Wärmeinseln: Wissenschaftler in Brünn erforschen Klima ihrer Stadt
In Tschechien ist es derzeit ganz schön warm. Am Donnerstag kletterte das Thermometer hierzulande an manchen Orten wieder bis auf 28 Grad, und am Freitag soll es ähnliche Temperaturen geben. Aber wie heiß ist es eigentlich wo genau in einer Stadt? In Brno / Brünn suchen Wissenschaftler gerade die Antwort auf diese Frage und gehen dafür mit einer speziellen Apparatur auf dem Rücken durch die Stadt spazieren.
Die Gerätschaft, mittels derer die Wissenschaftler dieser Tage die Temperatur in Brünn messen, sieht ein wenig aus wie eine Requisite aus einem Science-Fiction-Film. Es handelt sich um eine Art Rucksack mit allerlei Messinstrumenten. Daniel Kopkáně vom Institut für Klimawandelforschung der Tschechischen Akademie der Wissenschaften erläutert:
„Das Gerät verfügt über Sensoren für lang- und kurzwellige Sonnenstrahlung. Wir können dadurch nicht nur messen, wie stark die Einstrahlung ist, sondern auch, wie das Sonnenlicht von Fußwegen, Rasenflächen oder Fassaden reflektiert wird.“
Zudem verfügt der Rucksack über einen Stab, der nach oben ragt. Den brauche es, damit die Temperatur in einer Höhe von genau zwei Metern über dem Boden gemessen werden könne, sagt Kopkáně. Unter Einbeziehung weiterer Parameter, wie der Luftfeuchtigkeit und der Luftströmung, ermitteln die Wissenschaftler schließlich einen sogenannten PET-Wert. Dieser beschreibt die „physiologisch äquivalente Temperatur“ – also vereinfacht gesagt, inwiefern ein Klima an einem Ort für einen Menschen angenehm oder belastend ist.
Bei seinen Spaziergängen durch das sommerliche Brünn sucht Kopkáně unterschiedliche Viertel und Umgebungen auf, um Vergleichsmessungen anzustellen. Im Park am Platz Moravské náměstí, mitten im Stadtzentrum, zückt Kopkáně eine Wärmebildkamera.
„Man kann sehen, dass hier der Untergrund, ein Fußweg aus Polymerbeton, 50 Grad Celsius hat. Bei der Rasenfläche misst die Kamera eine Temperatur von rund 27 Grad. Durch die Sprühnebelanlagen sinkt die Lufttemperatur um drei oder vier Grad.“
Auch ein hellerer Fußbodenbelag würde helfen, dass es kühler würde, sagt der Klimawandelforscher.
Die Messungen in Brünn sollen etwa bei der Planung neuer Viertel oder dem Bau neuer Straßen und Plätze berücksichtigt werden, um auf Hitzewellen zu reagieren. Denn diese sind zuletzt nicht nur intensiver geworden, sie dauern auch immer länger an. Kopkáně sagt über sein Projekt:
„Wir können die Hitzebelastung für die Einwohner errechnen, etwa für eine alte Frau, die von ihrem Haus zur Apotheke gehen muss. Und diesen Wert können wir sowohl für Sommertage als auch für den Herbst und den Winter ermitteln.“
Das Brünner Forschungsprojekt begrüßt auch der Klimatologe Pavel Zahradníček vom tschechischen Hydrometeorologischen Institut (ČHMÚ):
„In Städten gibt es üblicherweise nur zwei oder drei Wetterstationen. Mit dem mobilen Rucksack werden aber mehrere Straßen und Parks abgelaufen und Daten in Echtzeit gesammelt. Dadurch ergibt sich ein wesentlich detaillierteres Bild über Wärmeinseln als nur durch die Nutzung unserer Messstationen.“







