Abitur 2012: Minister entschuldigt sich für überschwere Mathematik-Prüfung

Vor einem Jahr wurden in Tschechien zentrale staatliche Abiturprüfungen eingeführt. Derzeit legt gerade der zweite Jahrgang Abiturienten diese Prüfungen ab. Am Dienstag werden die Ergebnisse des schriftlichen Teils veröffentlicht, ehe am Mittwoch der mündliche Teil startet. Noch während die Abiturprüfungen laufen, musste der Bildungsminister Fehler bekennen.

Dass sogar der Minister über Fehler in den Abiturprüfungen spricht, ist erstaunlich. Zuvor hatte es allerdings massive Kritik von Schulleitern und weiteren Fachleuten sowie den betroffenen Schülern gegeben.

Die Prüflinge können im Abitur eine leichtere und schwierige Variante wählen. Die überwiegende Mehrheit der 45.000 tschechischen Mathematik-Abiturienten wählte die leichtere, für die schwierigere entschieden sich etwa vier Prozent ausgesprochene Mathematik-Asse. Und genau diese besonders fleißigen Schüler mussten feststellen, dass sich ihr Mut nicht ausgezahlt hatte. Einige Aufgaben waren so kompliziert, dass etwa die Hälfte der Abiturienten den Test nicht innerhalb der vorgesehenen Zeit von zwei Stunden beendete.

Petr Fiala
Am Sonntag hatte nun der neue Bildungsminister Petr Fiala seinen ersten größeren öffentlichen Auftritt. Er war zur Mittags-Talkshow des öffentlichen-rechtlichen Tschechischen Fernsehens geladen und ging sofort auf diese überschwere Mathematikprüfung ein:

„Ich möchte die Gelegenheit nutzen und mich im Namen des Bildungsministeriums bei allen entschuldigen, die von dem Fehler betroffen waren – vor allem bei den Abiturienten.“

Den Fehler hat die Firma Cermat verschuldet, sie arbeitet für den tschechischen Staat die Abiturprüfungen aus. Es ist nicht der erste Fehler der Firma: Beim ersten Zentralabitur im vergangenen Jahr waren zum Beispiel extrem strenge Sicherheitsvorschriften in und um die Prüfungsräume kritisiert worden, sie hatten einen Gang zur Toilette erheblich erschwert. Am Tag vor den diesjährigen Abiturprüfungen kollabierte dann der Webserver mit den Probetests.

Im neuen Fall haben die Verantwortlichen aber eine Lösung gefunden: Die Ergebnisse werden harmonisiert, also an die Vorjahrsergebnisse angeglichen. Dies geschieht durch eine höhere Punktevergabe für die Aufgaben. Und damit sinkt auch die Durchfallquote ganz erheblich, erläuterte der Leiter von Cermat, Pavel Zelený, am Montag in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

„Ohne die Harmonisierung würden insgesamt 16,8 Prozent der Abiturienten durchfallen. Durch die Harmonisierung sinkt diese Zahl auf 2,8 Prozent. Und das entspricht so ziemlich dem Niveau des vergangenen Jahres.“

Die meisten Abiturienten dürften also mit dem Schrecken davonkommen. Ob dies auf das Personal bei Cermat zutrifft, ließ Minister Fiala erst einmal offen. Das wolle er erst nach einer genauen Analyse entscheiden, sagte er im Fernsehen. Am Zentralabitur will der Minister indes nicht rütteln:

„Das staatliche Abitur hat dreifachen Sinn: Zum einen soll so die Untergrenze für eine erfolgreiche Reifeprüfung ermittelt werden. Des Weiteren soll es einen Vergleich der Schüler und Schulen ermöglichen. Und zuletzt wäre ich sehr froh, wenn das Abitur auch eine Bedeutung im Aufnahmeverfahren der Hochschulen erhält.“

Bisher hat die Abiturnote in Tschechien nicht dieselbe Bedeutung wie zum Beispiel in Deutschland. Sie ist keine Hochschulreife in dem Sinn, die Hochschulen schreiben stattdessen eigene Zulassungsprüfungen aus.