Zertifizierung im wirtschaftlichen Wettbewerb

iso14000_lejstra.jpg

Normalerweise kennen unsere Hörerinnen und Hörer in Deutschland den Technischen Überwachungsverein (TÜV) von der Inspektion ihres Autos, bei der in regelmässigen Abständen die technische Sicherheit und die Einhaltung bestimmter Umweltstandards geprüft werden. Seit 1990 hat die deutsche Organisation RWTÜV mit Sitz in Essen auch ein tschechisches Tochterunternehmen mit heute mehr als 100 Mitarbeitern. Zum einen arbeitet die Organisation hier in ihren beiden klassischen Tätigkeitsfeldern, der technischen Überprüfung von Kraftfahrzeugen und der technischen Abnahme oder Sicherheitsprüfung von Grossgeräten, wie zum Bespiele Dampfkesseln, Druckbehältern, Kränen. Daneben ist der RWTÜV aber auch im Bereich der Zertifizierung tätig. Was es damit auf sich hat und warum bestimmte Zertifikate in der Wirtschaft immer wichtiger werden, erfahren Sie in der heutigen Ausgabe des Wirtschaftsmagazines, zu der Sie am Mikrofon in Prag Jürgen Siebeck herzlich begrüsst.

"Diese Zertifizierung ist der Nachweis, wie jedes Unternehmen sich in Produktion und Management, in Qualität, Umwelt und Sicherheit verhält, wie die Firmen die ganzen Bedingungen erfüllen, die die Europäische Union in den Vorschriften verlangt."

So einleitend Frau Diplom-Ingenieurin Marie Krause, eine der beiden Geschäftsführer des RWTÜV in Prag. Etwas allgemeiner beschreibt sie die Zertifizierung als einen Prozess:

"Zertifizierung ist ein Prozess, bei dem festgelegt wird, dass ein Unternehmen in der Produktion und Unternehmensführung vorher international festgelegte Normen oder Standards erfüllt. Diese Normen werden von der internationalen Standardisierungsorganisation ISO oder von Normungsausschüssen auf der europäische Ebene, zum Beispiel CEN, CENELEC, festgelegt."

Die zunehmende Bedeutung der Zertifizierung für die Unternehmen wird von Frau Krause so dargestellt.

"Grosse Firmen, aber auch kleine Unternehmen möchten ein hochwertiges und qualitativ gutes Produkt herstellen. Darauf legen sie auch bei ihren Zulieferern grossen Wert. Das heisst, wenn sie heute im internationalen Markt ihre Produkte oder Dienstleistungen anbieten wollen, müssen sie den Nachweis führen, dass sie die wesentlichen Qualitäts- ,Umwelt- oder Sicherheitsanforderungen erfüllen."

Am Beispiel der Ausschreibungen in der Automobilindustrie und im Umgang mit Lebensmitteln wird das verdeutlicht:

"Skoda Auto arbeitet nur mit Zulieferern, mit Firmen zusammen, die diese Zertifikate vorweisen können. Ähnliches gilt für Peugot oder Volkswagen. Aber auch die grossen Lebensmittelketten achten bei ihrem Einkauf darauf, dass Zertifikate über die Qualität, Hygiene- und Gesundheitsvorschriften vorhanden sind."

In der letzten Zeit werden auch die Zertifikate über ein umweltgerechtes Vorgehen immer wichtiger - nicht nur als Argument in der Werbung.

"Zum Beispiel ist die Restaurantkette McDonald's zur Zeit sehr bemüht, für ihre Restaurants in der Tschechischen Republik das Zertifikat zu bekommen, das bestätigt, dass das Unternehmen in der Abfallentsorgung die Umweltstandards einhält. Dieses Zertifikat ISO 14001 spielt in der öffentlichen und politischen Diskussion schon eine wichtige Rolle."

Wir haben von Frau Krause bereits erfahren, dass die Normen von zwischenstaatlichen Organisationen festgelegt werden.

