Tschechien und Vietnam streben intensivere Beziehungen an

Miloš Zeman und Trần Đại Quang (Foto: ČTK)

Der tschechische Präsident Miloš Zeman favorisiert den Osten. Seine Vorliebe für wirtschaftliche wie auch politische Partnerschaften mit Russland und China sind bekannt. Seit Montag weilt er nun zusammen mit einer 60-köpfigen Wirtschaftsdelegation in Vietnam. Zu dem südostasiatischen Land pflegt Tschechien seit Kurzem wieder gute Kontakte, zumal die Vietnamesen hierzulande die drittstärkste Minderheit sind.

Vietnam (Foto: macrider, CC BY-SA 2.0)
Vietnam zählt mit fast 100 Millionen Einwohnern zu den bevölkerungsreichsten Staaten Asiens. Dass das Land damit ein interessanter Markt ist, finden auch die tschechischen Wirtschaftsbosse. Bisher sind Unternehmen aus Tschechien noch nicht so stark in Vietnam vertreten. Nun soll sich das ändern, wie der Vizepräsident der nationalen Wirtschaftskammer, Bořivoj Minář, erklärt:

„Vietnam wird für den Handel immer interessanter. Deshalb wird das Land auch immer häufiger von den großen Wirtschaftsnationen wie Deutschland, den USA und anderen aufgesucht, die dort auf den Markt drängen. Diese Länder wollen hier verstärkt gemeinsame Unternehmen mit den Vietnamesen errichten. Mehr Promotion in Vietnam zu betreiben, ist daher eine nutzbringende Angelegenheit.“

Hanoi (Foto: Iostream01, CC 3.0)
Und darum haben die Wirtschaftskammer wie auch der Industrieverband die aktuelle Werbetour der tschechischen Unternehmen in Vietnam initiiert. Die Reise fällt nicht ohne Grund mit dem Staatsbesuch von Präsident Zeman in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) zusammen. Gleich zum Auftakt fand am Dienstag ein tschechisch-vietnamesisches Handelsforum in der Hauptstadt des Landes statt. Auf dem Forum warb Zeman für die tschechische Wirtschaftskompetenz:

„Falls das Interesse da sein sollte, sind wir auf eine enge Zusammenarbeit vorbereitet. Als eine Weltmacht in der Waffenherstellung würden wir Vietnam jegliche notwendige Ausrüstung liefern. Und unsererseits versichern wir, dass es für derartige Lieferungen kein Embargo gibt.“

Foto: Offizielle Facebook-Seite von ClineX
Neben diesem Angebot wurden am Dienstag aber auch schon Nägel mit Köpfen gemacht. Insgesamt wurden sieben bilaterale Verträge oder Memoranden unterzeichnet. Unter anderem geht es um ein IT-System für die vietnamesische Staatsverwaltung oder den Verkauf von Medikamenten. Bei Letzterem hat vor allem die Firma Clinex zugeschlagen:

„Wir haben mit unserem vietnamesischen Partner einen Vertrag über die Lieferung von weiteren Produkten aus der Pharmaindustrie unterzeichnet“, bestätigte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens Clinex, Jiří Stařeček, das neue Geschäft.

Miloš Zeman und Trần Đại Quang (Foto: ČTK)
Mit Hilfe der neuen Verträge soll nach Möglichkeit auch die ständige Zunahme des Handelsdefizits mit Vietnam gestoppt werden. So lagen 2015 die Ausfuhren bei 2,4 Milliarden Kronen (92 Millionen Euro), die Einfuhren aber bei 15,6 Milliarden Kronen (600 Millionen Euro). Die negative Bilanz komme nicht von ungefähr, erläutert Bořivoj Minář von der Handelskammer:

„Die Globalisierung hat die Verhältnisse im weltweiten Handel neu gemischt. Gegenwärtig können wir zum Beispiel feststellen, dass aus Vietnam neben den traditionellen Produkten wie Obst, Bekleidung und Schuhe auch Autoteile und Mobiltelefone nach Europa importiert werden.“

Ho-Chi-Minh-Stadt (Foto: Hilda Suchová)
Am Mittwoch traf Präsident Zeman schließlich mit seinem vietnamesischen Amtskollegen Trần Đại Quang zusammen. Bei dieser Gelegenheit wurde ein weiteres Abkommen unterzeichnet: der Vertrag über die beiderseitige Übernahme verurteilter Straftäter und über die Zusammenarbeit der Polizei. Zudem haben Tschechien und Vietnam vereinbart, Kurzzeit-Touristenvisa für tschechische Bürger abzuschaffen und eine direkte Flugverbindung zwischen beiden Ländern einzuführen. Die Fluglinie soll zwischen Prag und Ho-Chi-Minh-Stadt entstehen. Präsident Trần Đại Quang dankte dem tschechischen Staat für die guten Bedingungen, die den Vertretern der vietnamesischen Minderheit in Tschechien gewährt werden. Nun sollte man auch die hohe Zahl der jungen Vietnamesen – 70 Prozent der vietnamesischen Bevölkerung ist jünger als 30 Jahre – davon überzeugen, dass Tschechien auch in Zukunft ein verlässlicher Partner sei, wünschen sich beide Staatsoberhäupter.