Vernetzung weiter unterstützen – Leipziger auf Begegnungsreise in der Partnerstadt Brünn
Die Städtepartnerschaft zwischen Leipzig und Brno / Brünn gibt es seit 52 Jahren. Vorige Woche weilte eine Gruppe von Leipziger Bürgerinnen und Bürgern im Rahmen einer Begegnungsreise in der südmährischen Partnerstadt. Martina Schneibergová ist mit einigen Teilnehmerinnen der Reise zusammengetroffen.
Unter dem Motto „Zivilgesellschaft und Erinnerungskultur“ organisierte der Leipziger Verein Städtepartnerschaft Leipzig-Brno vorige Woche eine fünftägige Begegnungsreise nach Brünn. Den Leipzigerinnen Stefanie Bose, Melanie Eulitz und Beate Ehms begegnete ich am späten Freitagnachmittag während einer Programmpause in einem Brünner Café. Dort entstand das folgende Gespräch mit Stefanie Bose. Sie leitet den Städtepartnerschaftsverein.
Frau Bose, Sie sind gerade mit einer Gruppe aus Leipzig auf einer Begegnungsreise in Brünn. Was steht alles auf Ihrem Programm? Wir treffen uns ja gerade am zweiten Tag Ihres Aufenthalts…
„Wir haben ein ganz vielfältiges Programm. Es steht unter dem Motto ,Zivilgesellschaft und Erinnerungskultur‘. Damit beziehen wir uns auf das Jahresthema des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds ,Wie sagt man heute Never again? Nie wieder Krieg, nie wieder Nationalsozialismus, nie wieder Holocaust‘. Wir beschäftigen uns hier vor allem mit deutsch-jüdischen Themen, aber wir haben natürlich auch ein paar touristische Sachen auf dem Programm. Nach unserer Ankunft waren wir zum Beispiel am Motodrom und haben mit unserem Reisebus erstmal eine Runde über die Rennstrecke gedreht. Für viele ältere Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer Reise war das ein besonderes Erlebnis, weil sie sich noch daran erinnern, wie dort früher die Rennen stattgefunden haben. Ansonsten haben wir zwei Stadtführungen gemacht, um die Stadt ein bisschen kennenzulernen. Es gibt zudem verschiedene Besuche und Workshops. Wir besuchen das Kulturzentrum Káznice, um zu sehen, was in diesem sozial vielleicht ein bisschen schwierigeren Stadtteil entstanden ist. Dann haben wir auch ein Treffen mit den Vertretern des Festivals ,Meeting Brno‘, um die deutschen Spuren nachzuverfolgen. Und wir waren bereits im ganz neuen kreativen Zentrum Vitamin. Auch in der Synagoge waren wir zu Gast und haben dort mit dem Gemeindevorstand darüber gesprochen, wie sich die jüdische Gemeinde entwickelt – und wir haben etwas über das Festival ,Štetl Fest‘ erfahren. Natürlich gibt es am Abend auch noch ein Kulturprogramm.“
Ich nehme an, dass Sie nicht das erste Mal in Brünn sind…
„Ich persönlich bin nicht zum ersten Mal in Brünn. Einige Teilnehmer*innen unserer Reise sind auch bereits in Brünn gewesen. Aber wir haben auch einige dabei, die die Stadt bisher überhaupt nicht kannten und sie nun erst kennenlernen. Bisher habe ich viel positives Feedback gehört. Allen gefällt es hier gut. Wir sind eine sehr gemischte Gruppe. Es sind auch viele Seniorinnen und Senioren dabei, die Zeit haben zu reisen. Und wir haben zwischen unseren fast 50 Teilnehmenden auch elf Personen, die zu einer Fachdelegation gehören. Von unserem eigenen Verein sind wir zu dritt dabei. Dabei sind außerdem Menschen, die sich mit jüdischer Kultur in Leipzig beschäftigen, beruflich oder ehrenamtlich, eine Stadträtin, ein Künstler, ein Verleger und so ist unsere Gruppe sehr bunt aufgestellt, sodass wir verschiedene Themen abdecken können und vor allen Dingen auch die Vernetzung zwischen unseren beiden Städten weiter unterstützen können.“
Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Städten?
„Es gibt viele Gemeinsamkeiten und die sind eigentlich auch der Grund, warum sich vor über 50 Jahren diese Städtepartnerschaft gegründet hat. Wir sind beide Universitätsstädte. Wir sind Städte von Wissenschaft und Kultur sowie Handelsstädte. Brünn und Leipzig sind ungefähr gleich groß, es sind Musikstädte. Und nicht zuletzt sind auch viele junge Menschen und viele zivilgesellschaftliche Aktivitäten in beiden Städten vorhanden. Es gibt viel, was uns verbindet.“
Haben Sie einen Lieblingsort in Brünn?
