich können wir jetzt an den Titel denken. Wir müssen zwar noch abwarten, was in der Winterpause so alles auf dem Transfermarkt passiert, doch sollte die Mannschaft zusammenbleiben, dann setzen wir uns selbstverständlich das höchste Ziel.“

Neben der Kampfansage an die Konkurrenz fand Vrba auch noch lobende Worte für den letzten Gegner der Herbstrunde, den Aufsteiger aus Jihlava. Der hatte den Pilsenern am Montag nämlich noch einmal alles abverlangt:

Spiel mit Jihlava (Foto: ČTK)
„Wenn wir nach einem Überraschungsteam in der Herbstrunde suchen, dann muss man auf alle Fälle Jihlava nennen. Für mich ist die Mannschaft von ihrer Spielstärke her die größte Überraschung, vor allem das schnelle Umschalten von Abwehr auf Angriff ist eine Augenweide. Ich behaupte daher, dass Jihlava in dieser Saison das Zeug dazu hat, sich ohne weiteres im Mittelfeld beziehungsweise im oberen Teil der Tabelle zu platzieren.“

Eine kleine Überraschung war auch das Team aus Příbram, allerdings nur in den Duellen mit den Titelanwärtern Pilsen und Sparta Prag. In diesen zwei Spielen gewann das Tabellenschlusslicht nämlich gleich vier Punkte – drei gegen Pilsen und den vierten beim 0:0 im Heimspiel gegen die Hauptstädter. Es war für Sparta das verkorkste Ende einer ansonsten sehr gelungenen Hinrunde, die mit dem Einzug ins Sechzehntelfinale der Europa League ihren Höhepunkt fand. Der Zwei-Punkte-Verlust in Příbram aber wurmt Trainer Vítězslav Lavička sehr:

Vítězslav Lavička (Foto: ČTK)
„Es haben eigentlich alle erwartet, dass wir uns viel mehr Torchancen erarbeiten, als wir es heute getan haben. Leider haben wir es nicht geschafft, uns vor dem Tor entscheidend durchzusetzen, von daher können wir nicht zufrieden sein.“

Das Gegenteil ist bei Spielern und Trainer des Tabellen-Zweiten aus Jablonec der Fall. Sie sind mit der Hinrunde durchaus zufrieden, vor allem mit der Auswärtsbilanz des Teams. Denn von ihren sieben Begegnungen in der Fremde haben die Nordböhmen fünf gewonnen und keines verloren. Die Basis dafür haben die Grün-Weißen mit ihrer guten Abwehrarbeit gelegt, denn auswärts haben sie nur vier Gegentore bekommen. Zu Hause lief es nicht so gut – hier kassierte Jablonec gleich dreimal so viele Gegentore. Trainer Václav Kotal mit einem Erklärungsversuch:

Jan Kovařík (links). Foto: ČTK
„Alle Spieler sind offensiv eingestellt und rennen nach vorn, doch wenn sie dabei einen Fehler machen, hat der Gegner viel Platz zum Kontern. Und wenn er gute Spieler in seinen Reihen hat, dann versteht er das auch zu nutzen. Daher sehen unsere Heimspiele fast immer gleich aus. Leider.“

Mittelfeldspieler Jan Kovařík hat für die Diskrepanz zwischen Heim- und Auswärtsspielen eine ähnliche Erklärung:

„Auswärts haben wir in der Tat nur vier Tore kassiert, das ist ein großer Unterschied zu unseren Heimspielen. Die Gegner lauern bei uns meist auf Konter, während wir auswärts sehr gut in der Defensive stehen.“

Spieler von Jablonec (Foto: ČTK)
In der Winterpause wollen die Spieler von Jablonec nun vor allem im taktischen Bereich arbeiten, um ihre Erfolgsquote auch in den Heimspielen zu verbessern. Sollte ihnen das gelingen, dann werden sie im Frühjahr ganz sicher ein ernsthaftes Wort um die Meisterschaft mitsprechen. Pilsens Trainer Vrba ist ohnehin überzeugt davon, dass seine Mannschaft nicht nur Sparta Prag als starken Konkurrenten im Auge behalten muss:

