Tschechien und Bayern wollen Kooperation in Forschung und Entwicklung ausbauen

Die moderne Wirtschaft steht ständig vor neuen Herausforderungen. Um Herausforderungen wie die Digitalisierung der Produktion oder die weitere Vernetzung im Internet zu meistern, kommt der Förderung von Innovationsaktivitäten eine immer größere Bedeutung zu. Deshalb lautet das Jahresthema der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer (DTIHK) auch „Forschung und Entwicklung – Die Zukunft im Fokus“. Am Mittwoch hat die Kammer in Prag dazu auch ihr VIII. Wirtschaftsgespräch veranstaltet, an dem mehrere hochrangige Gäste aus Politik und Wirtschaft aus Tschechien und Bayern teilnahmen.

Franz Josef Pschierer (Foto: Ralf Roletschek, Wikimedia CC BY-SA 3.0 DE)
Noch vor dem Beginn des Wirtschaftsgesprächs wurde es konkret. Im Gebäude der Tschechischen Nationalbank in Prag trafen zwei Delegationen mit Wirtschaftsvertretern aus der Tschechischen Republik und dem Freistaat Bayern zusammen, um die anstehenden Schritte und Ziele ihrer erfolgreichen Zusammenarbeit zu erörtern. Die Delegationen wurden vom tschechischen Minister für Industrie und Handel, Jan Mládek, sowie dem bayerischen Staatssekretär für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, Franz Josef Pschierer, geleitet. Nach dem Treffen informierten Mládek und Pschierer die Medien über den Inhalt der Gespräche. Der bayerische Staatssekretär:

„Wir haben insbesondere über die Themen gesprochen, in denen die Zusammenarbeit in den nächsten Jahren intensiviert werden kann und muss. Das sind natürlich vor allem die Themen, die mit Forschung und Innovation zu tun haben. Die Tschechische Republik war für viele bayerische Firmen in den letzten Jahren insbesondere ein Absatz- und Produktionsstandort. Aber immer mehr bayerische Firmen entdecken auch das Innovationspotenzial, das in der Tschechischen Republik steckt, sowohl in Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen als auch in Betrieben. Deshalb wird Bayern alles tun, um das zu unterstützen. Denn viele Unternehmen aus dem Freistaat Bayern entdecken Tschechien tatsächlich immer mehr als Innovationsstandort.“

Digitalisierung (Foto: Archiv der Bayerischen Staatsbibliothek)
In seiner Rede vor den Teilnehmern der Konferenz hob Pschierer unter anderem hervor, dass der Freistaat Bayern die Digitalisierung als den wichtigsten Innovationstreiber ansieht. Daher werde man unweit von München eine Forschungsplattform aufbauen, in die man gern auch Wissenschaftler und Firmen aus Tschechien einbinden wolle, sagte der Staatssekretär:

„Was die Einbindung tschechischer Unternehmen und Institutionen betrifft, so wird es viele Möglichkeiten geben. Das Zentrum für Digitalisierung, das eng mit der Technischen Universität München zusammenarbeitet, hat seinen Sitz zwar in Garching bei München, doch von hier strahlt es natürlich quer durch Bayern bis hin zu unseren tschechischen Nachbarn aus. Gerade wenn ich die ostbayerischen Regionen betrachte mit Regensburg, Amberg und Weiden sowie die niederbayerischen mit Freyung, Grafenau und anderen Orten, so wird es dort enge Anknüpfungspunkte geben können auch zu Unternehmen und Einrichtungen in der Tschechischen Republik, die sich mit dem Thema Digitalisierung beschäftigen.“

Jan Mládek (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Der bayrische Staatssekretär benannte aber ebenso einige der Schwachstellen und Probleme, die man schnellstmöglich zu beheben habe. Dazu gehöre die berufliche Bildung, bei der sich Tschechien an dem bayerischen Erfolgsmodell, der dualen Ausbildung, orientieren könne. Wirtschaftsminister Mládek bestätigte sogleich, dass dies tatsächlich geplant sei:

„Was das duale System anbelangt, in diesem Bereich haben wir uns auf eine Zusammenarbeit verständigt. Und das ganz einfach deshalb, weil die praxisorientierte Ausbildung für Schüler und Studenten in den deutschen Bundesländern am besten funktioniert. Wenn ich dabei Bayern noch besonders hervorhebe, dann aus gutem Grund, denn der Freistaat ist in Deutschland die wohl stärkste Industrie- und Wirtschaftsregion. Deshalb haben wir an der dort üblichen dualen Ausbildung ein großes Interesse.“

Petr Šimůnek (Foto: Marián Vojtek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Auf dem DTIHK-Wirtschaftsgespräch kam letztlich immer wieder zum Ausdruck, weshalb gerade Bayern für die Tschechische Republik als Wirtschaftspartner so interessant ist. Am besten brachte dies der Moderator der Veranstaltung, der Chefredakteur des Magazins Forbes Česko, Petr Šimůnek, auf den Punkt:

„Ein Viertel des tschechischen Handelsaustausches mit Deutschland entfällt auf Bayern. Und wenn ich die dazugehörigen Zahlen mal schnell überschlage, dann komme ich zu dem Schluss, dass der Freistaat Bayern ein größerer Wirtschaftspartner für Tschechien ist als China.“

Und diese Tatsache fasziniere ihn immer wieder aufs Neue, betonte Šimůnek.