Unverhoffter Erfolg zum Auftakt: Tschechische Mixed-Staffel holt Silber bei Biathlon-WM

 Michal Krčmář, Jessica Jislová, Vítězslav Hornig, Tereza Voborníková

Die tschechische Biathlon-Gemeinde hat in letzter Zeit nur noch sehr sporadisch feiern können. Doch zum Auftakt der Weltmeisterschaft im schweizerischen Lenzerheide gab es Jubelstürme.

Vítězslav Hornig, Tereza Voborníková und Jessica Jislová umarmen Michal Krčmář im Ziel. Der Erfahrenste im Team hat der tschechischen Mixed-Staffel im Biathlon gerade WM-Silber gesichert. In der Schlussrunde konnte Krčmář noch Justus Strelow aus Deutschland überholen und den Abstand auf Johannes Thingnes Bø aus Norwegen und Sebastian Samuelsson aus Schweden wahren.

Jiří Hamza | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

Erster Wettkampf bei der Weltmeisterschaft in Lenzerheide – und gleich ein solcher Erfolg für die tschechischen Biathleten. Verbandspräsident Jiří Hamza war dermaßen ergriffen, dass er vor der Kamera des öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehens (ČT) kaum Worte fand:

„Das ist so fantastisch. Wir sind definitiv zurück. Ich bin sehr froh und danke den Trainern und Athleten. Das ist alles, was ich jetzt sage.“

Zurück in der Weltspitze, das meinte Hamza. Denn die letzte Medaille für Tschechien gab es bei der WM 2021 auf der Pokljuka in Slowenien, als Markéta Davidová im Einzel Gold holte. Danach folgten zwei Welttitelkämpfe ohne Edelmetall, selbst bei der Heim-WM im vergangenen Jahr in Nové Město na Moravě standen die Tschechen nicht auf dem Siegertreppchen.

Den jetzigen Erfolg genossen ebenso natürlich die Athleten selbst. Tereza Voborníková war als Zweite ins Rennen gegangen und sagte nach der Medaillenzeremonie:

Tereza Voborníková | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

„Das war unglaublich emotional, wunderbare Gefühle. Dass uns das hier bei der WM geglückt ist, kann ich immer noch nicht glauben“, so die Biathletin aus Vrchlabí im Riesengebirge. Für die 24-Jährige war es die erste WM-Medaille ihrer Karriere.

Am Mittwoch profitierte das tschechische Quartett allerdings auch davon, dass zwei eigentlich starke Nationen am Schießstand ihre Probleme hatten: Norwegen und Schweden. Tschechien bewegte sich hingegen durchgehend auf einer der vorderen Positionen in dem Rennen. Schlussläufer Krčmář schilderte nach dem Zieleinlauf dem Reporter des Tschechischen Fernsehens, dass er nervös gewesen sei vor seinem Renneinsatz – weil seine Teamkollegen so gut geschossen hätten und er gewusst habe, dass es nun an ihm liegen werde. Bei seinem zweiten und letzten Schießen, dem Stehendanschlag, musste er zwar nachladen, ging aber als Dritter auf die entscheidende Schlussrunde – allerdings nur knapp vor dem Superstar des Biathlons aus Norwegen, dem jüngeren der Bø-Brüder...

Michal Krčmář | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

„Als mir mitgeteilt wurde, dass Johannes Thingnes Bø nur wenige Sekunden hinter mir sei, hat mich das zunächst gestresst. Da dachte ich mir schon: Das wird ja jetzt eine tolle Schlussrunde! Zugleich wusste ich aber, dass die erste Hälfte den Berg hochgeht und ich nur bis dahin den Angriff abwehren musste. Denn bergab, das wusste ich, war ich nicht einzuholen, weil wir hervorragende Ski hatten. Zudem sah ich, dass Justus Strelow etwas schwerfällig unterwegs war. Da habe ich es einfach probiert – alles oder nichts. Und es hat geklappt. Jetzt also tolle Gefühle, obwohl ich am Start so nervös gewesen war“, so Krčmář.

Letztlich lautete das Podium der Mixed-Staffel bei der WM in Lenzerheide: Frankreich auf eins, Tschechien auf zwei und Deutschland auf drei. Das Quartett um Michal Krčmář konnte dabei an die Weltmeisterschaft 2020 in Antholz anknüpfen, als man im Mixed als Drittes ins Ziel kam und Bronze holte.

Dabei waren die Erwartungen für die laufenden Titelkämpfe von tschechischer Seite eher gering gewesen. So musste die langjährige Nummer eins im Team Markéta Davidová absagen. Sie laboriert noch an den Folgen eines Bandscheibenvorfalls. Krčmář glaubt nun, dass die Silbermedaille Energie freisetzen könnte für die weiteren Wettbewerbe bei der Weltmeisterschaft. Am Freitag und Samstag steht jeweils der Sprint für die Frauen und die Männer auf dem Programm.

Autor: Till Janzer | Quellen: Český rozhlas , Česká televize , ČTK
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