US-Zölle treffen auch Tschechien: Automobilzulieferer besonders unter Druck

Donald Trump

Der Präsident der USA, Donald Trump, hat zahlreiche Einfuhrzölle angekündigt. Waren aus der EU sollen ab Samstag mit Abgaben in Höhe von 20 Prozent belegt werden. Was bedeutet das für die tschechische Wirtschaft?

Als „Liberation Day“, also als „Tag der Befreiung“, hatte US-Präsident Donald Trump die Ausrufung seiner neuen Handelspolitik vorab angekündigt. Am Mittwoch gab er nun bekannt, dass die Vereinigten Staaten ab Samstag pauschal Einfuhrzölle von zehn Prozent erheben würden. Für Produkte aus einigen Ländern werden aber auch höhere Abgaben fällig. Bei EU-Importen sollen 20 Prozent gezahlt werden müssen – womit das Staatenbündnis allerdings noch relativ gut weggekommen ist. Denn für Waren aus China etwa werden 34 Prozent fällig, für Produkte aus der Schweiz 31 Prozent, für jene aus Syrien und Myanmar sogar 50 Prozent.

Foto: Tang Ke,  Avalon / Profimedia

Während Trump den USA neuen Reichtum verspricht, schütteln Beobachter in aller Welt den Kopf und warnen, dass am Ende die Verbraucher die zusätzlichen Kosten zahlen werden. In Brüssel will man einen Handelskrieg noch abwenden, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigte sich am Donnerstagmorgen gesprächsbereit. Zugleich stellte sie aber Gegenmaßnahmen in Aussicht.

Auch die tschechischen Regierungspolitiker verurteilten die Zollpolitik Trumps und nennen sie einen Fehler. Premier Petr Fiala (Bürgerdemokraten) ließ am Donnerstag über seine Sprecherin Lucie Ješátková ausrichten:

„Europa ist bereit, mit den USA zu verhandeln. Aber genauso können wir klar antworten. Wir haben diesen Handelskrieg nicht hervorgerufen. Das Vorgehen der amerikanischen Seite schadet den Bürgern Tschechiens. Der Premier meint deshalb, dass man dies nicht schweigend übergehen darf.“

Petr Fiala | Foto: Regierungsamt der Tschechischen Republik

Von der Oppositionspartei Ano hieß es hingegen, der Einfluss auf Tschechien sei minimal. Von Vergeltungsmaßnahmen solle man deshalb absehen.

Die hiesige Handelskammer jedoch erwartet in Folge des Zollpakets einen Nachfragerückgang. Dieser könnte laut Tomáš Prouza, dem Vizepräsidenten der Institution, weitreichende Folgen haben:

„Viele tschechische Firmen sind Zulieferer für andere. Sie werden nun unter einem starken Druck stehen, da die finalen Hersteller in anderen europäischen Ländern günstigere Produkte fordern werden. Die tschechischen Akteure machen dadurch weniger Gewinn. Ihnen wird das Geld für Investitionen, Modernisierungen und Lohnsteigerungen fehlen. Und einige von ihnen werden vielleicht Mitarbeiter entlassen müssen.“

Tomáš Prouza | Foto: Tschechisches Fernsehen,  ČT24

Auch Jan Rafaj, der Präsident des Verbandes für Industrie und Verkehr (SP ČR) blickt mit Sorge auf die Entscheidung aus Washington:

„Tschechien ist ein Exportland. 85 Prozent unserer Produkte landen zwar in Europa. Es handelt sich aber um Zulieferungen, etwa für die Automobilhersteller bekannter Marken. Und ihre Erzeugnisse gehen oft in die USA.“

Für die Automobilindustrie gilt dabei schon ab Donnerstag eine Neuregelung. 25 Prozent Aufschlag müssen bei der Einfuhr von Fahrzeugen in die USA gezahlt werden. Ab 3. Mai soll dies ebenfalls für einzelne Autoteile gelten.

Rafaj nennt dann auch den Automotiv- und Maschinenbausektor als jenen Bereich, der am stärksten betroffen sein wird. Doch ebenso chemischen und pharmazeutischen Betrieben sowie zahlreichen weiteren Wirtschaftszweigen würde die Maßnahme schaden.

Als genauso großes Problem bringt der Ökonom aber an, dass die Bedingungen für die Zollabgaben unklar seien – und das führe zu Unsicherheit und Vorsicht bei Investoren:

„Das Chaos, das geschaffen wird, schadet am Ende der gesamten Weltwirtschaft“, so Jan Rafaj.

Autor: Ferdinand Hauser | Quelle: Český rozhlas
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