Tschechien möchte in Kosovo-Frage vermitteln

Der tschechische Ministerpräsident Jiri Paroubek und Svetozar Marovic, Präsident von Serbien und Montenegro (Foto: CTK)
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Die Tschechische Republik wolle sich stärker in der Balkanregion engagieren und bei der Frage um die Zukunft der südserbischen Provinz Kosovo eine Vermittlerrolle einnehmen. So das Fazit des offiziellen Besuchs von Premierminister Jiri Paroubek in Belgrad, wo er auf seiner viertätigen Reise durch die Länder Ex-Jugoslawiens einen Stopp machte. Martin Jezek fasst direkt aus Belgrad für Radio Prag zusammen.

Der tschechische Ministerpräsident Jiri Paroubek und Svetozar Marovic, Präsident von Serbien und Montenegro (Foto: CTK)
Der tschechische Ministerpräsident Jiri Paroubek hat zwar den verfeindeten Seiten ein Angebot gemacht, dabei war er allerdings nicht sehr konkret. Tschechische Diplomaten wollen aber zwischen Belgrad und Pristina bei den angehenden Verhandlungen über den künftigen Status der bisherigen Provinz Kosovo vermitteln. Jedoch ist Tschechien in der Kontaktgruppe Kosovo nicht präsent und wird auch im Verhandlungsteam nicht vertreten sein. Dennoch sagte Paroubek, dass sich Tschechien mehr in der Balkanregion engagieren will:

Der tschechische Ministerpräsident Jiri Paroubek und der Ministerpräsident von Montenegro Milovan Djukanovic (Foto: CTK)
"Ich habe den politischen Vertretern Serbiens und des Kosovos angeboten, dass die Tschechische Republik in der Region eine größere Rolle spielen könnte als bisher. Ich glaube, dass die tschechische Diplomatie und die tschechischen Politiker sich verstärkt um eine Schlichtung bemühen und zu einer Kompromisslösung beitragen könnten. Ich gehe davon aus, dass mindestens eine der beiden Seiten einer Lösung zusagen würde."

Serbien und Montenegro gehören zu den acht Ländern in denen Tschechien demnächst Entwicklungshilfe leisten will. Hunderte Millionen Kronen jährlich sollen in das Entwicklungsprogramm fließen. Tschechien hat auch ein großes wirtschaftliches Interesse an der Region. Nach Rumänien und Bulgarien will der größte tschechische Stromerzeuger CEZ serbische Energiekonzerne kaufen. Die Tschechische Diplomatie hat sich aber bisher sehr unentschlossen gezeigt. Im Gegensatz zur Slowakei unterstützte das tschechische Außenministerium zum Beispiel Kroatien nicht ausdrücklich, als die EU-Beitrittsverhandlungen erneut verschoben werden sollten. Das solle sich im Falle Serbien und Montenegro nicht wiederholen. Paroubek beteuerte in Belgrad, dass der EU-Beitritt des Landes von Tschechien auf jeden Fall unterstützt wird. Österreich wird demnächst den EU-Vorsitz inne haben und ist einer ähnlichen Auffassung. In dieser Frage ist also eine Zusammenarbeit beider Länder möglich.