Tschechische und deutsche Experten beraten über Kampf gegen Frauenhandel

r_2100x1400_radio_praha.png

Im nordböhmischen Liberec/Reichenberg findet unter dem Titel "Prag - Berlin - Zentren des Frauenhandels" eine Fachtagung statt, auf der tschechische und deutsche Experten über die Struktur staatlicher und nichtstaatlicher Maßnahmen im Kampf gegen den Frauenhandel beraten. Aus Liberec meldet sich Jitka Mladkova:

In Liberec sind Vertreter staatlicher und nicht staatlicher Institutionen aus Tschechien und Deutschland zusammengekommen, um zwei Tage lang über mögliche Maßnahmen zu beraten, mit deren Hilfe der Kampf gegen den Frauenhandel effektiv geführt werden soll. Der Frauenhandel ist ein Phänomen, mit dem Tschechien erst nach der politischen Wende 1989 und der anschließenden Grenzöffnung in zunehmenden Maße konfrontiert wird. Über die aktuelle Situation informierte am Freitagvormittag Jitka Gjuricova, die Abteilungsleiterin für Kriminalitätsprävention beim tschechischen Innenministerium.

Während in Deutschland schon vor etwa 20 Jahren die ersten Vernetzungen entstanden, die sich die Bekämpfung des Frauenhandels, vor allem Handels in die Prostitution, als Ziel setzten, haben sich entsprechende Organisationen in Tschechien erst vor wenigen Jahren etabliert. Wie den Ausführungen von Jitka Gjuricova zu entnehmen war, boomt mittlerweile der Frauenhandel auch in Tschechien, in ganz Tschechien wohlgemerkt. Doch in den Grenzregionen an der tschechisch-deutschen Grenze findet er dank dem Sextourismus aus Deutschland besonders gute Bedingungen. Gjuricova sagte buchstäblich: ohne die deutsche Klientel gäbe es z. B. in den Regionen von As oder Cheb/Eger nicht so viele Bordelle, die sich nach außen hin als Nachtklubs und Pensionen präsentieren. Der Gedankenaustausch zwischen verschiedenen Organisationen des staatlichen und nichtstaatlichen Sektors aus beiden Ländern - Tschechien und Deutschland - ist also im Kontext des immer gravierender werdenden Problems äußerst nützlich. Die Fachtagung in Liberec/Reichenberg gibt in dieser Hinsicht einen bedeutenden Impuls für die Fortsetzung des Dialogs.