Ein Nachmittag für die Annalen: Torreichste Begegnung der tschechischen Fußballliga

 Die Spieler von Zlín freuen sich über das Tor.

Wer am Samstagnachmittag zu den rund 2500 Zuschauern beim Fußballspiel der tschechischen Liga in Zlín gehörte, wurde Zeuge eines historischen Ereignisses. Denn insgesamt 14 Tore fielen: Mit 5:9 verlor die Heimmannschaft gegen den FK Mladá Boleslav. Es war das torreichste Spiel, das bisher in der eigenständigen tschechischen Fußballliga ausgetragen wurde.

Rudolf Reiter konnte es nicht fassen. Als der Mittelfeldspieler am späten Samstagnachmittag bei der Pressekonferenz nach dem Spiel seines FC Zlín gegen den FK Mladá Boleslav saß, rang er nach Worten:

„Das war Chaos. Das wird wohl niemand von uns noch einmal erleben. Dass wir acht Tore in 35 Minuten kassiert haben, das ist eine Schande.“

Kurz zuvor hatte seine Mannschaft mit 5:9 zu Hause verloren. Es war die torreichste Begegnung seit der Gründung der ersten tschechischen Fußballliga, ja sogar seit der unmittelbaren Nachkriegszeit hierzulande.

Bei der Pressekonferenz schlug Reiter immer wieder die Hände vors Gesicht oder schüttelte ungläubig den Kopf.

Rudolf Reiter  | Foto: Dalibor Glück,  ČTK

„Das Schlimmste ist, dass wir zu Hause fünf Tore geschossen, aber trotzdem verloren haben – und zwar um vier Tore. Im Fußball ist der Vorteil, dass man gleich wieder spielt. Das ist jetzt unser einziger Trost. Aber wir rennen wie die Pferde, es schaut gut aus, alle kämpfen wie die Löwen – und dann kommt das dabei raus.“

In der Begegnung hatte Zlín nämlich zur Pause mit 2:1 und ab der 46. Minute sogar mit 3:1 geführt. Doch dann kamen die Minuten 49 bis 53 des Spiels und das von Rudolf Reiter angesprochene Chaos…

„Wenn ich das Revue passieren lasse, dann haben wir innerhalb von vier Minuten drei Tore kassiert. Mladá Boleslav hat also in dieser Zeit das Spiel gedreht“, so der 29-jährige Fußballprofi.

Aber bis zur 78. Minute lag seine Mannschaft immer noch nur mit einem Tor hinten, beim Zwischenstand von 4:5. Und es hätte theoretisch wie bei einem der bis dahin beiden torreichsten Spiele der tschechischen Liga auch mit 5:5 unentschieden ausgehen können. Doch irgendwie waren die Gäste im Rausch und machten aus insgesamt elf Schüssen aufs Tor von Zlín die neun Tore voll. Und die Abwehr des Heimteams half dabei kräftig mit. Auch dessen Trainer Pavel Vrba rang bei der Pressekonferenz mit der Fassung.

Matej Rakovan | Foto: Dalibor Glück,  ČTK

„Das ist für mich eine riesige Enttäuschung. Im Angriff haben wir vielleicht eines der besten Spiele gemacht, aber in der Verteidigung eines der verrücktesten, die ich jemals erlebt habe. Das sind zwei Paradoxe. Die individuellen Leistungen einiger Spieler waren allerdings entscheidend dafür, dass das Ergebnis so grauenvoll ist.“

Ganz besonders unglücklich agierte Zlíns Torhüter Matej Rakovan. Drei Treffer der Gäste gingen auf seine Kappe. Zugleich trug auch Gäste-Schlussmann Matouš Trmal zum Torrekord bei, weil er ebenfalls zwei dicke Fehler machte, die jeweils zum Tor führten. Der Mittelfeldspieler Daniel Mareček steuerte zwei Treffer zum Sieg von Mladá Boleslav / Jungbunzlau in der verrückten Begegnung bei und sagte nach dieser in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

„Das war wohl auf beiden Seiten der Tag der offenen Tür. Wir hatten viele Chancen, die sogar einhundertprozentig waren. Ab der 60. Minute hatte ich das Gefühl, dass wir andauernd fast allein auf den Torhüter oder in Überzahl auf die Abwehr von Zlín zugelaufen sind. Und zum Glück haben wir dies genutzt.“

Das verrückte Spiel aus Tschechien war das gesamte Wochenende Gesprächsthema. Viele Beobachter der Liga mussten erst nachfragen, ob es sich nicht um eine Eishockey-Begegnung gehandelt habe. Die Spieler von Zlín und besonders Trainer Vrba sind sogar zum Gespött geworden. Der frühere Nationalcoach durchlebt derzeit wohl die schlimmste Phase seiner Karriere. In dieser Saison hat sein Verein schon 1:7 gegen Viktoria Pilsen und 1:5 bei Baník Ostrau verloren und ist mit nur sechs Punkten aus zwölf Spielen Tabellenletzter.

Autor: Till Janzer | Quellen: Český rozhlas , ČTK , Česká televize
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