Umzug von Radio Free Europe

Siedlung der RFE/RL am Wenzelspaltz

Der tschechische Sicherheitsrat hat am Dienstag der Regierung den Umzug des im Stadtzentrum am Wenzelsplatz angesiedelten Senders "Radio Free Europe/ Radio Liberty" an einen sicherheitstechnisch günstigeren Ort empfohlen. Olaf Barth berichtet.

Premier Milos Zeman teilte nach der Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates mit, man werde die notwendigen Verhandlungen mit den Vertretern des Senders schnellstmöglich aufnehmen, um schon bald eine Lösung präsentieren zu können. Der Sicherheitsrat habe bereits fünf mögliche Standorte für den Sender vorgeschlagen. Bequemlichkeit sei kein ausreichendendes Argument, um ein Sicherheitsrisiko in Kauf zu nehmen. Denn das Gebäude im Stadtzentrum ließe sich im Falle eines terroristischen Angriffs nicht ausreichend schützen und dies bedeute eine erhebliche Gefahr nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für die Prager Bürger, ergänzte Zeman.

Seltene Einigkeit scheint in dieser Frage bei den meisten tschechischen Spitzenpolitikern zu herrschen. Sowohl Senatsvorsitzender Petr Pithart als auch Abgeordnetenhausprimus Vaclav Klaus sprachen sich für einen zügigen Umzug der gefährdeten Radiostation aus. Und auch Ladislav Spacek, Sprecher des wieder einmal erkrankten Staatspräsidenten Vaclav Havel, erklärte am Dienstag, der Präsident habe keine Einwände gegen die Umsiedlung des Senders, vorausgesetzt, dass eine einhellige Lösung gefunden werde. In der Vergangenheit hatte Havel die Möglichkeit eines Umzugs der Radiostation stets als abwegig bezeichnet.

Und was meint der betroffene Sender selbst dazu? Sonia Winter, Pressesprecherin von Radio Free Europe/ Radio Liberty sagt zwar, dass man gerne im Zentrum bleiben würde, wenn die Regierung aber ein annehmbares Objekt fände, das aus sicherheitstechnischer Sicht besser geeignet wäre, so sei man gesprächsbereit. Und sie fügt an:

"Wir sind bereit, uns alle Vorschläge anzuhören, die uns die tschechische Regierung unterbreitet und wir werden sämtliche Angebote in Erwägung ziehen. Bisher wurden die offiziellen Verhandlungen zu diesem Thema noch nicht eröffnet. Der Presse habe ich entnommen, dass eine Reihe von Gebäuden in die engere Auswahl gekommen sind, bisher liegen uns dazu aber noch keine Informationen vor."

Laut der tschechischen Nachrichtenagentur CTK, erfülle allerdings keines der vom Verteidigungsministerium ausgewählten Gebäude die Bedingungen des Radiosenders.

Autor: Olaf Barth
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