Tschechische Politikerin Milada Horáková wurde vor 75 Jahren von den Kommunisten hingerichtet
Vor 75 Jahren, am 27. Juni 1950, wurde die tschechische Politikerin Milada Horáková hingerichtet. Sie war Opfer des ersten großen politischen Schauprozesses, den die Kommunisten mithilfe sowjetischer Berater als Abschreckung inszeniert hatten.
Milada Horáková war eine tschechische Rechtsanwältin und Politikerin. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete sie im Widerstand und wurde 1940 von der Gestapo verhaftet. Die Anklage schlug die Todesstrafe vor, doch das Gericht wandelte sie in acht Jahre Gefängnis um. 1949 wurde die Abgeordnete der Tschechoslowakischen Volkssozialistischen Partei erneut verhaftet, diesmal von den Kommunisten. Am 31. Mai 1950 begann in Prag der Prozess gegen Horáková und elf weitere Mitglieder nicht-kommunistischer Parteien. Ihnen wurden staatsfeindliche Aktivitäten, Hochverrat und Spionage vorgeworfen. An dem Prozess waren sowjetische Berater beteiligt, die nach einem vorbereiteten Szenario Verhöre durchführten und die Angeklagten mit erzwungenen Aussagen anderer Gefangener konfrontierten. Der Prozess endete nach acht Tagen mit vier Todesurteilen. Die anderen Personen wurden zu hohen Strafen verurteilt. Alena Šimánková vom Nationalarchiv:
„Es war ein großer Prozess, dessen einziger Zweck eindeutig darin bestand, Anhänger verschiedener ideologischer Parteien, die es in der Tschechoslowakei gab, einzuschüchtern. Es war ein großes Spektakel, das natürlich ein tragisches Ende in Form der Todesurteile hatte.“
Milada Horáková wurde am 27. Juni 1950 kurz nach 5.30 Uhr morgens hingerichtet, als letzte der vier zum Tode Verurteilten. Erst nach der Wende von 1989 wurde sie rehabilitiert.
Anlässlich des 75. Jahrestages des Justizmordes wurde die Fassade eines der Häuser in der Milada-Horáková-Straße im siebten Prager Stadtbezirk mit einem großformatigen Gemälde versehen. Es zeigt die Politikerin, die in die Ferne blickt. Geschaffen wurde es von der Malerin und Illustratorin Toy_Box:
„Ich habe ein 17 Meter hohes Wandgemälde gemacht, ein Porträt von Milada Horáková. Zuvor habe ich mir überlegt, wie ich diese so wichtige Persönlichkeit darstellen kann. Ich wollte, dass die Darstellung dem brutalen Schicksal, das sie erleiden musste, gerecht wird, aber auch, dass sie für die Straße akzeptabel ist.“
Mit dem Projekt soll nicht nur das Andenken an Milada Horáková gewürdigt, sondern auch an die Gefahren totalitärer Regime und die Bedeutung von Zivilcourage erinnert werden. Toy_Box:
„Ich hatte die Idee, ihr Porträt in mehrere Teile zu zerlegen. Ich habe also das ikonische Foto von ihr genommen, es zerschnitten und an der Wand wieder zusammengesetzt.“
Zu dem Gemälde gehört auch ein Zitat aus Horákovás letztem Brief an ihre Tochter auf Tschechisch und auf Englisch. Darin heißt es:
„Gehe mit offenen Augen durch die Welt und höre nicht nur auf deine eigenen Schmerzen und Sorgen, sondern auch auf die Schmerzen, Sorgen und Wünsche der anderen.“
Der 27. Juni, also der Tag, an dem Milada Horáková sowie Jan Buchal, Oldřich Pecl und Záviš Kalandra hingerichtet wurden, wird in Tschechien als „Gedenktag für die Opfer des kommunistischen Regimes“ begangen.
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