Valtice / Feldsberg: Zu Weihnachten gab es Karpfen von den Liechtensteins

Weihnachtskrippe von Vladimir Vanek

In unserem weihnachtlichen Sonderprogramm haben wir vor einer Woche den Kirchenchor in der südmährischen Grenzstadt Valtice / Feldsberg besucht und über seine Vorbereitungen auf die Weihnachtszeit berichtet. Nach Valtice laden wir Sie noch einmal ein.

Museum in Valtice
Valtice / Feldsberg ist vor allem durch das einzigartige Schlossareal von Valtice und Lednice / Eisgrub bekannt geworden, das vor zehn Jahren in die Weltkulturerbeliste der UNESCO eingetragen wurde. Um den Touristen, die vor allem während der Sommersaison in die Weinstadt Valtice strömen, ausführlichere Informationen über das Geschehen in der Region zu bieten, wurde 1999 in einem historischen Gebäude auf dem Marktplatz ein Touristen- und Informationszentrum eingerichtet. Das Zentrum dient aber auch den Stadtbewohnern und beteiligt sich am Kulturleben in der Stadt. Kurz vor Weihnachten stellte das Informationszentrum seine Räumlichkeiten dem Museum von Valtice zur Verfügung, das hier seine bereits vierte Weihnachtsausstellung aufbaute. Zusammengestellt hat sie Lada Rakovska:

"In diesem Jahr konzentrierten wir uns in der Ausstellung vor allem auf die modernen Weihnachtskrippen sowie darauf, wie die Renaissance- und Barockmaler die Geburt Christi aufgefasst haben. Denn wenige Menschen finden die Zeit dafür, in der Fachliteratur nachzuschlagen. Wir wollten ihnen das von Künstlern oft bearbeitete Thema der Geburt Christi in der Ausstellung näher bringen."

Lada Rakovska
Der Torso eines neogotischen Altars, das aus den Museumssammlungen stammt, und drei Weihnachtskrippen dominieren den Ausstellungsraum.

"Die drei Weihnachtskrippen, die hier zu sehen sind, stammen alle aus Valtice. Eine dieser Weihnachtskrippen wurde von Vladimir Vanek aus Knetmasse, Leder und Holz hergestellt. In Tschechien gibt es angeblich nur drei ähnliche Weihnachtskrippen, sodass sie fast eine Rarität ist. Es ist kein Zufall, dass diese Figuren an den Puppentrickfilm über die Käfer vom berühmten tschechischen Künstler Jiri Trnka erinnern. Denn Herr Vaneks Vater beteiligte sich an der Gestaltung der Puppen für den erwähnten Film. Eine weitere Weihnachtskrippe stammt von der hiesigen Bäckerin Regina Schneiderova, die die Figuren mit viel Phantasie gebacken hat. Drittens findet man hier eine Weihnachtskrippe aus Maisstroh, die Zina Juricova aus Valtice geschaffen hat. Wir konnten hier nur einen Teil ausstellen, denn insgesamt besteht die Krippe aus mehr als sechzig Figuren."

Weihnachtskrippe von Vladimir Vanek
In der Ausstellung wird des Weiteren verschiedenen Aspekten der Weihnachtsfeiern im bürgerlichen sowie im ländlichen Milieu Aufmerksamkeit geschenkt. So findet man unter anderem Beispiele von Weihnachtsgeschenken, die für das 19. Jahrhundert beziehungsweise die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts typisch waren.

"Ein sehr beliebtes Weihnachtsgeschenk für Kinder waren kleine Marionettentheater. Es gibt hier einige Marionetten aus der Vorkriegszeit, aber auch verhältnismäßig moderne Marionetten aus den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts."

