Yuzuru: Japanisch-schlesischer Abendkranich im Prager Ständetheater

Michal Vojta mit Katarina Jorda Kramolišová

In einem Opernhaus, das vor allem Mozart geweiht ist, erklangen diesmal nicht die wohl bekannten Töne seiner Oper der Opern, des Don Giovanni, der hier uraufgeführt wurde. Auf der Bühne des Prager Ständetheaters sang stattdessen der Bauer Yohyo in seinem japanischen Landhaus über seine Liebe zu einem schönen Mädchen namens Tsu. Das Prager Publikum hatte die Möglichkeit, eine japanische Oper in der Originalsprache zu hören.

Mit der Oper „Yuzuru“ vom japanischen Komponisten Ikuma Dan stellte sich in Prag das Opernensemble des Schlesischen Theaters aus Opava / Troppau vor. Wie der Weg des japanischen Musikwerkes auf die schlesische Opernbühne verlaufen ist, das erfuhr ich von Dirigent Jan Snítil. Denn er studierte den für das tschechische Opernpublikum exotische Opus ein.

„Die Initiatorin ist meine Frau, die Japanerin ist. Wir sind beide davon überzeugt, dass man die Schönheit eines Kunstwerks auch trotz bestimmter nationaler Unterschiede wahrnehmen kann. Meine Frau studierte Musik in Japan. Sie hörte einst den tschechischen Pianisten und Musikpädagogen Jan Panenka, der tschechische Komponisten wie Smetana spielte, und entschied sich, das Musikstudium in Prag fortzusetzen. Wir möchten die japanische Musik in Tschechien bekannter machen. Bei uns kennt man die japanische Technik, Literatur und teilweise auch die bildende Kunst, aber die japanische Musik gar nicht. Das Werk spielt eine wichtige Rolle in der japanischen Musik, weil es die erste japanische Oper im europäischen Sinne des Wortes ist.“

Der Dirigent sagte, er sei von dieser Oper ähnlich gefesselt worden wie die Ausländer in Tschechien von Smetanas Verkaufter Braut oder Janáčeks Jenufa. Nach einer bestimmten Überzeugungsphase gelang es, die Oper in das Repertoire mit aufzunehmen und einzustudieren. Für die Künstler war es zweifelsohne nicht einfach, denn sie singen die Oper in der Originalsprache. Mit der Aussprache und dem Verstehen des japanischen Textes half ihnen die Frau des Dirigenten Masako Nakajima, die als Korepetitorin mit den Künstlern geübt hat. Mit nicht japanischen Darstellern wurde die Oper bislang nur ein einziges Mal inszeniert, sagt Jan Snítil: vor zwei Jahren in Mexiko.

„Das Hauptproblem ist das Gedächtnis. Die Sänger hatten eine genaue Übersetzung des Librettos zur Verfügung. Meine Tochter übersetzte das Libretto ins Tschechische, sodass sie wissen, worüber sie singen. Wenn ihnen aber ein Wort entfällt, ist es schwierig, sich daran zu erinnern. Die Bedeutung der Souffleuse ist bei dieser Oper größer als normalerweise.“

Die Souffleuse ist meistens Františka Seina Snítilová, die Tochter des Dirigenten, die in Japan aufgewachsen ist:

„Die Künstler sagen selbst, ohne Souffleuse geht es nicht. Manchmal sehe ich schon, wie mich die Sänger mit ihren Augen suchen, wie sehr sie ein Wort gerade brauchen.“

Und was bedeutet das geheimnisvolle Wort „Yuzuru“, der Titel der Oper?

„Zuru - bedeutet Kranich und yu- den frühen Abend – also etwa der Abendkranich," sagt Františka Seina Snítilová.

In den Hauptrollen stellten sich Katarína Jorda Kramolišová und Michal Vojta vor. In zwei Jahren plant das Schlesische Theater eine Tournee durch Japan, wo es auch die Oper "Yuzuru" aufführen will.