„Das ist schwer zu sagen. Ich mag zum Beispiel die verschiedenen Besuchsmöglichkeiten der Brünner Unterwelt sehr gern. Das finde ich irgendwie eine sehr spannende Sache.“
Melanie Eulitz hörte während des Gesprächs mit Stefanie Bose aufmerksam zu. Die Leipzigerin war eine weitere Teilnehmerin der Reise. Was stand im Fokus ihres Interesses während der Begegnungsreise? Melanie Eulitz dazu:
„Die jüdischen Themen. In Leipzig engagiere ich mich ehrenamtlich in zwei Arbeitsgemeinschaften zu dem Thema. Ich habe das Programm der Reise gesehen und gedacht, das passe wunderbar. Ein heutiges Highlight für mich war der Besuch der Synagoge. Es war spannend, mit dem Vorstand in den Austausch zu kommen. Wir haben auch über das ,Štetl Fest‘ diskutiert. Es hat uns stark beeindruckt, wie eine relativ kleine Gemeinde ein mittlerweile so bedeutsames Festival auf die Beine stellt. Ich habe davon nämlich auch schon lange vor der Reise gehört. Es ist wirklich eine Veranstaltung, die international mittlerweile sehr bekannt ist.“
Stefanie Bose fügt dem hinzu:
„Es gibt schon länger Bemühungen, sowohl von der Stadtverwaltung Leipzig als auch vom Verein, dass wir die jüdischen Gemeinden mehr zusammenbringen. Bisher ist das nicht so ganz in der Breite gelungen, sondern eher mit vereinzelten Personen. Aber mit dem ,Štetl Fest‘ sind wir auf jeden Fall im Austausch. Wir hatten auch schon ein Theater zu jüdischen Themen in Leipzig zu Gast. Aufgeführt wurde unter anderem ein Stück über die Brüder Pavel und Hugo Haas. Bisher haben wir von unserer Seite noch nicht am ,Štetl Fest‘ teilgenommen. Aber das ist auf jeden Fall eine Idee, die wir als Verein weiter unterstützen wollen. In Sachsen findet nächstes Jahr das jüdische Kulturjahr Tacheles statt, sodass wir hoffen, gerade im nächsten Jahr die jüdischen Themen in unserer Städtepartnerschaft noch mehr bearbeiten können.“
Mit am Tisch im Brünner Café saß auch die Leipziger Stadträtin Beate Ehms, die ebenfalls an der Begegnungsreise nach Brünn teilnahm. Im Interview habe ich Sie als erstes gefragt, was sie motiviert hat, an der Reise nach Brünn teilzunehmen.
„Grundsätzlich interessiere ich mich sehr für die Städtepartnerschaften, die unsere Stadt Leipzig hat. Deshalb war ich auch schon in Kiew. Als dann die Veröffentlichung bei uns im Amtsblatt erschien, dass eine Reise für Bürgerinnen und Bürger nach Brünn angeboten wird, habe ich mich angemeldet und freue mich sehr, dass das geklappt hat. Denn ich habe auch ein bisschen einen kommunalpolitischen Blick auf die Dinge hier und lerne ganz viele interessante Sachen. Ich freue mich sehr auf die nächsten Tage.“
Sind Sie zum ersten Mal in Brünn?
„Ja, ich bin zum ersten Mal in der Stadt und wollte mich auch richtig vorbereiten. Deshalb habe ich mir aus der Bibliothek einen Reiseführer geholt. Und ich habe mir zwei Romane ausgeliehen. Einer davon war der Roman ,Gute Nacht, süße Träume‘ von Jiří Kratochvil. Der hat mich sehr begeistert. Ich fand die Art des Schreibens ganz toll, er erzählt auch viel über die Geschichte, gerade in ganz schwierigen Zeiten, im April 1945. Das waren alles Themen, die ich sehr spannend fand und deshalb wollte ich mir das auch vor Ort anschauen, wie hier Erinnerungsorte arbeiten und wie das Gedenken stattfindet.“
Beschäftigen Sie sich mit der Städtepartnerschaft auch in Ihrem Beruf?
„Nein, beruflich nicht. Aber ich bin Stadträtin für die Linksfraktion und daher interessiere ich mich für viele Aspekte der Arbeit. Und die Städtepartnerschaften gehören da definitiv dazu.“
Haben Sie vor, wieder nach Brünn zu kommen?
„Ich komme auf alle Fälle wieder nach Brünn. Wann, weiß ich noch nicht, aber geplant ist es auf jeden Fall. Denn die Stadt hat architektonisch und kulturell viel zu bieten.“
Die Begegnungsreise des Vereins Städtepartnerschaft Leipzig-Brno wurde vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und von den Städten Leipzig und Brünn gefördert. Der Projektpartner der Leipziger in Brünn war der Verein Tripitaka/Káznice.
Verbunden
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Kreis Südmähren
Die Region des Weins, Unesco-geschützter Schlösser und der mährischen Metropole Brno / Brünn.