Nicht nur einst populäre Weihnachtsgeschenke, sondern auch typischer Weihnachtsschmuck in verschiedenen historischen Varianten wird in Valtice gezeigt:

Weihnachtsschmuck
"Wir stellen hier den ältesten Weihnachtsschmuck aus unseren Sammlungen aus, der aus den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts stammt. Er wurde aus Papier gebastelt, mit Glassplittern beklebt und gefärbt. Später gab es Weichnachtsschmuck aus Glasperlen und kleinen geblasenen Glaskugeln. Daneben zeigen wir Weihnachtsschmuck, der vor etwa vierzig-fünfzig Jahren hergestellt wurde und den heutigen Glaskugeln ähnlich ist. Abschließend sind verschiedene Glasfiguren und Kugeln zu sehen, die heutzutage in Horni Bradlo bei Chrudim hergestellt und in die ganze Welt exportiert werden."

Neben einer kurzen Geschichte der Weihnachtsschmuckherstellung kann man sich in der Ausstellung auch mit der Entwicklung der Weihnachtskarten bekannt machen, deren Motive während des 20. Jahrhunderts sehr unterschiedlich ausfielen. Am Anfang des 20. Jahrhunderts waren sie vor allem mit dem Stadtmilieu verbunden.

Weihnachtskrippe von Regina Schneiderova
Im letzten Teil der Ausstellung wird ein Eindruck des Lebens auf dem Lande während der Weihnachtszeit vermittelt. Es wird gezeigt, was man früher auf dem Lande in Südmähren gebacken und gekocht hat sowie was für Bräuche befolgt werden sollten.

"Man kann sagen, dass Valtice / Feldsberg eine Ausnahme darstellte. Denn auf dem Lande wurden sonst keine Karpfen als Hauptgericht an Heiligabend serviert. Feldsberg gehörte jedoch der Familie Liechteinstein, und die Liechtensteins haben Fische gezüchtet und sie auch auf den Markt nach Wien geliefert. In dieser Region gab es also genügend Fische. Jeder, der bei den Liechtensteins angestellt war, hat auch einen Karpfen bekommen. In Valtice gab es also Karpfen zum Abendessen."

Auf dem Lande hatte man nicht viel gebacken. Trockenobst ersetzte teilweise das Weihnachtsgebäck, sagt Lada Rakovska. Eine Art Dessert stellte früher ein Brei dar, der aus verschiedenen Getreidesorten - wie z. B. Haferflocken - gekocht wurde. Trockenobst - wie Äpfel, Birnen und Pflaumen - wurde zerkocht und mit diesem Brei gemischt.

Weihnachtskrippe aus Maisstroh von Zina Juricova
"Im Dorf Ladna hat man das so genannte ´mrna´ während der Weihnachtszeit gegessen. Das war kein Brei aus Haferflocken, sondern es wurde nur das Obst in einem großen Topf zerkocht. Und diesen Obstbrei hat man dann die ganze Weihnacht lang gegessen. Mit der Zeit hat der Saft einen besonderen Geschmack bekommen. Es war angeblich eine Delikatesse."

Heute wird oft über den stark kommerziellen Charakter von Weihnachten geklagt. Nach Meinung von Lada Rakovska boten diese christlichen Feiertage jedoch schon immer eine Gelegenheit dazu, viel mehr Geschäfte als sonst zu machen.

"Bereits im Mittelalter hat man vor Weihnachten viel mehr als während des restlichen Jahres verkauft. Um diesen geschäftlichen Aspekt der Feiertage ein wenig zu illustrieren, stellen wir hier beispielsweise verschiedene historische Waagen aus. Einige Exponate beweisen wiederum, dass die Waren schon während der Ersten Republik sehr schön eingepackt wurden. Zu sehen sind hier unter anderem farbige Geschenktüten, die in den Konditoreien benutzt wurden. Geschmückt wurden schon am Anfang des 20.Jahrhunderts auch die Schaufenster. Ausgestellt ist hier eine Weihnachtsdekoration mit kleinen Papierengeln, die während der Ersten Republik in den Schaufenstern benutzt wurde. Auch die Preiszettel hatten ein weihnachtliches Dekor - wir stellen hier einen solchen Zettel aus, auf dem ein Nikolaus mit einer Harmonika gezeichnet ist, und darauf wurde der Preis geschrieben."

Fotos: Autorin