Verbandschef Hamza: Entzug von Biathlon-WM in Tjumen ist nur Etappensieg

Biathlon-Arena in Tjumen (Foto: YouTube)

Der tschechische Biathlon-Verband will ein Vorreiter im Anti-Doping-Kampf sein. Am Mittwoch hat er dabei einen ersten kleinen Sieg errungen – der durch den McLaren-Report diskreditierte russische Verband muss die WM 2021 in Tjumen als Veranstalter zurückgeben. Doch viele andere Fragen blieben offen.

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In einer ARD-Dokumentation wurde es enthüllt: Der russische Sportverband nimmt es mit den Dopingkontrollen nicht sehr genau. Und der zweite McLaren-Report der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) bestätigte: Mehr als 1000 russische Athleten haben gedopt oder von der systematischen Doping-Verschleierung des Staates profitiert. Darunter sind 31 Biathleten. Der tschechische Biathlon-Verband forderte daraufhin Konsequenzen. Eine davon ist die Annullierung der Vergabe der WM 2021 an das russische Tjumen. Dieser Beschluss wurde am Mittwoch auf dem IBU-Sonderkongress im österreichischen Fieberbrunn gefasst. Jiří Hamza ist der Chef des tschechischen Verbandes:

„Das ist gewiss ein Sieg für uns. Wir haben schließlich schon vor dem Kongress im September gesagt, dass man die Kandidatur von Tjumen gar nicht hätte zulassen sollen.“

Biathlon-Arena in Tjumen (Foto: YouTube)
Und Hamza erklärte auch, weshalb die Zweifel berechtigt waren:

„Tjumen hätte gar nicht kandidieren dürfen, denn die dortigen Veranstalter erfüllen nicht den Kodex der Wada. Es hat sich gezeigt, dass die russische Anti-Doping-Agentur keine entsprechende Lizenz besitzt. Die Wada aber sagt klar: Ein Land, das über kein lizenziertes Anti-Doping-Labor verfügt, kann nicht für eine WM in einer olympischen Sportart kandidieren.“

Der Norweger Anders Besseberg ist Präsident des internationalen Biathlon-Verbandes. Auf dem Kongress versuchte er die Vergabe der WM nach Tjumen zu rechtfertigen. Doch schließlich räumte auch er ein, dass der zweite McLaren-Report die Sache in ein ganz anderes Licht rücke. Deshalb müsse Tjumen die WM zurückgeben, beschloss der Kongress. Und Bessebergs Stellvertreter, der Slowake Ivor Lehoťan, erklärt, weshalb der russische Verband dazu noch bis zum 24. Februar Zeit hat:

Jiří Hamza (Foto: Tschechisches Fernsehen)
„Die Russen erhalten die Möglichkeit, sich als fair zu zeigen gegenüber der IBU und der gesamten Biathlon-Familie.“

Die Betroffenen aber zeigen sich noch uneinsichtig, der russische Verband will nun vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) klagen. Falls sich das nicht ändert, will der Biathlon-Weltverband die WM-Vergabe im September annullieren.

Auch Jiří Hamza ist noch lange nicht zufrieden. Denn ungeklärt ist weiterhin, was mit den russischen Biathleten geschieht, die immer noch unter Dopingverdacht stehen. In einer Petition haben rund 160 Biathleten anderer Nationen zudem gefordert, dass Länder mit erwiesenen Dopingpraktiken härter sanktioniert werden müssen – sowohl finanziell als auch durch eine Verringerung des Kontingents an Weltcup-Startern. Zu diesen Punkten wird zumindest eine Arbeitsgruppe geschaffen, die bis zum Sommer einen Entwurf der genauen Sanktionen ausarbeiten soll. Die WM 2021 soll indes 2018 auf dem nächsten IBU-Kongress im kroatischen Poreč vergeben werden. Tschechien hatte sich ursprünglich auch dafür beworben, doch mittlerweile hat man seine Absicht geändert, sagt Hamza:

Gabriela Koukalová in Hochfilzen (Foto: Petr Slavíček, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Da wir als Verband die Proteste losgetreten haben gegen die Dinge, die unserer Meinung nach unlauter sind, haben wir uns gesagt: Wir werden nicht kandidieren.“

Bleibt zu hoffen, dass bei der Weltmeisterschaft im Biathlon, die ab Donnerstag im österreichischen Hochfilzen stattfindet, das Thema Doping keine Rolle spielt.

Autor: Lothar Martin
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