WM-Qualifikation: Tschechiens Kicker trauern verpassten Chancen nach

Foto: ČTK

Man wolle hoch hinaus, das ist das Motto vieler Sportler, die etwas erreichen wollen. In Tschechien trifft das auch für die Spieler der Fußball-Nationalmannschaft zu sowie für die Extrembergsteiger, die im späten europäischen Frühjahr sehr oft die 7000er und 8000er in Asien besteigen. Die Fußballer wiederum wollen kommendes Jahr zur WM nach Brasilien, hatten dazu aber letzten Freitag ein ganz wichtiges Qualifikationsspiel gegen Italien zu bestehen.

Die Endrunde zur Fußball-Weltmeisterschaft 2014 findet in Brasilien statt – in dem Land zwischen Amazonas und Zuckerhut, in dem Fußball im wahrsten Sinne des Wortes gelebt wird. Und dort wird diese Sportart auch zelebriert. Kein Wunder, dass die Bemühungen der Kicker anderer Nationen groß sind, an diesem Fußballfest teilzunehmen. Das Recht dazu aber haben neben dem Gastgeber nur die 31 Länder, die sich in der Qualifikation durchsetzen. Für Europa sind 13 Plätze reserviert. Um die 13 Teilnehmer zu ermitteln, spielt die Uefa die Qualifikation in neun Gruppen aus – die jeweiligen Gruppensieger fahren nach Brasilien sowie die vier Zweitplatzierten, die sich in den Direktduellen mit vier weiteren Gruppen-Zweiten behaupten. Der nach Punkten schlechteste Zweitplatzierte scheidet schon nach der Gruppenphase aus.

Tschechien - Italien 0:0 (Foto: ČTK)
Vor diesem Hintergrund musste Tschechien am vergangenen Freitag einiges tun, um im Herbst zumindest die Relegation der acht besten Gruppen-Zweiten zu erreichen. Der Gegner war aber keine Geringerer als Italien. Der Vize-Europameister ist in der Gruppe B noch ungeschlagen und wird aller Voraussicht nach auch als Gruppensieger das WM-Ticket lösen. Angesichts zweier torloser Remis gegen die beiden anderen Hauptkontrahenten, Bulgarien und Dänemark, sowie der 0:3-Heimschlappe gegen die Nordeuropäer, hätte den Kickern um Kapitän Tomáš Rosický ein Heimsieg über die „Squadra Azzura“ wirklich weitergeholfen. Und entsprechend engagiert spielten die Schützlinge von Nationaltrainer Michal Bílek dann auch in Prag auf. Mit Einsatz, hoher Laufbereitschaft und zum Teil gelungenen Kombinationen drängten sie die Italiener weitgehend in ihre Hälfte und erspielten sich auch eine Reihe guter Chancen. Vor dem Tor aber offenbarten die Tschechen erneut ihre Abschlussschwäche. Deshalb sprang auch diesmal nicht mehr als ein 0:0 heraus. Sehr zum Verdruss von Angreifer Libor Kozák:

Libor Kozák (rechts). Foto: ČTK
„Ich denke, dass wir die bessere Mannschaft waren. Wir hatten mehr Chancen, mit unserem Spiel sind wir daher zufrieden. Auf der anderen Seite sind wir enttäuscht, dass wir nicht die drei Punkte geholt haben.“

Italien-Legionär Kozák, der bei Lazio Rom mit Deutschlands Knipser Miro Klose zusammenspielt, hatte selbst zwei gute Chancen. Die noch besseren Möglichkeiten aber hatte HSV-Profi Petr Jiráček. Doch auch er traf nicht ins Schwarze, obwohl er weitaus besser spielte als bei der Pleite gegen Dänemark:

„Natürlich war meine Leistung gegen Dänemark nicht gut. Ich habe dafür große Kritik erhalten, also wollte ich heute einiges gutmachen. Aber ich habe leider nur den Pfosten getroffen.“

Michal Bílek (Foto: ČTK)
Das war in der 84. Minute, als die Gäste nur noch zu Zehnt spielten. Ihr Enfant terrible, Stürmerstar Mario Balotelli, war zwölf Minuten zuvor mit Gelb-Rot vom Platz geflogen. Aber auch die 20-minütige numerische Überlegenheit konnten Rosický und Co. nicht nutzen. Deshalb stehen die Tschechen vier Spieltage vor Ende der Qualifikation mit einem Punkt hinter Bulgarien nur auf dem dritten Platz der Gruppe. Trainer Bílek aber wirft die Flinte noch nicht ins Korn:

„Wir müssen aus den Begegnungen mit Armenien, Malta und Bulgarien jeweils die volle Punktzahl holen und auch etwas aus Italien mitbringen. Sonst haben wir keine Chance.“

Von diesen vier Partien bestreitet Tschechien die letzten drei auswärts, dabei am 10. September in Italien. Lediglich gegen Armenien hat man noch ein Heimspiel. Beim sensationellen 4:0-Auswärtssieg am Dienstag gegen Dänemark aber haben die Armenier gezeigt, dass man auch sie nicht unterschätzen darf.


