Wagners „Rheingold“ im Prager Nationaltheater
Am Donnerstag hatte eine Neuproduktion von Richard Wagners „Rheingold“ im Prager Nationaltheater ihre Premiere. Martina Schneibergová hat kurz vor der Vorstellung mit dem Musikdirektor des Theaters, dem Dirigenten Robert Jindra, gesprochen.
Herr Jindra, über Sie hießt es, Sie seien ein Wagnerianer. Stimmt das, oder ist das übertrieben?
„Seit meinen Studentenjahren war ich von Wagners Werk begeistert. Er ist einer der besten Komponisten der Welt. Ich bin natürlich nicht mehr so fanatisch wie während meiner Studienzeit, mittlerweile finde ich, dass sich die Musik entwickelt hat und andere Komponisten auch sehr interessant sind. Aber meine Seele und mein Herz bleiben bei Wagners Musik.“
Welche Erfahrungen haben Sie mit der Einstudierung von Wagners Werken?
„Ich hatte in Ostrau den ,Lohengrin‘ einstudiert. Das war meine erste Erfahrung. Es war eine sehr schöne Produktion. Ich habe die schönsten Erinnerungen daran. Als ich Erster Kapellmeister in Essen (Aalto Musiktheater und Philharmonie Essen, Anm. d. Red.) war, habe ich den ,Ring an einem Abend‘ einstudiert. Das war natürlich nicht der komplette Ring, sondern viele große Szenen aus dem Ring. Der Abend hat fast fünf Stunden gedauert. Das sind meine größten Erfahrungen mit Wagners Werken. Ich freue mich schon auf die bevorstehende Premiere. Ich arbeite verhältnismäßig lange schon in diesem Opernhaus – fast 30 Jahre. Und ich wollte unbedingt hier einmal ein Werk von Wagner einstudieren. Zum Orchester habe ich eine sehr gute Beziehung und bin froh, dass es nun Wagners Musik kennenlernt. Das wird ein großer Abend für mich.“
Sie haben während einer Debatte vor der Premiere erzählt, dass Sie sich vor Jahren verschiedene Partituren von Wagners Opern besorgt und sie studiert haben. Wie wichtig ist dabei der Text für Sie?
„Bei dieser Musik muss man den Text gut kennen. Ich finde, der Grund für Wagners Musik ist eben der Text. Hierzu kommen die Leitmotive, die immer einen Sinn haben. Man muss klar wissen, was der Komponist damit sagen wollte und wo das Leitmotiv erklingen muss. Schließlich muss der Dirigent auch das Geschehen auf der Bühne wahrnehmen. Denn das Gesamtkunstwerk heißt Musik, Beleuchtung, Bühnenbild und Spannung – das alles muss ein Ganzes bilden. Ich war vielmals in Bayreuth. Der Klang von dort ist für mich für das Einstudieren wichtig.“
Es gibt Leute, die Wagner strikt ablehnen. Spielen da nicht Vorurteile auch eine Rolle?
„Ich denke, Wagners Musik kann man nur lieben oder hassen. Derartige Haltungen habe ich schon erlebt. Die Wege zu Wagners Musik müssen jedoch nicht kompliziert sein. Wenn sich jemand als Erstes von Wagner den ,Ring‘ oder den ,Parsifal‘ anschaut oder anhört, verstehe ich schon, dass er die Musik wirklich schwer findet. Auf diese Stücke muss man vor der Vorstellung einfach vorbereitet sein. Da gibt es keine Momente, bei denen man sagen könnt, jetzt werde ich mich entspannen. Ich finde daher Opern wie ,Der fliegende Holländer‘ oder ,Tannhäuser‘ für den Anfang einfacher. Denn die Musik ist sehr melodisch, und die Handlung ist nicht so philosophisch und kompliziert. Ich denke, dass die Menschen ewig über Wagners Musik diskutieren werden, und darum ist der Komponist auch so interessant.“
Für die Sänger stellt „Das Rheingold“ genauso wie der ganze „Ring“ eine große Herausforderung dar, denn das Orchester ist stark. Wie gehen Sie damit um?
„Wir haben hier bei uns natürlich nicht so viele Erfahrungen mit Wagners Musik. Im Nationaltheater werden viel tschechische Stücke oder Opern aufgeführt, die sehr populär sind.“
Wann wurde im Nationaltheater zuletzt Wagner aufgeführt?
„Wagner erklang hier, denke ich, 2004, als der ,Ring‘ gespielt wurde. Das war eine Koproduktion mit der Deutschen Oper am Rhein. Einige Jahre später wurde im Nationaltheater der ,Parsifal‘ inszeniert. Das war die bisher letzte Erfahrung mit Wagners Musik in diesem Opernahaus. Jetzt haben wir ,Das Rheingold‘ einstudiert. Viele der Solisten kommen aus unserem Opernensemble. Die Partitur ist sehr schwer, aber ich halte die Erfahrung für unser Opernhaus einfach für großartig. Die Oper wird ohne Pause gespielt, wie sich das auch der Komponist gewünscht hat. Sie ist schon sehr speziell, denn sie ist nur ein Vorspiel für die monumentale mythologische Tetralogie. Die Vorstellung dauert zweieinhalb Stunden.“
Die zweite Premiere der Neuproduktion von Wagners „Rheingold“ im Prager Nationaltheater findet am Sonntag, 15. Februar, statt. Die Vorstellung beginnt um 19 Uhr. Sie ist jedoch ausverkauft. Reprisen der Oper stehen am 21. Februar sowie am 1., 7. und 14. März auf dem Programm. Es gibt noch Restkarten.
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