Tschechische Herzpatienten erhalten als erste Schrittmacher ohne Drähte

Foto: ČTK / Klinik Na Homolce

Seit 1958 werden Herzschrittmacher implantiert. Das erste Modell war so groß wie ein Eishockey-Puck. Nun gibt es eine revolutionäre Neuerung: ein Schrittmacher ohne Elektroden, also ohne Drähte. Tschechien ist das erste Land, in dem Patienten dieses neue Gerät erhalten. Es ist das Modell einer amerikanischen Firma, an dessen Entwicklung auch Ärzte aus Prag gearbeitet haben.

Schrittmacher (Foto: ČTK / Klinik Na Homolce)
Der neue Herzschrittmacher sieht aus wie eine schlanke Metallpatrone. Die Tests zu dem Gerät wurden an acht Kliniken in drei Ländern betrieben, unter anderem im Prager Herzzentrum Ikem. Professor Josef Kautzner leitet das Ikem:

„Beim konventionellen Modell, das seit über 50 Jahren genutzt wird, bringt man den Herzschrittmacher knapp unter dem Schlüsselbein unter der Haut an. Von dort gehen Elektroden ins Herz. Diese können sich aber nach längerer Zeit abnutzen oder sie brechen. Sie sind das schwächste Teil des Schrittmachers. Das neue Gerät ist viel kleiner und wird direkt in die Herzkammer eingesetzt. Dabei nehmen wir an, dass es im Schnitt acht Jahre Funktionsdauer hat. Bei Patienten, die keine durchgehende Stimulation des Herzens brauchen, kann dies auch länger sein, ähnlich wie bei den bisherigen Herzschrittmachern.“

Petr Neužil (Foto: ČTK / Klinik Na Homolce)
In der Prager Klinik Na Homolce haben nicht nur die ersten Patienten in Tschechien, sondern sogar weltweit solch ein Gerät erhalten. Die Kardiologie der Klinik leitet Professor Petr Neužil. Er erläutert, warum schon das Einsetzen des Schrittmachers für den Patienten sicherer und angenehmer ist, als beim herkömmlichen Gerät:

„Er wird über die Oberschenkelarterie eingeführt, dies geschieht durch Punktuation, es muss also nicht operiert werden. Zur Einführung wird eine spezielle Hülle verwendet, die wir mit einem Katheter bis in die Spitze der rechten Herzkammer führen. Dort wird der Schrittmacher mit einer Spirale festgemacht. Wenn wir dann die elektrischen Daten des Geräts überprüft haben, trennen wir es von der Hülle. Der Schrittmacher bleibt dann so lange in der Herzkammer, wie es die Betriebszeit der Batterie erlaubt.“

Katheter (Foto: ČTK / Klinik Na Homolce)
Vor allem der Katheter durch die Oberschenkelarterie sei schneller und sicherer, sagt Neužil. Bei der Einführung durch die großen Venen unter dem Schlüsselbein bestehe immer auch die Gefahr, die Lunge zu verletzen. Petr Neužil und seine Kollegen haben in Tschechien bereits 16 Patienten den neuen Typ des Herzschrittmachers eingesetzt. Und das geschehe mittlerweile ohne großen Aufwand, wie der Kardiologe sagt:

„Der Eingriff ist sehr kurz. Nach den ersten drei Patienten haben wir eine durchschnittliche Dauer von 15 Minuten für die Implantation erreicht – ein sehr einfaches Verfahren also.“

Klinik Na Homolce (rechts). Foto: Pavel Dušek, Wikimedia Creative Commons 3.0)
Einer der Patienten war Lubomír Navrátil. Er scheint mit seinem Gerät zufrieden zu sein.

„Ich habe es schon ein bisschen übertrieben mit dem Nordic Walking, habe Langlauf gemacht und wenn der Schnee weg ist, setz ich mich aufs Mountainbike“, brüstete sich der Herzpatient.

Die neuen Herzschrittmacher waren im Übrigen über viele Jahre an Tieren getestet worden. Dass die ersten Menschen mit dem Gerät aus Tschechien sind, ist wohl eher Zufall: Die Institute hierzulande haben den ganzen behördlichen Aufwand zur Zulassung schneller bewältigt als die in anderen Ländern.