Umweltminister und sein Drahtesel demonstrieren: Mehr Fahrräder in Prag!
Am Donnerstag versammelten sich hunderte von Fahrradfahrern im Stadtteil Zizkov zur "Cyklojizda", einem großen demonstrativen Fahrradumzug durch das Zentrum der Hauptstadt Prag, der schon viele Male stattgefunden hat. Christian Rühmkorf hat sein Fahrrad aus dem Keller geholt und ist mitgefahren.
"Cyklojizda - das ist schon eine Tradition. Ich bin hier zum sechsten oder vielleicht schon achten Mal. Das ist eine Aktion bei der Fahrradfahrer zeigen wollen, dass Prag nicht nur den Autofahrern gehört. Sie wollen zeigen, dass Prag für Fahrradfahrer ein unangenehmes und gefährliches Pflaster ist. Es ist nötig ist, die Politik zu ändern, damit man das Fahrrad nicht nur als Mittel zur Erholung sieht, es aufs Autodach montiert und dann aufs Land fährt. Auch das ist gut. Aber das Fahrrad soll ein vollwertiges Verkehrsmittel werden. Und das fehlt hier. Wenn sie das vergleichen mit Wien oder München, da sehen Sie auf den Parkplätzen hunderte, manchmal tausende von Fahrrädern. Warum sollte das nicht auch in Prag so sein?"
Sind Sie schon einmal in Deutschland Fahrrad gefahren?
"Ja klar! In München. Mein Bruder lebt dort. Da gehört es zum Lebensstil dazu, morgens mit dem Fahrad zur S-Bahn zu fahren, das Rad dort auf einem überdachten und bewachten Stellplatz zu lassen, der abends beleuchtet ist, und dann fahren sie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ins Zentrum. Genauso gut kenne ich Wien. Da bin ich registriert beim Fahrradverleih. Das ganze läuft über eine Karte mit Passwort. Die erste Stunde ist kostenlos, jede weitere kostet einen Euro. Das alles fehlt uns hier in Prag. Und jede Cyklojizda zeigt, dass immer mehr Leute genau das wollen und unterstützen. Das ist ein Signal für die Kommunalpolitiker!"Höhepunkt ist immer die Fahrt über die Prager Magistrale, die Stadtautobahn. Und da habe ich den Herrn Umweltminister noch einmal bei voller Fahrt erwischt:
Herr Minister, wie fühlt sich das an auf der Magistrale - auf dem Fahrrad?
"Wunderbar! Das ist immer so, dass die Magistrale plötzlich zu einem riesigen, x-Meter breiten Fahrradweg wird. Jeder freut sich hier. Und wenn Sie sich mal die Autofahrer anschauen - die sind nicht aggressiv, sondern nehmen das einfach hin. Die Autofahrer merken, dass das Fahrrad in die Stadt gehört. Jetzt geht es noch darum, dass sich die Politiker dessen bewusst werden und mehr dafür tun."
Foto: Autor







