Tschechisch-deutscher Essaywettbewerb: Studenten über Umgang mit Minderheiten

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„Was sagt der Umgang mit den Minderheiten über den Zustand unserer Demokratie aus?“ So lautete das Thema eines tschechisch-deutschen Essaywettbewerbs für Studierende. Der von Europaabgeordneten aus beiden Ländern initiierte Wettbewerb wurde vor kurzem in Brno / Brünn ausgewertet.

Libor Rouček (Foto: Martina Schneibergová)
Über fünfzig Studierende aus Deutschland, Österreich, der Slowakei und Tschechien nahmen am 4. Europäischen Essaywettbewerb teil. Die Sieger wurden im Rahmen des Brünner Symposiums „Dialog in der Mitte Europas“ geehrt. Zum ersten Mal hatte der tschechische Europaabgeordnete Libor Rouček den Wettbewerb mitausgeschrieben. Der Sozialdemokrat sagte, ihn habe das Thema „Umgang mit Minderheiten und Demokratie“ besonders angesprochen:

„Der Gedanke ist richtig und wichtig. Denn nicht nur in Tschechien, aber überall in der Welt sehen wir immer mehr Intoleranz. Und gerade in Europa haben unsere Mütter und Väter eine sehr tragische Erfahrung mit der Intoleranz gemacht. Wenn man darauf verzichtet, die Rechte der Minderheiten zu respektieren, kommt es zur Tragödie. Ich halte es darum für notwendig, junge Leute zu engagieren. Und dieser Essaywettbewerb ist der richtige Weg dazu.“

Martin Kastler (Foto: Martina Schneibergová)
Rouček schloss sich mit seiner Beteiligung dem deutschen Europaabgeordneten Martin Kastler an, der CSU-Politiker betreut von Anfang an den Essaywettbewerb. Kastler ist zudem Bundesvorsitzender der Ackermann-Gemeinde, des Zusammenschlusses katholischer Vertriebener. Im Interview für Radio Prag sagte er:

„Der Wettbewerb steht immer mit der Tagung der Ackermann-Gemeinde und der Bolzano-Gesellschaft im Zusammenhang. Nachdem das Tagungsthema diesmal ´Menschen am Rande´ war, haben wir uns als Europapolitiker verschiedener Couleur gedacht, was uns die jungen Menschen dazu mit auf den Weg geben. So kam das Thema zustande: Was der Umgang mit Minderheiten über den Zustand der Demokratie sagt.“

Laut Kastler haben dieses Jahr vor allem Studentinnen und Studenten aus Deutschland mitgemacht, weniger aus Tschechien und der Slowakei. Beim vorangegangenen Mal sei es aber umgekehrt gewesen. Ein Essay habe ihn dabei besonders beeindruckt:

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„Eine Studentin, die wir mit einem Sonderpreis bedacht haben, studiert Mikrobiologie an der Prager Karlsuniversität. Sie schrieb einen hochinteressanten Essay über den Umgang mit Minderheiten. Bei diesem Thema denkt man eher an Politikwissenschaftler, Historiker oder Juristen. Die Prager Biologiestudentin machte sich Gedanken darüber, wie mit dem Thema in der tschechischen Gesellschaft umgegangen oder eher gar nicht umgegangen wird.“

Die besten Aufsätze werden im Übrigen auch finanziell honoriert, wie Kastler ergänzt:

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„Die üblichen Preise, die wir beide als Europaabgeordnete stiften, betragen 500 Euro für den ersten Preis, 300 oder 200 Euro für den zweiten und dritten Preis. Bei Sonderpreisen gibt es eine Einladung ins Europaparlament.“

Der erste Preis wurde in diesem Jahr indes nicht verliehen. Deswegen überreichten die beiden Europaabgeordneten dem Zweit- und Drittplatzierten des Wettbewerbs, Daniel Jerke und Julian März, die Urkunden. Beide trugen beim Symposium in Brünn ihre Essays vor. Julian März ist Jurastudent aus München, er legte den Schwerpunkt auf das Verhältnis von Minderheiten- und Mehrheitsrecht in unterschiedlichen historischen Epochen und Regimen. Daniel Jerke studiert Europa-Studien in Chemnitz. Er beschrieb die Demokratie als Grundlage in Europa und den Umgang mit Minderheiten als Seele der Demokratie. Der Preis habe ihn überrascht, erzählte der 20-Jährige, auch wenn das Thema für ihn nicht ganz neu gewesen sei:

Daniel Jerke (Foto: Martina Schneibergová)
„Ich beschäftige mich damit, denn es ist auch Bestandteil meines Studiums. Ich beschäftige mich damit aber auch privat, denn ich lese viel über dieses Thema. Ich bin davon überzeugt, dass es sowohl in Deutschland als auch in Tschechien hoch aktuell ist, auch wenn ich mich in Tschechien leider noch nicht so gut auskenne.“

Die Sonderpreise gingen an Flandra Jakupi von der Uni Bielefeld und an Kateřina Mudroňová von der Prager Karlsuniversität.