Überschwemmung der Prager U-Bahn: Neue Erkenntnisse

U-Bahnstation Florenc am 10. September (Foto: CTK)

Einer der Infrastrukturbereiche, die im Zusammenhang mit der jüngsten Hochwasserkatastrophe von Anfang an im Zentrum der Aufmerksamkeit gestanden hatten, ist zweifellos die Prager U-Bahn. Die vorübergehende Einstellung des Betriebes Mitte August, die Überflutung weiter Teile der unterirdischen Trassen und Stationen, und auch anschließende Untersuchungen und Schuldzuweisungen hatten Titelblätter gefüllt und Gemüter erhitzt. Nun, einen Monat nach der Überschwemmung, gilt das Auspumpen des Wassers aus den Prager U-Bahnstationen als abgeschlossen. Gerald Schubert zieht folgende Zwischenbilanz:

U-Bahnstation Florenc am 10. September (Foto: CTK)
Vor allem zwei Fragen sind es, die die Prager interessieren, wenn vom momentanen Zustand ihrer "Metro" die Rede ist: Wie konnte es zur Überschwemmung doch großer Bereiche des unterirdischen Verkehrsnetzes kommen, und wann kann der Betrieb auf den Abschnitten, die nach wie vor still gelegt sind, wieder aufgenommen werden? Nun, da es gelungen ist, das verbliebene Wasser aus allen Stationen herauszupumpen, herrscht bezüglich beider Fragen wieder ein Stück mehr Klarheit.

Zu den Ursachen des Wassereinbruchs das wichtigste vorweg: Die Druckschleusen, die im Notfall sämtliche Zugänge von außen isolieren und auch die einzelnen unterirdischen Abschnitte voneinander trennen sollen, diese Druckschleusen wurden offensichtlich rechtzeitig verschlossen und haben auch allesamt dem Druck des Wassers standgehalten.

U-Bahnstation Florenc am 10. September (Foto: CTK)
Petr Hulinsky, der Vizevorsitzende des Vorstandes der Prager Verkehrsbetriebe, kann den Hergang der Überschwemmung der U-Bahn mittlerweile recht genau rekonstruieren:

"In die Trasse A gelangte das Wasser durch eine durchbrochene Wand zur Trasse B, und dies eben führte zur Überflutung der Linie A. Was die Frage der Station Invalidovna betrifft, nun auch dort wurde eine Wand durchbrochen, und das löste mit Sicherheit auch die Überflutung der Stationen Krizikova und Florenc aus. Bei der Station Palmovka schließlich wurden Kabelkanäle beschädigt, und durch die gelangte das Wasser zweifellos in die Abschnitte Ceskomoravska und Vysocanska."

In die dritte U-Bahnlinie, die Linie C, konnte das Wasser laut der Sprecherin der Prager Verkehrsbetriebe, Michaela Kucharova, durch eine ebenfalls eingebrochene Wand in der Nähe des Bahnhof Holesovice fließen, und zwar von der Seite der angrenzenden, noch in Bau befindlichen, Trassenverlängerung. Dies alles würde also eher dafür sprechen, dass Baumängel und nicht die aktuelle Betriebsleitung für die Auswirkungen des Hochwassers auf die U-Bahn verantwortlich sind. Vollständige Klarheit ist aber freilich noch nicht gegeben. Michaela Kucharova:

"Einstweilen überprüfen zwei Expertengruppen die Ursachen für die Überflutung der U-Bahn, und ebenso läuft eine eigene polizeiliche Untersuchung."

Im Prager Verkehr ist mittlerweile jedenfalls ein gewisses Maß an Normalität eingekehrt. Die Ersatzlinien aus Bussen und Straßenbahnen haben sich gut eingespielt und werden von der Bevölkerung auch ausgiebig genutzt. Dennoch: Wann kann man mit einer wieder voll funktionstüchtigen U-Bahn rechnen? Auf der Linie C wird voraussichtlich noch im November der volle Betrieb wieder aufgenommen - also vor dem NATO-Gipfel, für den diese Linie eine wesentliche infrastrukturelle Bedeutung hat. Die Linien A und B werden jedoch erst im Laufe des nächsten Jahres stufenweise in Betrieb gehen können.