Von Paris abgeguckt: Vor 130 Jahren begann der Bau des Aussichtsturms auf dem Prager Petřín

Aussichtsturm auf dem Prager Petřín (Foto: Ondřej Tomšů)

175 Tonnen Stahl trägt der Prager Laurenziberg auf seiner Anhöhe. Vor genau 130 Jahren begannen die Bauarbeiten für den Aussichtsturm, der eine verkleinerte Kopie des Pariser Eiffelturms darstellt. Er war eine der Hauptattraktionen der Jubiläumsausstellung 1891.

Zdeněk Lukeš  (Foto: Vilém Janouš,  archiv ČRo)

Obwohl sie an Paris erinnert, ist die Stahlkonstruktion auf dem Petřín / Laurenziberg eine der Dominanten Prags. Die Inspiration zu dem Aussichtsturm kam tatsächlich aus der Stadt an der Seine. Denn eine Abordnung des Tschechischen Wandervereins war damals nach Frankreich gereist, wie der Architekturhistoriker Zdeněk Lukeš unlängst in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks berichtete:

Quelle: Archiv des Museums der Hauptstadt Prag

„Der tschechische Architekt Vratislav Pasovský besuchte die Weltausstellung in Paris. Er war einer der Vorsitzenden des Tschechischen Wandervereins. Zurück in Prag setzte er sich dafür ein, zur geplanten Jubiläumsausstellung 1891 eine ähnliche Konstruktion zu errichten. Und damit hat er sich durchgesetzt.“

Die Bauarbeiten dauerten nur vier Monate, und am 20. August 1891 wurde der Aussichtsturm eröffnet. Knapp einen Monat zuvor war bereits die neu angelegte Seilbahn in Betrieb genommen worden. Sie sollte den beschwerlichen Weg zur neuen Touristenattraktion erleichtern. Im Ersten Weltkrieg wurde die Bahn zerstört, später durch eine neue ersetzt. Der Zweite Weltkrieg bedeutete dann fast auch das Ende des Aussichtsturmes, so Lukeš:

Foto: ČT24

„Er hatte einen schweren Stand, denn Adolf Hitler fand keinen Gefallen an ihm. Hitlers Meinung nach hätte der Turm abgerissen werden sollen, weil er nicht zu Prag passe. Letztlich ist er aber stehengeblieben.“

63,5 Meter hoch ist der Bau. Seine eigentliche Spitze befindet sich in genau der gleichen Höhe über dem Meeresspiegel wie die des echten Eiffelturms, konkret auf 387,5 Metern. Das hatte auch einen praktischen Nutzen, denn an der Konstruktion wurde 1953 der erste Fernsehsender der Tschechoslowakei angebracht. Bald drohte der Turm aber dem schnellen technischen Fortschritt zum Opfer zu fallen, fährt Lukeš fort:

Foto: Tiia Monto,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 4.0

„In den 1970er Jahren stand wieder der Abriss zur Debatte, denn es sollte ein größerer Fernsehturm errichtet werden. Dieser wurde aber schließlich im Prager Stadtteil Žižkov gebaut. Der Turm auf dem Petřín hat das letzten Endes alles überlebt.“

Heute dient er vor allem seiner eigentlichen Funktion als Aussichtssturm. Insgesamt 299 Stufen führen zu seiner Spitze. Der originale Fahrstuhl musste einst den Antennenkabeln weichen. Erst im Jahr 2001 wurde ein neuer Aufzug angelegt.

Foto: ČT24

Das achteckige Gefüge auf dem Laurenziberg ist eine fünffache Verkleinerung des Eiffelturms. Ähnliche Konstruktionen finden sich auch an anderen Orten der Welt. In Tokio hat man sich ebenfalls in Paris inspirieren lassen. Der Prager Bau ist dank einer modernisierten Beleuchtung inzwischen auch nachts gut zu sehen. Je nach Anlass und Feiertag wird er in verschiedenen Farben angestrahlt. Vorranging ist er in die tschechischen Nationalfarben Blau-Weiß-Rot getaucht. Und beim Signal-Festival hat er auch schon einmal einen Leuchtturm dargestellt.

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Autoren: Daniela Honigmann , Vojtěch Tomášek
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