Tschechoslowakisch-israelische Luftfahrtlegende Nori Harel gestorben

Nori Harel

Norbert Kurzberg kam 1929 in Bochum zur Welt, am Montagabend starb er als Nori Harel im Alter von 83 Jahren in Tel Aviv. Der Luftfahrtingenieur gilt hierzulande als Symbol für die tschechisch-israelischen Beziehungen.

Nori Harel
Es ist der Aufstieg der Nazis in Deutschland, der die jüdische Familie Kurzberg dazu bringt, auszuwandern. Ziel ist die zwischen Polen und der Tschechoslowakei geteilte Stadt Český Těšín / Teschen. 1935 trifft die Familie bei ihren Verwandten ein, der Vater eröffnet im polnischen Teil der Stadt ein Geschäft, der sechsjährige Sohn Norbert bleibt bei seiner Tante im tschechoslowakischen Teil und besucht die dortige Schule. Aber der Familie stehen schwere Zeiten bevor. Nach dem Münchener Abkommen annektieren polnische Truppen im Oktober 1938 die Stadt. Im Tschechischen Rundfunk erinnerte sich Harel 2010 an die Zeit:

„Die Polen kamen auf ihren Pferden nach Český Těšín. Für uns Kinder war das ein großer Spaß. Sie hatten Musik dabei, das war ein großes Ereignis, wir haben gar nicht verstanden, was das bedeutet hat.“

Die Freude hält aber nicht lange, wie Harel sagte:

„Als dann im Jahr 1939 der Krieg ausbrach, flüchteten mein Vater, mein Bruder und ich nach Rumänien. Dort wollten wir ein Schiff nach Palästina nehmen. In unserem Rücken hatten wir die Deutschen. Die polnischen Truppen flüchteten, die deutschen Soldaten folgten ihnen und von der anderen Seite kamen die Russen.“

Auf dem Gebiet der Karpatenukraine wird die Familie vom russischen Geheimdienst aufgegriffen. Da sie deutsche Staatsbürger sind, schickt der NKWD sie in ein Arbeitslager. Im Gulag stirbt der Vater an Typhus, während der Bruder in die Rote Armee eingezogen wird und in Stalingrad fällt. Nach Kriegsende schlägt sich der 16-jährige Norbert ohne Geld und Papiere von Kirgistan bis nach Český Těšín durch. Zurück in der Tschechoslowakei trifft er auf seinen Onkel Nathan, den letzten Überlebenden seiner Familie.

Nori Harel (Foto: Archiv von Nori Harel)
„Er hat mich zu sich nach Hause genommen. Ich bekam eine Lehrerin für Englisch und einen Mathematiklehrer. Er sagte: ‚Nori, nach der Zeit im Lager musst du etwas lernen.’ Ich habe dann da gesessen und mit ihm gelernt. Einmal kam er zu mir und sagte: ‚Nori, als du zurückgekommen bist, warst du wie ein Wilder. Ich musste dich aufnehmen und deinem Leben wieder Ordnung geben, damit du auf dich selbst aufpassen konntest.“

1948 schließt sich Norbert dann der jüdischen Untergrundarmee in Israel, der Hagana an. Er macht in Liberec / Reichenberg eine Ausbildung zum Fluggerätemechaniker und wandert anschließend nach Israel aus. Da die Tschechoslowakei die ersten Militärflugzeuge an den neu gegründeten Staat Israel liefert, wird Kurzberg ein gefragter Spezialist. Er vermittelt zwischen den tschechoslowakischen Herstellern und den israelischen Soldaten und wird sogar Chefmechaniker von General Ezer Weizmann, dem späteren israelischen Staatspräsidenten. Zu seinem Namen Nori Harel kommt er erst in Israel:

„Premierminister Ben Gurion wollte, dass wir hebräische Namen tragen. Als ich einmal als Soldat nach England flog, brauchte ich einen Reisepass. Man wollte mir aber keinen auf den Namen Kurzberg ausstellen. Also habe ich meine Frau angerufen und gefragt, wie ich mich nennen soll. Und sie hat gesagt, Har, das ist der Berg, und El, das ist der Herrgott. Also wurde ich Harel, der Gottesberg. Der Vorname Nori blieb so, weil mich alle immer Nori genannt haben, auch wenn Norbert mein Vornahme war.“

Harel gilt in der tschechischen und in der israelischen Luftwaffe als Held. Nach der Wende lebte er für zwei Jahre in Prag und arbeitete als Kontaktperson für israelische Luftfahrtunternehmen zur tschechoslowakischen Luftfahrtindustrie. Noch in seinem letzten Interview 2010 bezeichnete er die Tschechoslowakei als seine Heimat.