Zum 100. Geburtstag: Gedenken an Nazi-Opfer Zámečník

Jaroslav Zámečník

Die Opfer totalitärer Regime waren häufig auch Gläubige. Über ihr Schicksal weiß man allerdings meist nur wenig, die Erinnerungen an sie werden erst in letzter Zeit zusammengetragen. Dies ist auch der Fall beim katholischen Priesters Jaroslav Zámečník. Er wurde vor 71 Jahren im KZ-Dachau ermordet. Die Pfarrgemeinde der Prager Herz-Jesu-Kirche hat vorige Woche eine Gedenkveranstaltung für ihn abgehalten.

Jaroslav Zámečník
Jaroslav Zámečník war in den Jahren 1940 bis 1942 Kaplan der Prager Herz-Jesu-Kirche. Dank der dortigen Pfarrgemeinde konnten nun neue Dokumente über ihn zusammengetragen werden. Diese Materialien ermöglichen ein tieferes Bild von Jaroslav Zámečník, sagt Historiker Jan Stříbrný. Er arbeitet an der Studie „Martyrologium des 20. Jahrhunderts“. In dem Buch wird das Schicksal von Gläubigen aus den Böhmischen Ländern erfasst, die Opfer der beiden totalitären Regime wurden. Der Historiker:

„Das Erinnern an die Vorbilder, an die Märtyrer, ist sehr wichtig. Wenn wir die Motive für ihr Handeln finden, kann dies für uns inspirierend sein. Und für die Öffentlichkeit außerhalb der Kirche wirkt es überraschend, da die Kirche oft sehr einseitig betrachtet wird.“



Foto: Martina Schneibergová
Jaroslav Zámečník stammte aus der südböhmischen Gemeinde Budičovice, er wuchs in einer Bauernfamilie auf. Zámečník war ein hochbegabter Schüler und Student und begann in Prag mit dem Jurastudium. Er entschied sich dann aber, zum Theologiestudium zu wechseln und 1937 wurde Zámečník zum Priester geweiht. Zuerst war er in der Region von Pilsen tätig, 1939 ist er nach Prag gegangen. Er war kurz in der Kirche St. Heinrich tätig und am 1. August 1940 fing er in der Herz-Jesu-Kirche als Kaplan an. Jan Stříbrný:

„Mit der Gestapo hatte er zum ersten Mal im Zusammenhang mit einem anonymen Brief zu tun. In diesem Brief, der dem Pfarramt der Herz-Jesu-Kirche zugestellt wurde, wurde verlangt, dass die tschechische Aufschrift über dem Tabernakel auf dem Altar verschwinden müsse. Zámečník ging mit dem Brief zur Gestapo und wollte eine Erklärung vom damals gefürchteten Kirchenreferenten Kurt Oberhauser hören.“

Jan Stříbrný (Foto: Martina Schneibergová)
Es ist bekannt, dass eine von Zámečníks Predigten die Gemeinde bewegt hatte. Der Kaplan hatte die nationalsozialistische Ideologie als eine verheerende Irrlehre bezeichnet. Er forderte die Gläubigen auf, sich auf die Seite der Wahrheit zu stellen. Jan Stříbrný verweist auf einige Hetzartikel in der Nazi-Propagandazeitung „Arijský boj“. Das Pfarramt der Herz-Jesu-Kirche wurde darin angegriffen, weil es die Juden zu nett behandelt habe. Bald darauf wurde der Kaplan dann verhaftet.

„Pater Zámečník wurde am 16. Juli 1942 verhaftet. Eine Frau aus der Pfarrgemeinde hatte ihn bei der Gestapo denunziert. Sie hatte behauptet, der Kaplan habe die Kommunion abgelehnt, weil sie eine Brosche mit einem Hakenkreuz trug. Am 10. Oktober 1942 wurde Zámečník ins KZ Dachau transportiert. Er war ein junger und gesunder Mann. In Dachau wurden an den Häftlingen Versuche mit Arzneimitteln gegen Infektionskrankheiten durchgeführt. Zámečník wurde mit der Phlegmone angesteckt, er starb nach zehn Tagen unter starken Schmerzen am 22. November 1942.“

 Präsident Beneš zeichnete den Priester posthum mit dem tschechoslowakischen Kriegskreuz aus (Foto: Martina Schneibergová)
Im August 1947 zeichnete Präsident Beneš den Priester posthum mit dem tschechoslowakischen Kriegskreuz aus. Nach der kommunistischen Machtübernahme im Februar 1948 wurde das Gedenken an Zámečník jedoch verdrängt. Nun wurde diese interessante Persönlichkeit wieder entdeckt. Am Dienstag, dem 26. November, wäre der Priester 100 Jahre alt geworden.