Verschwundenes Sudetenland

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Dieser Tage ist in Tschechien eine Fotoausstellung zu sehen, auf der Landschaftsfotos des Sudetenlandes vor der Vertreibung zusammen mit identischen neuzeitlichen Aufnahmen gezeigt werden. Der Vergleich ist recht spannend. Die Wanderausstellung wurde vom Verein Antikomplex gestaltet und sie ist gerade vor Ort, in Nejdek/Neudeck bei Karlsbad zu sehen. Mehr dazu von unserem Mitarbeiter Martin Jezek.

Die westböhmische Stadt Nejdek/Neudeck im Erzgebirge ist eine malerische, ziemlich ruhige und ein wenig in Vergessenheit geratene Kleinstadt. Wenn dort einer hinkommt, kann er das romantische Flusstal der Rolava bestaunen, im Winter ist der Ort oft tief verschneit. So ruhig und romantisch geht es aber in der Stadtverwaltung und Landschaftsplanung nicht zu. Neudeck sucht seine Vision. Soll man bei der alten Gestaltung der Stadt bleiben, Renovierungen durchführen und das alte Vorkriegsgesicht beibehalten? Anders gesagt: das Bewährte fortsetzen? Neudeck liegt nämlich im ehemaligen Sudetenland. Die Kriegszeit und die Vertreibung haben sich auf die Stadt eher destruktiv ausgewirkt, aus der kommunistischen Zeit kamen nur ein paar Plattenbauten hinzu. In der Umgebung sind viele ausgesiedelte Häuser zerstört worden. Wie geht es jetzt weiter? Dazu äußert sich die Bewegung Antikomplex mit ihrer Ausstellung "Verschwundenes Sudetenland". Die Ausstellung wird an diesem Donnerstag in Neudeck eröffnet. Was die fotografische Exposition eigentlich zeigt, erzählt Petr Miksicek, der Organisator des Projekts "Verschwundenes Sudetenland".

"Die Ausstellung besteht aus Fotopaaren, wo es darum geht, dass fast 100 Jahre alte Fotos der Sudetengebiete mit den neuen Aufnahmen aus der letzten Zeit zu vergleichen. Die Unterschiede sind recht gross. Viele Häuser, die ausgesiedelt wurden, wurden auch zerstört. Viele Orte sind verschwunden und zugewachsen. Es ist ein ganz spannender Vergleich."

Beim Vergleichen kann auch ein Begleitseminar behilflich sein. Der Bürgermeister von Nejdek, Ludek Sequens, der Reporter der Zeitschrift ´Reflex´, Tomas Fertek, Historiker Stanislav Burachovic und andere Leute werden sich zur neuen Vision der Sudentengebiete im Erzgebirge äußern. Petr Miksicek sagte, er befürchte, dass von der jetzigen Bevölkerung einiges an Ängsten zu hören sein wird. Etwa unter dem Motto: Was wird, wenn die zurückkommen, die Sudetendeutschen? Am Donnerstag um 17 Uhr wird demnach eine ganz interessante Diskussion im Neudecker Infozentrum am Marktplatz stattfinden.

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