Tschechische Schmuddel-Tankstellen aufgedeckt

Es gibt mindestens zwei Dinge, wo der Spaß aufhört: beim Geld und beim Auto. Das haben am Dienstag wieder einmal die Klickzahlen für die Webseite der Tschechischen Handelsinspektion bewiesen. Da war nämlich eine Liste der Tankstellen einzusehen, denen die Inspektion im vergangenen Jahr eine Strafe wegen ihrer schlechten Treibstoffqualität auferlegt hat. Die Webseiten waren wegen des großen Ansturms zeitweise blockiert.

Dass bei besonders billigen Tankstellen mit dem Treibstoff irgendetwas nicht stimmt, das haben viele vielleicht schon vermutet. Jetzt haben sie es schwarz auf weiß, welche Tankstelle – absichtlich oder aus Versehen – unreinen Kraftstoff anbietet. Auf diese Schmuddel-Liste der Tschechischen Handelsinspektion haben tschechische und sicher auch deutsche Autofahrer jahrelang gewartet. Und so war auch die Dramatik verständlich, mit der der Industrie- und Handelsminister Kocourek am Dienstag vor die Kameras trat:

Jan Štěpánek und Martin Kocourek (Foto: ČTK)
„Genau in diesem Augenblick lädt die Tschechische Handelsinspektion eine Liste auf ihre Webseite hoch, auf denen jene Tankstellen veröffentlicht sind, denen von der Inspektion rechtskräftig eine Strafe auferlegt wurde.“

Jetzt können sich die Autofahrer selbst davon überzeugen, wo sich das Tanken nicht bezahlt macht. Lange war das nicht möglich. Mit diesem Jahr seien neue Regeln für die Kontrolleure in Kraft getreten, rechtfertigt Minister Kocourek. Die Sünder-Liste kam allerdings schon 2010 zum ersten Mal an die Öffentlichkeit, und zwar durch die gemeinnützige Organisation Acta non verba (ANV); jetzt zog die Handelsinspektion nach und will obendrein am Ball bleiben:

Foto: Europäische Kommission
„Jeden Monat werden wir auf unserer Webseite eine aktualisierte Liste der Tankstellen veröffentlichen, die qualitativ schlechten Treibstoff angeboten haben“, erklärt Direktor Jan Štěpánek.

Schlechter Kraftstoff beschädigt den Motor – das kann einen teuer zustehen kommen, wie jeder Automechaniker bestätigt. Die höchsten Strafen von umgerechnet rund 122.000 Euro hat sich die Tankstellenkette Falko II. eingefangen. Die meisten Tankstellenbetreiber begrüßen die Liste, weisen aber zugleich darauf hin, dass 90 Prozent der entsprechenden Tankstellen nur kleine Mängel aufzuweisen hatten. Wirklich schwarze Schafe, also Benzin-Panscher, gebe es nur wenige. Die Prager Tankstelle Tannaco gehört zu den Sündern im „mittleren Betrugssegment“. Betriebsleiter Kukla gibt den Schwarzen Peter weiter:

Tankstelle Tannaco (Foto: TANNACO AG)
„Uns missfällt, dass die Tschechische Handelsinspektion immer nur den Einzelhändler am Ende der Handelskette kontrolliert. Niemanden interessiert dabei, wer uns den Treibstoff verkauft hat beziehungsweise, ob nicht der Großhändler den Treibstoff verpanscht hat.“

Industrie- und Handelsminister Kocourek verweist auf das neue Kraftstoffgesetz, das das Parlament noch absegnen muss:

Foto: ČT24
„Mit Inkrafttreten des neuen Treibstoffgesetzes werden wir auch die Namen aller anderen Beteiligten der jeweiligen Kraftstofflieferung veröffentlichen.“

Ab Sommer könnte das der Fall sein. Nach Expertenschätzungen bietet jede zwanzigste Tankstelle in Tschechien Kraftstoff an, der nicht den Normen entspricht. Um diesem Problem Herr zu werden, will die Handelsinspektion demnächst auch ein mobiles Laboratorium auf den Weg schicken.