45.000 Tonnen, 6000 Pfeifen: Prager Veitsdom bekommt neue Orgel

Im Prager Veitsdom gibt es derzeit nur eine vergleichsweise kleine Orgel. Doch das ändert sich. Nach langjährigen Planungen wird gerade eine neue Pfeifenorgel aufgebaut. Sie hat 96 Register, über 6000 Pfeifen und wiegt über 45 Tonnen.

Zehn Lkw-Ladungen sind nötig, um die Einzelteile der neuen Orgel für den Veitsdom nach Prag zu bringen. Die erste Lieferung ist in der vergangenen Woche eingetroffen.

Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

Gebaut wurde das Instrument in Barcelona in der Werkstadt des deutschen Orgelexperten Gerhard Grenzing. Er bekam 2017 den Zuschlag für den Auftrag. Die einzelnen Pfeifen wurden in Spanien bereits grob gestimmt und die Anlage dort erstmals zusammengebaut. Für den Transport wurde sie aber wieder in ihre Einzelteile zerlegt. Štěpán Svoboda ist Orgelfachmann und bei der Arbeit im Veitsdom mit dabei:

„Das gesamte Instrument wird nun wieder so zusammengesetzt, wie es in der Werkstatt in Spanien entstanden ist. Wir installieren zuerst die großen Holzpfeifen. Sie befinden sich ganz hinten und sind für die tiefsten Töne verantwortlich. Schritt für Schritt setzen wir die Konstruktion zusammen.“

Die größten der über 6000 Pfeifen messen siebeneinhalb Meter, die kleinsten gerade einmal sieben Millimeter. Die Orgel passend zu installieren, wird noch mehrere Monate dauern. Fertig ist das Instrument dabei schon mehrere Jahre. Der Transport aus Spanien verzögerte sich zuletzt jedoch, und der Grund dafür war nicht nur die Corona-Pandemie. Man stellte nämlich auch fest, dass die Prager Chorempore die neue Orgel gar nicht tragen kann. Denn zusammen mit der Glasverzierung wiegt sie ganze 45 Tonnen. Petr Měchura ist der Chef der Denkmalschützer der Prager Burg und sagt:

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„Als Kamil Hilbert 1910 diese Empore gebaut hat, ging er nicht davon aus, dass dort einmal ein Instrument solchen Ausmaßes aufgestellt wird. Die Tragekonstruktion unter dem Holzfußboden entsprach also nicht mehr den statischen Anforderungen. Deshalb wurde sie zusätzlich verstärkt.“

Laut Vojtěch Mátl vom Prager Erzbistum hatte auch der Brand der Kathedrale Notre-Dame in Paris einen Einfluss auf den Bau. Da sich die Orgel in Prag künftig über dem zentralen Fluchtweg befindet, muss das Instrument 15 Minuten einem Feuer standhalten und darf erst danach zusammenbrechen, wobei die Pfeifen nach hinten und nicht nach vorn ins Kirchenschiff fallen dürfen. Und Mátl ergänzt noch eine weitere Besonderheit, die beachtet werden musste.

„Der Ton wird von der Pfeife auf der Empore abgegeben und fliegt sozusagen durch den Dom nach vorne. Die Kirche besteht aber aus Sandsteinwänden, deren Unebenheiten den Ton aufhalten. Damit man den Klang vorne dennoch gut hören kann, haben wir noch einmal nachgerechnet und die Orgel um einige Meter nach oben versetzt. So wird der Schall über die Fenster übertragen.“

Die Kosten für die neue Orgel belaufen sich auf rund 109 Millionen Kronen (4,4 Millionen Euro). Finanziert wurde das Vorhaben durch Spender, die eine Patenschaft für einzelne Pfeifen oder Pedale übernehmen konnten. Das neue Tasteninstrument wird das vierte sein, dass in der jahrhundertelangen Geschichte des Veitsdomes erklingt. Anders als seine historischen Vorgänger wird es etwa über einen mobilen Spieltisch verfügen. Dadurch kann der Organist bei Konzertaufführungen auf der Ebene der Orchestermusiker und des Publikums sitzen.

Erstmals erklingen soll die Orgel am 15. Juni kommenden Jahres – wenn im Heiligenkalender an Sankt Veit erinnert wird. Zuvor muss die Pfeifenorgel aber nicht nur aufgebaut und geweiht werden. Es ist auch noch nötig, sie zu stimmen. Dies soll um die 900 Stunden dauern.

Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz
Autoren: Ferdinand Hauser , Mikuláš Vochozka , Martin Hrnčíř
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