Wintersport: Bauer Zweiter beim Isergebirgslauf – Sáblíková verpasst EM-Bronze

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Neben der Präsidentschaftswahl, die das ganze Land bewegte, wurde am vergangenen Wochenende in Tschechien mehr oder weniger nur noch über ein zweites Thema diskutiert: den Wintersport. Aus gutem Grund, denn im Einzugsgebiet der nordböhmischen Stadt Liberec / Reichenberg wurden gleich zwei bedeutende Skirennen ausgetragen: der Skisprint-Weltcup und der 50-km-Isergebirgslauf. Im niederländischen Heerenveen wiederum ging die hierzulande sehr populäre Eisschnellläuferin Martina Sáblíková als Titelverteidigerin an den Start.

Lukáš Bauer (Foto: ČTK)
Zwei große Skisport-Wettbewerbe am selben Wochenende nur knapp 20 Kilometer voneinander entfernt, hat das Sinn? Diese Frage stellten sich viele Skisportfreunde vor zwei Tagen, als sie sich zwischen Teilnahme, Live-Besuch oder Fernsehsessel entscheiden mussten. Der erfolgreichste tschechische Skilangläufer der Gegenwart, Lukáš Bauer, hatte eine klare Meinung:

„Für die Region ist es schade. Die Zuschauer müssen sich entscheiden, ob sie zu einem Kurz- oder einem Langstreckenrennen gehen. Wir als Aktive sagen, der Weltcup ist nach den Olympischen Spielen die größte Aktion, für echte Langläufer aber ist der Isergebirgslauf das Größte.“

Isergebirgslauf (Foto: ČTK)
Der 35-Jährige startete selbst beim traditionellen Isergebirgslauf, und das aus zwei Gründen. Zum einen ist gerade der Skisprint seine Achillesferse, zum anderen hatte er bis Sonntag noch keine Teilnahme beim heimischen Skimarathon zu Buche stehen. Deshalb wurde Bauer auch nicht als Favorit gehandelt – eine Ausgangsposition, die ihm liege, bekannte er später:

„Aus psychischer Sicht liegt es mir mehr, wenn ich nicht der Favorit bin. Es ist immer besser, aus einer Position zu starten, von der aus man eher überraschen kann als gewinnen muss.“

Anders Aukland (Foto: ČTK)
Im riesigen Teilnehmerfeld des 50-km-Isergebirgslaufes, das fast 5000 Läufer zählte, bewies Bauer erneut, dass er zu den weltbesten Skilangläufern in der klassischen Technik gehört. Von Anfang an lief er an der Spitze und musste sich im Ziel nur dem Norweger Anders Aukland beugen. Für Aukland war es schon der dritte Erfolg bei diesem Skimarathon. Als Neuling des Rennens war auch Bauer mit seinem zweiten Rang sehr zufrieden. Er freute sich zudem für den tschechischen Langlauftrainer Miroslav Petrásek, der zwischen beiden Wettbewerben hin- und herpendelte:

Skisprinter in Vesec (Foto: ČTK)
„Er hatte einen anstrengenden Tag und wäre sicher froh gewesen, wenn ich nicht gestartet wäre. Doch letztlich wird er zufrieden sein mit dem, was unsere Skisprinter auf dem Kurs von Vesec gezeigt haben, aber auch darüber, dass ich die tschechische Flagge hier in Bedřichov hoch gehalten habe.“

In Vesec sorgten die Skiläufer Aleš Razým und Dušan Kožíšek mit dem 5. Platz im Paar-Sprint für das beste Ergebnis der tschechischen Starter.

Die tschechische Flagge hoch halten im entfernten Heerenveen wollte auch Eisschnellläuferin Martina Sáblíková, zumal sie bei der Mehrkampf-EM als Titelverteidigerin an den Start ging. Weil sie aber schon zuvor von Rückenschmerzen geplagt wurde, entschied sie sich erst spät für ihre Teilnahme:

Martina Sáblíková (Foto: ČTK)
„Der erste Grund, weshalb ich mich für die Teilnahme entschieden habe, war die Gegnerschaft. Es waren 20 Läuferinnen am Start, mit denen ich mich messen wollte. Und der zweite war die tolle Atmosphäre hier in den Niederlanden, wo ich auch viele Fans habe. Ich bin froh, dabei zu sein, denn diese Kulisse hier ist wirklich unvergesslich.“

Martina Sáblíková (Foto: ČTK)
In dieser Atmosphäre kämpfte die 25-jährige Olympiasiegerin dann auch trotz ihrer Schmerzen mit aller Hingabe. Diesmal aber blieb ihr eine Medaille verwehrt, sie wurde nur Vierte. Am Ende des Vierkampfes fehlten ihr ganze 1,3 Sekunden zur Bronzemedaille.

„Daran sieht man doch, wie wichtig eine Sekunde ist“, trug die entthronte Titelverteidigerin ihr Schicksal mit Fassung. Bauer und Sáblíková aber haben erneut bewiesen: teilzunehmen ist besser als nur zuzuschauen.

Autor: Lothar Martin
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