Zwischen Böhmen und Mallorca: Ludwig-Salvator-Symposion in Brandýs

Erzherzog Ludwig Salvator (Foto: Martina Schneibergová)

Er war ein Forschungsreisender, Naturwissenschaftler und begabter Zeichner: Erzherzog Ludwig Salvator, der aus dem toskanischen Zweig des Hauses Habsburg-Lothringen stammte. 2015 jährt sich der Tod des unkonventionellen Habsburgers zum 100. Mal. Auf Schloss Brandýs nad Labem / Brandeis an der Elbe, das Ludwig Salvator einst gehörte, fand am vergangenen Samstag ein Symposion über den Naturforscher statt.

Erzherzog Ludwig Salvator (Foto: Martina Schneibergová)
Beim Ludwig-Salvator-Symposion trafen rund 40 Teilnehmer aus Ländern zusammen, in denen der Naturforscher und Reiseschriftsteller seine Spuren hinterlassen hat. Die Begegnung fand in den Räumlichkeiten statt, die Ludwig Salvator einst bewohnte. Milan Novák leitet die Kulturabteilung in der Stadt Brandýs und die Schlossverwaltung. Er ist Initiator des Symposions:

„Eines der Ziele des Symposions in Brandýs ist es, sich den Aktivitäten anzuschließen, bei denen an verschiedenen Orten Europas an diesen Forscher erinnert wird. Es handelt sich dabei nicht nur um Wien oder Triest, sondern vor allem um Mallorca, wo Ludwig Salvator zu Hause war.“

Die österreichische Historikerin Helga Schwendinger hat ein biographisches Buch über Ludwig Salvator geschrieben. Vor kurzem stellte sie zudem eine Ausstellung über den Naturforscher im Stadtarchiv in Palma de Mallorca zusammen. Die Ausstellung trägt den Titel „Von Florenz über Prag nach Mallorca“. Über das Symposion in Brandýs sagte Helga Schwendinger einleitend:

Helga Schwendinger (Foto: Martina Schneibergová)
„Es ist ein Versuch, zwischen den wichtigen Stationen im Leben des Erzherzogs eine Brücke zu schlagen. Bisher war es immer so, dass die Mallorquiner die Zeit in Mallorca behandelt haben. Hier in Brandeis hat man sich meistens um die Jahre des Erzherzogs in Brandeis gekümmert. Wir in Wien oder in Triest haben unsere Lokalthemen behandelt. Ich glaube, es ist an der Zeit, ein paar Monate vor dem Jahr 2015, in dem sich sein Todestag zum 100. Mal jährt, Ludwig Salvator als Mittelmeerforscher und Universalgelehrten zu bearbeiten.“

Zum Symposion ist auch der Honorarkonsul der Tschechischen Republik auf den Balearen, Dalibor Čiak, nach Brandýs gekommen. Gemeinsam mit Helga Schwendinger und dem Tschechischen Nationalarchiv war er an der Ausstellung über Ludwig Salvator in Palma de Mallorca beteiligt:

Dalibor Čiak (Foto: Martina Schneibergová)
“Ich wurde vor dieser Sommersaison von der Regierung der Balearischen Inseln angesprochen, ob ich mich nicht an den Veranstaltungen zum Gedenkjahr zum 100. Todestag von Ludwig Salvator beteiligen möchte. Der Erzherzog hat bedeutend zur Erforschung der Balearen beigetragen, seine Erkenntnisse werden bis heute sehr geschätzt. Er ist auf den Balearen eine sehr berühmte Persönlichkeit. Für mich ist es eine Herausforderung, an den Veranstaltungen teilzunehmen, bei denen an einen Menschen erinnert wird, der so viel für Mallorca getan hat und dabei eine enge Beziehung zu Böhmen hatte. Ich habe hier in Brandýs jetzt einige neue Ideen für die weitere Zusammenarbeit gesammelt. Vor der Sommersaison 2015 habe ich unter anderem vor, mit den tschechischen Reiseführern, die Touristen auf Mallorca begleiten, zusammenzutreffen und sie über das Programm des Gedenkjahres zu informieren.“

Schloss Brandýs nad Labem (Foto: Martina Schneibergová)
Ludwig Salvator ist als zwölfjähriger mit seinen Eltern nach Böhmen gekommen. Er lebte auf Schloss Brandýs nad Labem und studierte Naturwissenschaften in Prag. Auch wenn er später oft auf Reisen war und auf Mallorca lebte, war er mit Böhmen weiterhin verbunden. Helga Schwendinger:

„Die Beziehungen waren da – bis zu seinem Tod. Durch Personen wie Maler oder Bildhauer war er mit Böhmen verbunden. Er hat fast alle seine Bücher bei Heinrich Mercy in Prag drucken und binden lassen. Die Illustratoren stammten aus Böhmen oder Mähren – wie beispielsweise Bedřich Havránek. Ludwig Salvator ist auch immer wieder hier gewesen. Brandeis war sein Stammschloss, es war die Domäne, er hat sich darum gekümmert – darüber gibt es Korrespondenz. Er hat Böhmen nie verlassen, obwohl seine Heimat das Meer und die Jacht ‚Nixe‘ waren. Er war ein großer unruhiger Geist. Dass er in Brandeis gestorben ist, hängt damit zusammen, dass ihm Kaiser Franz Josef befohlen hat, auf sein Stammschloss zurückzukehren, als der Erste Weltkrieg ausgebrochen ist. Und das war Brandeis. Dann gab es schon Krieg mit Italien, eine Fahrt nach Mallorca war unmöglich, und er ist am 12. Oktober 2015 hier gestorben. Er war bis zu seinem letzten Tag mit Böhmen und Brandeis verbunden.“