Von den Olympiasiegern lernen: Tschechische Kombinierer trainieren zusammen mit Deutschen
Erstmals absolvieren die Nordischen Kombinierer aus Tschechien die gesamte Saisonvorbereitung gemeinsam mit ihren deutschen Kollegen. Die Zusammenarbeit hatte vergangene Saison begonnen.
Es ist schon lange her, dass ein tschechischer Nordischer Kombinierer von sich reden machte. Zuletzt gelang dies Ladislav Rygl junior rund um die Jahrtausendwende. Der Sohn des gleichnamigen Weltmeisters von 1970 gewann in seiner Karriere insgesamt drei Weltcup-Rennen: Davon können seine heutigen Nachfolger nur träumen. Die männlichen Kombinierer belegen bestenfalls Plätze unter den ersten 20 oder 30.
Doch der tschechische Skiverband bemüht sich, einen Weg aus der Krise zu finden. Seit vergangener Saison bedeutet dies, dass die Kombinierer zusammen mit ihren deutschen Kollegen rund um Vincenz Geiger trainieren. Tomáš Slavík leitet den Bereich Nordische Kombination beim Verband:
„Im vergangenen Jahr haben wir damit begonnen, und zwar mitten in der Saisonvorbereitung. Wir fahren nun damit fort, weil auch die deutsche Seite die Kooperation gut fand, sie nicht als Belastung empfunden hat, sondern einige Punkte als zuträglich bewertet. Für die anstehende Saison soll die Vorbereitung zu 90 Prozent gemeinsam ablaufen.“
Tschechen und Deutsche trainieren dabei in einer gemeinsamen Gruppe. Lukáš Daněk ist mit 27 Jahren schon der Älteste im tschechischen Team. Auch er ist begeistert:
„Es hilft ungemein, denn wir arbeiten mit dem weltbesten Team der Kombinierer zusammen. Zu den Deutschen gehören Olympiasieger und Weltmeister. Aber wir sehen, dass auch sie nur Normalsterbliche sind und manchmal Fehler machen.“
Einer der Jüngsten bei den Tschechen ist Jiří Konvalinka. In der vergangenen Saison ließ der 20-Jährige beim Weltcup im finnischen Ruka schon einmal aufhorchen, als er den 24. Platz belegte. Er hält die Zusammenarbeit für eine gute Schule – und nennt ein konkretes Beispiel, wie das deutsche Team das tschechische unterstützt...
„Ich hatte die Möglichkeit, die Mitarbeiter des deutschen Teams um Kameraaufnahmen zu bitten. Das heißt, sie haben meine Sprünge gefilmt und mir die Aufnahmen geschickt. Das alles natürlich unter der Leitung meines Trainers. Gemeinsam haben wir die Videos dann analysiert. Es ist klasse, auch sie an der Seite zu haben. Manchmal geben sie mir Hinweise. Ich bin dankbar für ihre gelegentlichen Ratschläge“, so Konvalinka.
Der erfahrenere Johannes Rydzek aus dem deutschen Team hat den Nachwuchs-Kombinierer aus Tschechien ein bisschen unter seine Fittiche genommen. Zumindest klingt das so in den Ausführungen von Tomáš Slavík durch:
„Wir sind da nicht etwa isoliert – die Gruppe der Tschechen neben der Gruppe der Deutschen –, sondern sind miteinander verbunden. Zum Beispiel absolvieren wir derzeit gemeinsam das Skiroller-Training. Und da konnte man sehen, dass Jiří Konvalinka viele der Trainingseinheiten zusammen mit Johannes Rydzek bestritten hat. Sie haben sich wohl angefreundet.“
Laut dem Bereichschef motiviert diese Kooperation die tschechischen Sportler für künftige Ziele. Aber nicht nur die Aktiven profitieren davon, sondern das gesamte Trainerteam…
„Das betrifft zum Beispiel die Analyse der Sprünge. Natürlich lassen sich die Deutschen nicht ganz in den Topf schauen, wenn es um das Material geht und um extrem teure Dinge. Aber beim Aufbau des Trainings und den entsprechenden Strategien sind sie sehr offen“, schildert Tomáš Slavík.
Bleibt zu hoffen, dass die Nordischen Kombinierer aus Tschechien vielleicht schon in der kommenden Saison davon profitieren und dies in gute Ergebnisse ummünzen.
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