"Der eigentliche Überprüfungsprozess wird von kompetenten und unabhängigen Organisationen durchgeführt, die von internationalen Behörden dazu akkreditiert werden. Eine dieser Organisationen ist auch der TÜV. Und für die Tschechische Republik ist der RWTÜV neben anderen Organisationen in diesem Bereich tätig. Wir zählen mit etwa 40% zu den führenden Dienstleistern in diesem Bereich. In den letzten 12 Jahren haben wir etwa 600 tschechische Unternehmen zertifiziert."

Das waren etwa zur Hälfte Firmen aus dem Hüttenwesen, dem Maschinen- und Anlagenbau. Einen weiteren grossen Teil bildete die Automobilindustrie und deren Zulieferbetriebe. Dazu kommen die Textilindustrie, die Glasindustrie, die Medizintechnik und der Lebensmittelbereich.

"Der Zertifizierungsprozess läuft auf zwei Ebenen ab. Zunächst erhalten wir von den Firmen umfangreiche Dokumentationen zu den relevanten Bereichen Qualitätsmanagement, Umweltmanagement usw. In der zweiten Phase werden diese Angaben von unseren Auditoren und Experten vor Ort im Unternehmen überprüft. Die Ergebnisse beider Phasen werden dann von uns in einem Auditbericht bewertet und führen dann gegebenenfalls zur Erteilung des Zertifikats, wie zum Beispiel ISO 9000 oder ISO 14000."

Die Gruppe ISO 9000 steht dabei für Zertifizierungen im Qualitäts- und Produktmanagement, die Gruppe ISO 14000 für die Umweltstandards.

"Das Zertifikat ist drei Jahre lang gültig und jährlich muss das Unternehmen uns nachweisen, dass die Bedingungen weiterhin erfüllt werden. "

Gegebenenfalls könne das Zertifikat, so Frau Krause vom RWTÜV, auch wieder entzogen werden. Zusätzliche Überraschungsaudits seien auch möglich. Der Auditbericht, der ansonsten nur den untersuchten Firmen zur Verfügung steht, werde von diesen häufig auch noch zu zusätzlichen Verbesserungen im Betriebsablauf verwandt.

"Die Zertifizierung ist für die tschechischen Unternehmen eine Voraussetzung für den Zugang zum internationalen Markt und ein Teil der Vorbereitung für den EU-Beitritt."

Da es durchaus im Zertifizierungsverfahren Qualitätsunterschiede bei den einzelnen Organisationen gebe, die dieses Zertifikate ausstellen dürfen, würden viele tschechische Firmen grossen Wert auf ein vom TÜV ausgegebenes Zertifikat legen.

"Den tschechischen Firmen erleichtert ein Zertifikat durch eine international renommierte Organisation, wie zum Beispiel RWTÜV, die Akzeptanz bei potenziellen Kunden im Ausland."

Viele deutsche Unternehmen verlangten von ihren Zulieferfirmen Zertifizierungen durch eine TÜV-Organisation. Abschliessend weist Geschäftsführerin Krause auf die von ihrer Organisation noch zusätzlich angebotene Dienstleistung für die Firmen hin:

"Ein Beispiel für internationale Zusammenarbeit: Wenn ein deutscher Maschinenbauer einen qualifizierten Zulieferer sucht für Gusstücke oder Stahlprofile in der Tschechischen Republik, wird er als erstes unsere Referenzlisten über zertifizierte Hersteller nutzen, die auch im Internet zur Verfügung stehen."

Darüber hinaus sei man auch bereit, Unternehmen aus dem deutschsprachigen Bereich bei der Aufnahme und Anbahnung von Kontakten zu möglichen Partnerfirmen in der Tschechischen Republik zu beraten und zu helfen.

"Eine internationale Kooperation ist im Wirtschaftsbereich Ieichter möglich, wenn Firmen die Grundstandards in Produktion und Management, in Qualität, Umwelt und Sicherheit einhalten. RWTÜV ist in diesem Zusammenhang ein Mittler zwischen den Firmen."

So viel zum Thema Zertifizierung und der Arbeit von RWTÜV Praha. Mit einem Dank an deren Geschäftsführerin Krause verabschiedet sich zum Abschluss des heutigen Wirtschaftsmagazines von Ihnen Jürgen Siebeck.

Autor: Jürgen Siebeck
abspielen