13 Tote, über 22.000 Evakuierte, unzählige Schäden – Krisenstab legt Abschlussbericht zum Hochwasser vor

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Vor etwas mehr als zwei Wochen wälzte sich eine braune Wasserwelle durch Böhmen. Die Flut weckte schmerzhafte Erinnerungen an das Jahr 2002, als das so genannte Jahrhunderthochwasser große Teile des Landes verwüstete. Auch wenn diesmal die Städte und Gemeinden besser vorbereitet waren, sind doch erneut gewaltige Schäden entstanden. Vor allem Nordböhmen hat es hart getroffen. Am Dienstag traten Hochwasserkommission und zentraler Krisenstab ein letztes Mal zusammen und zogen ein Fazit.

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Bleibenden Eindruck hat das Hochwasser vor allem bei den Errungenschaften der Menschen hinterlassen. Ein Fußballplatz im Prager Stadtteil Velká Chuchle hat seine Tore, Bänke und Zäune verloren, dafür wird ein Geräteschuppen aus Beton nun von einem zerstörten Pkw geschmückt. Menschen trocknen ihre Sachen vor den Garageneinfahrten und in den hierzulande heiß geliebten Wochenendhaus-Siedlungen werden Berge von angeschwemmtem Treibgut verbrannt.

In einigen Gebieten gilt noch immer der Notstand, der Krisenstab empfiehlt die Aufhebung in den Kreisen Mittelböhmen, Ústí /Aussig und Karlový Vary / Karlsbad erst zum 28. Juni. Am schlimmsten ist die Situation im Bezirk Litoměřice / Leitmeritz. Die Gemeinde Křešice liegt unmittelbar an der Elbe, Bürgermeister ist Václav Kovařík:

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„Die schwersten Aufräumarbeiten in der Gemeinde sind beendet. Wir haben die Straßen und Wege wieder begehbar gemacht und die Bürger haben ihre Abfälle zu Sammelstellen und in bereitstehende Container gebracht. Jetzt beginnen die Bewohner damit, ihre eigenen Häuser, Gartenlauben und Gärten vom Treibgut zu räumen. Bis zur endgültigen Herstellung von Ordnung wird es also noch etwas dauern.“

Křešice hat etwa 1500 Einwohner. Nachdem das Wasser die Hochwasserbarrieren überstiegen hatte, mussten 1000 von ihnen evakuiert werden, 260 Häuser wurden überflutet.

Republikweit wurden laut Angaben des Krisenstabs 22.704 Menschen vor dem Wasser evakuiert werden, die Regierung schickte 600 Soldaten zur Unterstützung. Sie sind auch weiterhin im Einsatz und helfen bei der Schadensbeseitigung, wie der Bürgermeister von Křešice betont:

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„Von der Armee sind hier chemische Einheiten aus Liberec / Reichenberg, die mit ihrer Technik eine große Hilfe sind. Sie haben Dampfstrahler und Radlader. Hier sind auch Soldaten aus Prostějov, die mit der Polizei und der Feuerwehr zusammenarbeiten. Sie helfen beim Abpumpen der großen Lagune, die sich gebildet hat.“

Schlimm gelitten haben auch weitere Städte und Gemeinden in Nordböhmen. Das Finanzministerium hat für die Aufräumarbeiten ungefähr 324 Millionen Kronen an den Kreis Ústí überwiesen. Die Verteilung soll bereits am Mittwoch beschlossen werden, wie der Kreishauptmann Oldřích Bubeníček sagt:

„Die Kreisvertretung muss natürlich darüber entscheiden. Sobald sie die Verteilung im beschleunigten Verfahren beschlossen hat, wird es möglich sein, die Gelder zu überweisen.“

Oldřich Bubeníček, foto: ČT24
Die Gesamthöhe der Schäden ist noch immer nicht absehbar. Dafür steht die Zahl der Todesopfer abschließend fest: 13 Menschen hat das Hochwasser das Leben gekostet, darunter mehrere Wassersportler. Auch zu Plünderungen ist es gekommen, die Polizei hat 27 Fälle verzeichnet. Der geologische Dienst hat 50 Erdrutsche registriert, der schwerste davon im Bereich der im Bau befindlichen Autobahn D8. Wegen Erdrutschen und Unterspülungen bleiben noch 17 Straßenabschnitte und drei regionale Bahnstrecken gesperrt.

Das Ausmaß des Hochwassers und seine Folgen sollen nun genau analysiert werden, um den Hochwasserschutz zu verbessern. Umwelt- und Landwirtschaftsministerium haben dafür eine Kommission eingerichtet.