Tschechen Holeček und Hrubý gelingt Erstbesteigung des Talung

Talung (Foto: Archiv von Marek Holeček und Zdeněk Hrubý)
Der Sportfan kann sich ziemlich gut vorstellen, wie Fußballer oder Eishockeyspieler ein wichtiges Tor feiern. Aber was sagt ein alpiner Bergsteiger, der um sich herum keine volle Zuschauertribüne hat, stattdessen aber seine Freude weitab der Zivilisation nach erschöpfenden und gefährlichen Aufstiegen genießt? Marek Holeček hat seine Eindrücke nach der Rückkehr aus Nepal Anfang Juni zumindest einigen Journalisten geschildert.

Nun sei er also hier, stehe jetzt auf dem Gipfel des Talung, endlich habe es geklappt, sagt Holeček. Diesen Moment haben er und sein Weggefährte Zdeněk Hrubý auf Zelluloid gebannt, und er ist nun auch in voller Schönheit im Internet zu sehen. Der Talung ist ein Berg im östlichen Himalaya, sein Gipfel liegt bei 7349 Metern. Er ist also keiner der Achttausender, die für gewöhnlich als das Nonplusultra unter den höchsten Gipfeln der Erde angesehen werden. Holeček und Hrubý aber setzen andere Prioritäten:

Talung (Foto: Tschechisches Fernsehen)
„Wir finden hier Ruhe und auch neue Möglichkeiten. Das können die Achttausender gegenwärtig kaum noch bieten, denn dort trifft man auf jede Menge Leute, am Mount Everest gibt es sogar schon Diskotheken oder Internet-Cafés. Ich aber suche nach neuen Wegen, die Ruhe der Berge und das Abenteuer, so wie es unsere Großväter erlebt haben“, so Holeček.

Und dieses Abenteuer haben Holeček und Hrubý vor kurzem erfolgreich bestanden. In der Nachbarschaft des dritthöchsten Gipfels der Welt, des Kangchendzönga, haben sie die Erstbesteigung des Talung geschafft, und zwar über den als sehr schwierig eingestuften Nordwestpfeiler:

Marek Holeček (Foto: Tschechisches Fernsehen)
„Die Nordwestkante, das ist ein Pfeiler, der sich über einem Gletscher bis hinauf zu den Wolken erstreckt. Rein äußerlich ist die Kante auch für einen Nichtbergsteiger eine Augenweide. Uns ist es gelungen, diese 2500 Meter hohe Kante im alpinen Stil zu bezwingen, dass heißt nur zu zweit und ohne weitere Unterstützung. Den Aufstieg haben wir binnen sieben Tagen geschafft.“

Für einen Laien ist es kaum vorstellbar, was es heißt, einen solchen Aufstieg binnen sieben Tagen zu meistern. Man ist weit weg von jeglichem Komfort, ganz auf sich allein gestellt in der dünnen, rauen Luft, vor sich nur Eis und Felsen, so dass es fast unmöglich ist, auf halber Strecke einfach umzukehren. Was aber ist es dann für ein Gefühl, wenn man alle Torturen gemeistert und sein Vorhaben im zweiten Versuch erfolgreich umgesetzt hat?

Foto: Tschechisches Fernsehen
„Wenn man herunterkommt in die Realität und beide Beine wieder auf festem Boden hat, dann beginnen sich erst all die positiven Momente im Kopf zu drehen und vor den Augen läuft ein farbenprächtiger Film ab. Für mich selbst würde ich sagen: Es ist ein stolzes Gefühl männlicher Eitelkeit, wenn man das angenehme Feedback genießt.“

Die tschechischen Extrembergsteiger haben also ein weiteres Mal bewiesen, dass sie in ihrem Metier zu den Besten in der Welt gehören. Vielleicht ist das auch ein Anreiz für die Fußballer, mehr auf ihre Kollegen Bergsteiger zu sehen. Die haben es ihnen nämlich schon mehrfach vorgemacht, wie man große Brocken aus dem Weg räumt.

Autor: Lothar Martin
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