Tschechische Glasindustrie erholt sich nach Krise

Foto: Archiv der Gesellschaft Moser

Böhmisches Glas galt jahrelang als erfolgreicher Exportartikel. Vor vier Jahren stürzte die tschechische Glasindustrie aber in eine schwere Krise, und mehrere Firmen mussten um ihr Überleben kämpfen. Mittlerweile gehört die Glasproduktion hierzulande aber wieder zu den wichtigen Industriezweigen, die Krise gilt als überwunden.

Foto: Archiv der Gesellschaft Moser
Jüngste Analysen bestätigen, dass sich die tschechische Glasindustrie wieder erholt. An der Technischen Universität in Liberec / Reichenberg wurde für den tschechischen Industrieverband eine Studie über die Situation in der Glasproduktion erarbeitet. Vlastimil Hotař ist Ingenieur für Glasherstellung und hat an der Studie mitgearbeitet:

„Die Glasindustrie in Tschechien ist im Aufwind – im Unterschied zu anderen Ländern Europas: In den vergangenen zwei Jahren wachsen die Einnahmen der Hersteller, die Zahl der Beschäftigten in der Glasproduktion steigt wieder. Die Lage ist wieder vergleichsweise gut, zuvor war der Produktionseinbruch aber sehr stark gewesen, sodass wir bei verhältnismäßig schlechten Zahlen wieder angefangen haben. Aber das Wachstum ist umso besser.“

Vlastimil Hotař (Foto: Archiv der Technischen Universität in Liberec)
Böhmisches Glas wird meist mit der Herstellung von Nutzglas gleichgesetzt. Bis Anfang der 1990er Jahre hatte dieser Bereich auch 55 Prozent Anteil an der tschechischen Glasproduktion. Die Konkurrenz durch Billigimporte aus Asien sowie die Wirtschaftskrise betrafen aber gerade diese traditionelle Produktion, und heutzutage liegt der Anteil an Nutzglas nur noch bei einem Viertel. Hotař bestätigt, dass sich die Struktur der Glasindustrie in den vergangenen 20 Jahren wesentlich geändert hat:

„Zum typischen Sortiment von 1991 gehörten hauptsächlich Bijouterie- und Nutzglas, also die traditionellen Produkte. Aber 2012 überwiegt im Sortiment technisches Glas, also Flachglas, Verpackungsglas und Glasfaser.“

Zdeňka Laštovičková (Foto: Archiv RTM TV)
Im Rahmen der Studie haben die Experten 27 tschechischen Glasproduzenten die Frage nach ihren Erwartungen gestellt. Die Mehrheit davon rechnet bis 2020 mit einem Anstieg des Exports und mit höheren Gewinnen. Zuvor müssen die Hersteller aber meist noch in moderne Technologien investieren. Zudem werden qualifizierte Mitarbeiter gesucht. Zdeňka Laštovičková leitet die Glasmacherschule im nordböhmischen Železný Brod / Eisenbrod.

„Die Ausbildung in diesem Bereich hat bei uns eine lange Tradition. Und ich bin überzeugt, dass man sich auf unsere Absolventen in Zukunft verlassen kann.“

Foto: Archiv der Glashütte Novosad
Der Strukturwandel in der Produktion beeinflusst natürlich die Zahl der Beschäftigten. Ende 2012 arbeiteten etwa 17.500 Menschen in der Glasindustrie, vor 20 Jahren waren es noch doppelt so viele. Damit liegt Tschechien in Europa immer noch auf Rang vier. Spitzenreiter ist Deutschland vor Polen und Frankreich. Am produktivsten ist Tschechien, wenn man die Glasproduktion pro Einwohner berechnet. So wurden 2010 pro Einwohner 130 Kilo Glas produziert, in Deutschland 81 Kilo, in Italien 74 Kilo und in Frankreich nur 71 Kilo Glas pro Einwohner.