„Ich bin überzeugt davon, dass die Liga an Qualität zugelegt hat. Nicht nur wir und Sparta, aber ich behaupte auch Olmütz und Jablonec würden derzeit in der Europa League eine gute Figur abgeben. Ich bin erfreut darüber, dass die tschechische Liga beginnt, an Substanz zu gewinnen und womöglich schon bald das Niveau der Ligen in Belgien und den Niederlanden erreichen kann. Wenn es soweit kommt, dann ist das super.“


Davis-Cup-Sieger Složil: Hatte fünf wunderbare Jahre als Trainer von Steffi Graf

Davis Cup (Foto: Kristýna Maková)
Vor anderthalb Wochen hat das tschechische Tennisteam der Herren den Davis Cup gewonnen. Die begehrte Trophäe bleibt nun ein Jahr lang in Tschechien und wird daher auch im Land zu unterschiedlichen Anlässen präsentiert. Am Dienstag und Mittwoch konnte man sie zum Beispiel im Foyer des Tschechischen Rundfunks bestaunen. Auf dem breiten Untersatz der silbernen Salatschüssel sind die Namen aller Sieger und Finalteilnehmer eingraviert. Aus tschechischer Sicht gehören dazu aber nicht nur Kapitän Jaroslav Navrátil und sein erfolgreiches Quartett vom Prager Finale. Bereits 1980 hat nämlich die Tschechoslowakei den Pokal gewonnen, und zwar mit den tschechischen Spielern Ivan Lendl, Jan Kodeš, Tomáš Šmíd und Pavel Složil.

Pavel Složil, Ivan Lendl, Tomáš Šmíd und Jand Kodeš (Foto: Daniel Ordóñez)
Zum diesjährigen Finale waren diese Vier auch nach Prag gekommen – und hatten viel zu erzählen. Der ehemalige Doppelspezialist Pavel Složil zum Beispiel betreibt heute eine Tennisschule im US-Bundesstaat Florida. Noch als aktiver Spieler bekam er 1986 ein einzigartiges Angebot: Vom Deutschen Peter Graf wurde er gefragt, ob er sich zutraue, seine Tochter Steffi zu trainieren. Složil sagte zu und wurde so der erste Profitrainer der späteren Weltranglisten-Ersten Steffi Graf. Složil erinnert sich:

„Es waren fünf wunderbare Jahre der Zusammenarbeit mit Steffi. Ich habe auch viele Dinge von ihr gelernt und nicht nur sie von mir. In dieser Zeit bin ich erst ein wirklicher Profi geworden, sowohl auf dem Court als auch daneben. Vorher war ich etwas faul, was meine eigene Vorbereitung anbelangt. In Deutschland habe ich gelernt, alles hundertprozentig zu machen. Heute verlange ich dasselbe von meinen Tennisschülern und von meinem Leben. Von daher denke ich quasi jeden Tag an die Zeit mit Steffi zurück.“

Steffi Graf (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Unter den 55 Turniersiegen, die Steffi Graf unter seiner Regie gefeiert hat, denkt Složil aber an einen ganz besonders gern zurück:

„Ich erinnere mich am liebsten an ihren ersten Grand-Slam-Sieg, das war 1987 beim Roland Garros in Paris. Danach ist Steffi durchgestartet und hat mit mir 10 Grand-Slam-Turniere im Einzel und eine Doppelkonkurrenz in Wimbledon gewonnen. Aber ihr erster Titelgewinn wird für mich wohl immer das schönste Erlebnis bleiben.“

Beim Prager Davis-Cup-Finale kam für Složil nun ein schöner Moment hinzu. Für ihn und alle hiesigen Tennisfans brachte der Sieg von Berdych, Štěpánek & Co. vor allem die Gewissheit, dass mit dem tschechischen Tennis auch international wieder mehr denn je zu rechnen ist.

Autor: Lothar Martin
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