16 Jahre Weihnachtsgesang: Zu Besuch beim Kirchenchor von Valtice
In unserem Sonderprogramm laden wir Sie nun nach Südmähren - in die Stadt Valtice / Feldsberg ein. Weihnachtliche Stimmung herrschte auf dem Marktplatz schon während der gesamten Adventszeit.
Es war noch fast zwei Wochen vor Heilig Abend; vor der Kirche trafen Mitglieder des hiesigen Kirchenchors zusammen. Sie kamen zur ersten Probe der Weihnachtsmesse mit Orgelbegleitung. Der Organist - ein begabter Schüler - probierte das Instrument aus. Er und der Chorleiter warteten, bis alle Chormitglieder wieder ruhig atmen konnten, nachdem sie die steile Wendeltreppe, die zum Chor hinaufführt, hinaufgeklettert waren. Dann gab der Chorleiter dem Organisten ein Zeichen und die Probe konnte beginnen:
Dieses Gloria stammt aus keiner der viel gespielten Weihnachtsmessen, die jeder Tscheche, der sich ein wenig für Musik interessiert, gleich erkennen würde. Chorleiter Milan Kolar dazu:
"Wir haben uns für diese Messe entschieden, weil wir nicht wieder die bekannte Hirtenmesse von Jan Jakub Ryba singen wollten. Innerhalb von sechzehn Jahren haben wir insgesamt fünf Messen einstudiert. Diese ´Erste Weihnachtsliedermesse´ schrieb Jaroslav Ocenasek 1935 in Brünn. Er komponierte das Werk zu Ehren des Prager Jesuleins." Jaroslav Ocenasek war ein mährischer Organist, Komponist und Musikpädagoge. Als langjähriger Musiklehrer wirkte auch der Chorleiter des Kirchenchors von Valtice, Milan Kolar. Dreißig Jahre lang leitete er zwei Kinderchöre in Valtice. Vor 16 Jahren gründete er den Kirchenchor. Zu Weihnachten haben wir jedes Jahr gesungen, erzählt Kolar. Nur ein einziges Mal haben wir bei der Weihnachtsmesse gefehlt, räumt der pensionierte Musiklehrer ein. Damals konnte er wegen einer Operation, die er zuvor hatte, die steile Treppe nicht hinaufsteigen."Wir singen seit 16 Jahren zusammen. Inzwischen haben sich die Mitglieder zum Teil ausgewechselt. Jeden Montagabend treffen wir uns, um zu proben. Wir sind ein reiner Amateurchor. Einmal im Jahr organisieren wir einen Ball. Vom Erlös finanzieren wir beispielsweise unsere Treffen, die entweder am Anfang oder am Ende des Schuljahrs stattfinden und bei denen intensiv geprobt wird. Der Chor hat 28 Mitglieder. Es singen wenige Männer mit, so dass der Klang nicht ganz ausgewogen ist. Aber Gott sei Dank, dass wenigstens einige Männer dabei sind und dass wir einen gemischten Chor haben."
Zu den Gründungsmitgliedern des Kirchenchors gehört Vaclav Dlouhy, der außerdem in einem Volksensemble mitsingt. Bevor er nach Valtice kam, lebte er dreißig Jahre lang in Ostrava:
"Ich stamme eigentlich aus der mährischen Slowakei. Südmähren zog mich schon immer an. Im Kirchenchor sang ich schon in Ostrava, als man dafür vom damaligen Regime noch verfolgt wurde. Von einem dortigen Chorleiter erhielt ich verschiedenes Notenmaterial, das ich dann mit nach Südmähren genommen habe. Darunter war auch ein Lied über die heilige Nacht, das wir hier in Valtice seit einigen Jahren mit Erfolg singen." Der Kirchenchor tritt nicht nur in Valtice und seiner Umgebung regelmäßig auf, sondern reist auch zu Konzerten nach Deutschland und Österreich. Nach Österreich sind es von Valtice nur fünf Kilometer, so dass Konzerte in einem österreichischen Nachbarort ganz kurzfristig und bei Bedarf vereinbart werden können. Für Milan Kolar ist es kein Problem, so eine Veranstaltung zu organisieren:"Nach der Samtenen Revolution herrschte plötzlich eine solche Begeisterung, da man wieder in der Kirche singen durfte, ohne verfolgt zu werden. Es sind damals viele Leute zusammengekommen, die Lust hatten, die Weihnachtsmesse von Ryba, die sie einst sangen, mal wieder in Valtice zu singen. Aber mit der Weihnachtsmesse hat es nicht aufgehört. Wir haben den Chorgesang weiter gepflegt und neue Werke einstudiert. Und ich hoffe, dass wir es noch einige Jahre lang fortsetzen werden."
Dies hofft auch Vaclav Dlouhy, der die Entstehung des Kirchenchors vor 16 Jahren mitinitiiert hatte:
"Die weitere Existenz des Chors hängt von Herrn Kolar ab, denn bislang hat sich in Valtice niemand gefunden, der in der Lage wäre, ihn abzulösen. Denn er ist einfach ein Fachmann, der dem Chor den Charme verleiht. Man sieht halt, dass er der Herr Lehrer ist."
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