Wölfe sind wieder natürlicher Bestandteil des Altvatergebirges

Auch im Altvatergebirge hat sich der Wolf inzwischen wieder fest angesiedelt. Die Naturschützer wissen derzeit von zwei Rudeln, die dort schon die zweite Nachwuchsgeneration zur Welt bringen.

An dieser Stelle würden die Wölfe anscheinend öfter vorbeikommen. Vít Slezák geht einen Waldweg am Fuße des Berges Praděd entlang. Er gehört zum Regionalbüro der staatlichen Naturschutzagentur (AOPK ČR), das das Landschaftsschutzgebiet Jeseníky verwaltet, also das Altvatergebirge. Slezák holt sein Smartphone hervor und zeigt Aufnahmen von der Wildkamera:

Foto: Hnutí DUHA Šelmy

„Hier ist ein Wolf zu sehen. Die Aufnahmezeit ist 12.30 Uhr. Mitten am Tag streifte er also unweit einer Schafsweide entlang. Er bewegt sich in der Natur fast unbeobachtet.“

Eines der beiden Wolfsrudel, von dem Slezák weiß, hat sein Territorium rund um den Berg Praděd. Das habe durchaus positive Auswirkungen auf den Pflanzenbestand, erläutert der Experte:

„Dieses Jahr haben wir die größte Anzahl an blühenden Pflanzen auf der waldfreien Bergspitze registriert. Ich denke, dies kann damit begründet werden, dass das Großwild sein Verhalten durch die Anwesenheit des Wolfes ändert. Denn solche Tiere sehen wir hier nun weniger.“

Praděd | Foto: Andrea Švubová,  Tschechischer Rundfunk

Jenes Wild, das sich also vom Wolf bedroht fühlt, sucht sich seine Nahrung mittlerweile woanders. Und von der häufigen Anwesenheit von Wanderern im Altvatergebirge lassen sich die Rudelmitglieder anscheinend wenig stören...

„Es ist erkennbar, dass die Wölfe schon ein natürlicher Bestandteil der Gegend sind. Die Wildkamera fängt sie sowohl tags als auch nachts ein – und ebenso zu touristischen Stoßzeiten.“

Wanderer müssen keine Angst haben

Die Besucher des Praděds müssten sich allerdings keine Sorgen machen, dass es zu einer unangenehmen Begegnung mit einem Wolf komme, sagt Slezák und fährt fort:

„Ich kann verstehen, dass die Rudel einigen Tierzüchtern Probleme bereiten. Man muss aber auch beachten, dass der Wolf die Rolle eines wichtigen Prädators ausfüllt. Die Natur braucht das offenbar. Es ist offensichtlich, dass das funktioniert.“

Jeseníky | Foto: Aleš Spurný,  Tschechischer Rundfunk

Dennoch sind nicht alle Menschen in der Gegend von der wachsenden Wolfspopulation angetan. Aleš etwa arbeitet auf einem Bauernhof in Holčovice am östlichen Rand des Altvatergebirges. Der Tierpfleger berichtet:

„Wir haben ziemlich hohe Schäden. Das betrifft sowohl Lämmer als auch neugeborene Kälber. Es ist an sich schon schwierig, das Vieh zu bewachen, und dann muss es auch noch vor den Prädatoren geschützt werden.“

Praděd | Foto: Ondřej Tomšů,  Radio Prague International

Die Angestellte Zdeňka Zbránková führt eine Tabelle mit den Schadensfällen, die auf dem Hof durch Wölfe verursacht werden:

„Die ersten toten Zuchttiere gab es bei uns im Dezember 2024, das waren drei Schafe. 2025 haben wir 24 gerissene Tiere erfasst, und in diesem Jahr sind es bisher schon 70.“

Das Landwirtschaftsunternehmen hat nun einen Projektantrag für neue Zäune gestellt. Subventionen für Schutzmaßnahmen gegen Wölfe gibt es nämlich bei der staatlichen Naturschutzagentur.

Eine Überpopulation an Wölfen droht in Tschechien den Experten zufolge allerdings nicht. Ein Rudel braucht für sein Territorium demnach mehrere Hundert Quadratkilometer, und zumindest das Landschaftsschutzgebiet Jeseníky bietet keinen Platz mehr für weitere Wolfsgruppen.

Autoren: Daniela Honigmann , Adam Tomáš | Quelle: Český rozhlas
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