60. Jahrestag der Ermordung der Roma im "Zigeunerlager" Auschwitz-Birkenau
In diesen Tagen wird des 60. Jahrestags der massenhaften Ermordung der Roma im so genannten "Zigeunerlager" in Auschwitz gedacht. Mehr von Martina Schneibergova.
Das so genante "Zigeunerlager" wurde 1943 im KZ Auschwitz II - Birkenau errichtet. Im Lager wurden insgesamt 20.923 Personen offiziell verzeichnet. Die Häftlinge wurden mit schwarzen Dreiecken als so genannte "Asoziale" gekennzeichnet. In den unmenschlichen Bedingungen starben die Roma schnell an Hunger, Krankheit und Folgen von Folter. Insbesonders schwangere Frauen und Zwillinge waren dort den abartigen Versuchen von Dr. Mengele ausgeliefert. Die einzige Hoffnung aufs Überleben stellte der Transport in weitere Lager dar. Alte Menschen und Mütter mit Kindern wurden als "arbeitsunfähig" in Auschwitz gelassen. In der Nacht vom 2. zum 3. August 1944 wurden dort 2.897 Personen, einschließlich vieler Häftlinge aus den böhmischen Ländern in Gaskammern ermordet. Die Mehrheit der aus Böhmen und Mähren nach Auschwitz deportierten Roma hat nicht überlebt. Die Zahl der Opfer ist jedoch schwierig zu beziffern, es steht nur fest, dass nach dem Krieg 583 ehemalige Roma-Häftlinge in die böhmischen Länder zurückkehrten. Unter ihnen auch Antonín Hlavácek, der in das KZ Auschwitz noch als Minderjähriger verschleppt wurde. Seine Eltern warteten auf ihn in Prag und haben den Krieg überlebt. Nach Auschwitz kam er im März 1943, er wurde später in weitere KZ - nach Buchenwald und Dachau - transportiert. Ende Juni hat Herr Hlavacek gemeinsam mit einer Gruppe der tschechischen Roma Auschwitz besucht, um das Andenken der Ermordeten zu ehren. Er erinnert sich an die Zeit vor mehr als 60 Jahren:"Dort unten war das sog. Isolationslager. Als wir dort ankamen, haben sie uns die Nummern auf die Hand tätowiert - ich hatte die Nummer 1996, unter der Nummer musste ich mich immer melden. Den Kopf haben sie uns kahl geschoren. Die neuen Transporte sind meistens am Abend gegen 22 Uhr angekommen. Wir durften zwar nicht aus den Baracken raus, aber wir haben alles gehört, was dort passierte. Die Angekommenen bekamen ein Handtuch und Seife und wurden angeblich in die Dusche geschickt. Statt Wasser kam dort jedoch Gas heraus. In den Krematorien arbeiteten die sogenannten Sonderkommandos, die aus Häftlingen zusammengesetzt waren. Nach drei Monaten wurden auch sie ermordet und durch neue Häftlinge ersetzt. Wir haben am Anfang gedacht, dass dort Brot gebacken wurde, erst nach zwei Wochen erfuhren wir, dass dort Menschen verbrannt werden."
Antonín Hlavácek hat überlebt, ein halbes Jahr lang wurde er in einem Sanatorium behandelt und dann begann er als Dachdecker zu arbeiten. Seine Leiden endeten jedoch noch nicht:
"Ich war während des kommunistischen Regimes im Gefängnis. Das, was der kommunistische Geheimdienst - StB - bei den Verhören gemacht hat, das hat er von den Nazis abgeguckt."
Soweit Antonín Hlavácek, einer der Roma-Häftlinge, der das KZ-Auschwitz überlebte.