Tschechischer Außenminister Schwarzenberg erhält Großkreuz der Bundesrepublik Deutschland

Karel Schwarzenberg (Foto: ČTK)

In gut zwei Wochen wird die Tschechische Republik die Ratspräsidentschaft in der Europäischen Union übernehmen. Keine leichte Zeit, die da auf Tschechien zukommt. Beim aktuellen Berlin-Besuch des tschechischen Außenministers Karel Schwarzenberg geht es aber nicht nur um die ganz großen Probleme wie Finanzkrise, Ratifizierung des Lissabon-Vertrages, die da in die Zeit der tschechischen Ratspräsidentschaft fallen. Schwarzenberg darf auch einen Orden in Empfang nehmen. Christian Rühmkorf befragte dazu den Sprecher der deutschen Botschaft in Prag.

Karel Schwarzenberg  (Foto: ČTK)
Der tschechische Außenninister Karel Schwarzenberg befindet sich derzeit auf Besuch in Berlin, um dort die Prioritäten der tschechische Ratspräsidentschaft zu besprechen. Neben einer Rede, die Schwarzenberg im Bundestag hält, wird der tschechische Außenminister vor allem mit seinem deutschen Amtskollegen Frank Walter Steinmeier über die nährere politische Zukunft sprechen. Als besonderer Programmpunkt steht im Protokoll aber die Verleihung eines Verdienstordens an Karel Schwarzenberg.

Herr Gerhardt, sie sind Sprecher der deutschen Botschaft in Prag. Was ist das für ein Orden, den Außenminister Schwarzenberg da in Berlin erhält?

„Außenminister Karel Schwarzenberg erhält heute von Bundesminister Frank-Walter Steinmeier das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Das ist der höchste Orden, der einem Außenminister eines Landes verliehen werden kann.“

Handelt es sich bei der Verleihung des Großkreuzes um einen „normalen“ Vorgang zwischen den diplomatischen Spitzen?

„Es kommt durchaus vor, dass Orden verliehen werden. Allerdings ist das sicherlich eine besondere Auszeichnung. Das sehen Sie allein schon an der Ordensstufe – wie gesagt Großkreuz. Die Begründung ist sicherlich zu suchen in dem herausragenden Beitrag, den Außenminister Schwarzenberg unter anderem zur Überwindung der Teilung Europas beigetragen hat, zur Annäherung zwischen Deutschland und Tschechien, ausgehend von seiner Zeit als Kanzler (Chef der Präsidialkanzlei, Anm. d. Red.) unter Präsident Havel. Die Minister kennen sich nun mittlerweile ja auch schon seit fast zwei Jahren. Insofern ist die Auszeichnung eine runde Sache.“

Einigung Europas – das ist immer recht wohlfeiles Wort. Was kann man gerade im Falle von Außenminister Schwarzenberg darunter verstehen? Können Sie ein Beispiel nennen?

„Die Details werden sicherlich in der Ordensrede von Minister Steinmeier selbst angesprochen werden. Aber ich möchte unter anderem daran erinnern, dass Außenminister Schwarzenberg in seiner Zeit, in der er noch im Exil in Deutschland gelebt hat, unter anderem 1985 zum Präsidenten der Internationalen Helsinki-Föderation gewählt worden war und sich für die Einhaltung der Menschenrechte im Sinne der KSZE-Schlussakte eingesetzt hat. Sie erinnern sich sicher, dass Schwarzenberg ebenfalls in Franken ein Dokumentationszentrum zur Förderung unabhängiger tschechoslowakischer Literatur eingerichtet hat, in dem die Schriften maßgeblicher Mitglieder der Dissidenten-Bewegung Aufnahme gefunden haben. Also Sie sehen, das ist eine Auszeichnung, die nicht nur auf die letzte Zeit rekurriert, sondern ihre Wurzeln sehr viel tiefer hat, in einem sehr viel tieferen Beitrag, den der Außenminister zum vereinten Europa geleistet hat. - Und das schon vor 1989, aber selbstverständlich auch heute in seiner Zeit als Außenminister der Tschechischen Republik.“